Stadtstaat Singapur - ein Wirtschaftszentrum Südostasiens

Singapur/Indonesien

978-3-14-100782-4 | Seite 123 | Abb. 3 | Maßstab 1 : 250.000
Stadtstaat Singapur | ein Wirtschaftszentrum Südostasiens | Singapur/Indonesien | Karte 123/3

Informationen

In dem kleinen Fischerdorf Wa Hakim lebten um das Jahr 1819 nur etwa 150 Malayen und einige Chinesen. Heute befindet sich an der gleichen Stelle die 3,6 Mio. Einwohner (2006) zählende südostasiatische Handelsmetropole Singapur mit dem größten Hafen der Erde.

Probleme der Stadtentwicklung
Das explosionsartige Wachstum der Stadt, das zu sozioökonomischen Problemen vor allem in den Vierteln mit einer starken chinesischen Bevölkerung führte, setzte noch in der Kolonialzeit ein. Zunächst äußerte sich die starke Bevölkerungszunahme in einer zunehmenden Slumbildung. Nach dem Zweiten Weltkrieg gab es im Stadtzentrum eine Einwohnerdichte von 75 000 bis 250 000 Einwohnern pro Quadratkilometer. Die mangelnde Infrastruktur und eine hohe Arbeitslosigkeit waren die vorherrschenden Probleme, als Singapur 1959 die innere Autonomie erlangte.
Wirtschafts-, Stadt- und Raumentwicklungspläne mit der Zielsetzung einer westlich orientierten Industriegesellschaft auf Kosten von traditionellen Strukturen wurden ab 1961 mit dem Ausbau des "Juran Industrial Estate" im südwestlichen Sumpfgebiet der Hauptinsel eingeleitet. Dort entstanden auf 6000 Hektar rund 1700 Firmen mit insgesamt 115 000 Beschäftigten. Im Hafenbereich konnten die Versorgungsbasen für die Offshore-Technik im südostasiatischen Raum angesiedelt werden. Die Grundlagen für ein günstiges Investitionsklima waren damit gelegt. Der Industrieboom löste eine Kettenreaktion im Dienstleistungssektor aus, die sich in der Entwicklung der Stadt zu einem Bankenzentrum und zu einem bevorzugten Sitz von Versicherungs- und Handelsgesellschaften manifestierte. Gleichzeitig erlebt die Touristikbranche seit Jahren einen Boom: 1999 zählte Singapur 7 Mio. Besucher, 2004 wurden bereits 8,3 Mio. Ankünfte registriert.
Die zunächst zu hohe Bevölkerungsdichte und die damit einhergehende Slumbildung im Stadtzentrum führten ab den 1960er Jahren zur Dezentralisierung und einem radikalen Stadtumbau. Queenstown war eine der ersten zentrumsnahen Satellitenstädte mit modernen Wohnblocks, in der viele Kleinwohnungen für einkommensschwache Familien eingerichtet wurden. Die Probleme des zunehmenden Pendlerverkehrs lösten die Planer einerseits durch Verbesserung der Massenverkehrsmittel und andererseits durch Einrichtung von Dienstleistungs-, Versorgungs- und Sozialzentren in den New Towns. In jüngster Zeit förderte man die wirtschaftliche Stellung der Trabantenstädte durch Einrichtungen wie Industrieparks.

Singapur heute
Trotz der zeitweiligen Rezessionstendenzen im regionalen Umfeld, insbesondere der Asienkrise gegen Ende der 1990er-Jahre, konnte Singapur seine Standortvorteile weiter ausbauen. Dank mehrerer Universitäten und einem Wissenschaftspark hat der Stadtstaat ein sehr hohes Forschungs- und Bildungsniveau, er verfügt über das modernste und bestausgebaute Kommunikationssystem des gesamten Region, ist mit dem Changi-Flughafen und dem Überseehafen, dem umschlagsstärksten der Welt, der bedeutendste Verkehrsknotenpunkt zwischen Europa, Ost-, Südostasien und Australien, lockt mit den vielen modernen Einkaufszentren wohlhabende Konsumenten aus der ganzen Welt an und liegt nicht zuletzt im Zentrum der ASEAN (Vereinigung Südostasiatischer Nationen). Mit den umliegenden Regionen Indonesiens und Malaysias ist Singapur sehr eng verflochten, dort liegen zahlreiche Produktionsstandorte der Industrie.
Dabei zeigt sich auch in Singapur die zunehmende Bedeutung des Dienstleistungssektors. Die starke Zunahme von Arbeitsplätzen im tertiären Sektor (vgl. Diagramm in der Karte), die das Wachstum im produzierenden Gewerbe deutlich überflügelt, bestätigt diese international zu beobachtende Tendenz.
K. Friedrich