Staaten und Bevölkerungsgruppen

Mittel- und Südamerika – Bevölkerung/Staaten

978-3-14-100782-4 | Seite 164 | Abb. 3 | Maßstab 1 : 65.000.000
Staaten und Bevölkerungsgruppen |  | Mittel- und Südamerika – Bevölkerung/Staaten | Karte 164/3

Informationen

In Mittelamerika bestehen im Wesentlichen immer noch jene Grenzverläufe, die in der Phase der Nationenbildung im frühen 19. Jahrhundert entstanden sind. Jüngeren Datums sind die Staaten Panama, welches sich 1903 von Kolumbien unabhängig machte und Belize, das ehemalige Britisch-Honduras, welches 1964 eine beschränkte Autonomie erhielt und seit 1981 unabhängig ist. Obgleich es einen Regierungschef gibt, ist das Staatsoberhaupt nach wie vor Königin Elisabeth II. Sie wird durch einen Gouverneur vertreten. Die Inseln der Karibik haben ihre Unabhängigkeit überwiegend nach dem Zweiten Weltkrieg erlangt.
In Südamerika haben sich die Grenzverläufe seit 1825 an vielen Stellen leicht verschoben, ohne dass sich die nationalstaatliche Gliederung des Kontinents entscheidend verändert hätte. Die Großlandschaft Guayana im nördlichen Südamerika ist heute in die Länder Guyana (1966, ehemals britisch), Suriname (1975, zuvor niederländisch) und die frühere Strafkolonie Französisch-Guyana geteilt. Zwischen Bolivien und Paraguay veränderte der Chaco-Krieg in den 1930er-Jahren den Grenzverlauf. Peru musste im Süden einige Landesteile an Chile abgeben, konnte sich aber 1942 im Norden auf Kosten Ecuadors erweitern. Die Falklandinseln im äußersten Süden waren nach ihrer Besetzung durch Argentinien 1982 der Auslöser eines Kriegs mit Großbritannien, der nach verlustreichen Kämpfen mit einem Sieg der britischen Truppen endete.

Bevölkerungsgruppen in Mittel- und Südamerika
Die heutige Bevölkerungszusammensetzung Mittel- und Südamerikas ist ein in verschiedenen Schüben entstandenes Produkt der Kolonialgeschichte. Bis zum späten 15. Jahrhundert lebten auf dem gesamten amerikanischen Kontinent ausschließlich indianische Ureinwohner. Mit dem Beginn der Eroberung kamen spanische und portugiesische Kolonisten sowie die als Mestizen bezeichneten Mischlinge aus den Beziehungen zwischen Ureinwohnern und Konquistadoren hinzu. Schon wenig später erreichten durch den Sklavenhandel die ersten Afrikaner den Kontinent. Im 19. Jahrhundert kam es zu einer flutartigen Einwanderung von Europäern, im 19. und 20. Jahrhundert auch zu einer, allerdings lokal beschränkten, Zuwanderung von Asiaten, vor allem aus Indien.
Deutliche Mehrheiten mit weit mehr als 90 Prozent der Bevölkerungsanteile stellen Afrikaner auf fast allen Inseln der Karibik. Auf den Bahamas folgen die Europäer mit 12 Prozent, in der Dominikanischen Republik haben sie einen Anteil von 16 Prozent und auf Kuba von 37 Prozent. Mehrheiten bilden die Europäer nur in Uruguay, Argentinien und Brasilien. In Uruguay stellen die europäischstämmigen Weißen 88 Prozent der Bevölkerung. 90 Prozent der Argentinier sind überwiegend spanischer und italienischer Herkunft. In Brasilien stammt die Bevölkerungsmehrheit (54 Prozent) überwiegend aus Portugal. Die indigene Bevölkerung stellt rund 38 Prozent, die Afrikaner gut 6 Prozent der Bevölkerung.
In Paraguay leben zu 90 Prozent Mestizen und nur geringe Anteile der Bevölkerung mit europäischer Abstammung. In Chile stellen die Mestizen und Europäer gut 95 Prozent, die etwa 4,5 Prozent Indianer zählen fast ausschließlich zu den Mapuche. In Bolivien stellen die Mestizen und die Ketschua sprechenden Indianer je 30 Prozent der Bevölkerung, auf die Aymara entfallen 25 Prozent. In Mexiko leben 60 Prozent Mestizen und 30 Prozent Indios. In Peru bilden die Ketschua mit 45 Prozent die größte Bevölkerungsgruppe, gefolgt von Mestizen mit 37 Prozent und Europäern mit 15 Prozent. In Kolumbien stellen die Indianer und Mestizen etwa zwei Drittel der Bevölkerung, während die Afrikaner einerseits, die Europäer andererseits etwa gleich große Minderheiten bilden.
Größere asiatische Ansiedlungen gibt es einzig in Guyana, Suriname und in der Republik Trinidad und Tobago. In Guyana stellen Inder etwa 43 Prozent der Bevölkerung, 30 Prozent sind Afrikaner. In Suriname leben 37 Prozent Inder, 31 Prozent Kreolen und 15 Prozent Javanesen neben kleineren Gruppen der Marons, Indios, Chinesen, und Afrikanern. In Trinidad und Tobago stellen die Afrikaner und Inder etwa gleich große Bevölkerungsgruppen von je rund 40 Prozent, gefolgt von der indigenen Bevölkerung mit knapp 20 Prozent.
K. Lückemeier