Stralsund - Die Hansestadt im 17. Jahrhundert

Mecklenburg-Vorpommern - Geschichte

978-3-14-100381-9 | Seite 26 | Abb. 2
Stralsund | Die Hansestadt im 17. Jahrhundert | Mecklenburg-Vorpommern - Geschichte | Karte 26/2

Überblick

Zwischen einigen Teichen und dem Strelasund lag im Mittelalter der slawische Fährort Stralow. Fürst Wizlaw I. von Rügen verlieh ihm 1234 das Stadtrecht. Begünstigt durch den leichten Zugang zur Ostsee und die gewährte Zollfreiheit nahm die Stadt einen rasanten Aufschwung, sehr zum Missfallen der Lübecker Bürger. Sie sahen ihre Privilegien in Gefahr und brannten die Konkurrenz 1249 nieder. Doch Stralsunds wirtschaftlicher Aufstieg schritt unaufhaltsam voran. Noch in dieser Zeit nahm die Stadt einen gewaltigen wirtschaftlichen Aufschwung durch Handwerk, Herings- und Fernhandel mit Dänemark, Norwegen, Flandern, England, Frankreich und Russland.

Hansezeit

1293 schloss Stralsund ein Schutzbündnis mit Lübeck, Wismar, Rostock und Greifswald. Bereits Mitte des 13. Jahrhunderts hatten die Stralsunder mit dem Bau einer Stadtmauer begonnen. Sie umschloss neben der Altstadt, dem Rathaus und der Nikolaikirche auch die 1256 gegründete Neustadt mit der Marienkirche sowie die Jacobikirche. Ergänzt wurde die Befestigungsanlage durch einen Ring von Stadtteichen. Die Stadt gehörte nach dem Erlöschen des Fürstentums Rügen 1325 zu Pommern-Wolgast. Sie war im 14. Jahrhundert nach Lübeck die bedeutendste Hansestadt im südlichen Ostseeraum und erlebte bis in das 15. Jahrhundert hinein ihre Blütezeit (13 000 Einwohner). Nach dem Niedergang der Hanse nahm die Bedeutung der Stadt ab. Sie lebte jedoch weiterhin vorwiegend vom Fernhandel sowie vom Schiffbau. Vor allem landwirtschaftliche Erzeugnisse aus Stralsunds Umgebung und das gebraute Bier wurden gehandelt und waren begehrt. Die Stadt handelte mit Schweden spezielle Handels- und Zollfreiheiten aus. Daher entwickelte sich Stralsund mit der Zeit zum wirtschaftlichen Brückenkopf Schwedens auf dem Kontinent.

Südschweden in Deutschland

Im 16. Jahrhundert hatte Stralsund mit Seuchen sowie Hungersnöten zu kämpfen. Dazu kamen mehrere Großbrände, die ganze Stadtteile verwüsteten. Zusätzlich erlebte die Stadt im 17. Jahrhundert mehrere kriegerische Auseinandersetzungen, unter anderem eine Belagerung durch die Truppen des kaiserlichen Feldherren Albrecht von Wallenstein. Die Stralsunder riefen schwedische und dänische Truppen um Hilfe. Denen gelang es, Wallenstein und seine Truppen zu vertreiben. Allerdings blieben die Schweden und wurden offiziell als Besatzungsmacht eingesetzt. Die Grundlage dafür bildete der Westfälische Friede von 1648, der den Anfang für eine politische Neuordnung Europas darstellte. In der „Schwedenzeit“ erreichte die Stadt ihren wirtschaftlichen Tiefpunkt. Aber sie bedeutete auch die Bereicherung auf kulturellem und geistigem Gebiet. Noch heute bezeichnen sich die Stralsunder und die Bewohner der Region gerne als „Südschweden“.