St. Ulrich - Tourismus und Umweltbelastung

Alpen - Tourismus und Umwelt

978-3-14-100800-5 | Seite 117 | Abb. 4 | Maßstab 1 : 125.000
St. Ulrich | Tourismus und Umweltbelastung | Alpen - Tourismus und Umwelt | Karte 117/4

Überblick

Die Karte zeigt die gegensätzlichen Raumstrukturen zweier benachbarter Alpentäler in Sütirol (Italien). Im Grödnertal mit den drei Gemeinden St. Ulrich, St. Cristina und Wolkenstein hat der Tourismus eine mehr als 100-jährige Geschichte und wird heute vom zweisaisonalen Massentourismus geprägt. Im nördlich angrenzenden Villnößtal dagegen – vom Grödnertal nur getrennt durch eine Bergkette – hat sich erst nach 1950 ein deutlich bescheidenerer Individualtourismus mit Schwerpunkt im Sommer entwickelt. Es wird heute vor allem von Gästen besucht, die einen naturorientierten Tourismus schätzen. Eine Ursache dieser gegensätzlichen Entwicklung war die frühzeitige Anbindung des Grödnertals an die Fernstraßen im Eisacktal und – durch den Bau der Grödner Schmalspurbahn 1915/16 – an das Eisenbahnnetz. Aus dem wachsenden Kapital der Talbewohner wurden erste kostenintensive Investitionen in die touristische Infrastruktur getätigt, die seitdem kontinuierlich ausgebaut wurde. Demgegenüber ist das Villnößtal bis heute stärker ackerbaulich, bergbäuerlich und forstwirtschaftlich orientiert geblieben.

Übernachtungskapazitäten und -zahlen

Während es zu Beginn des saisonalen Sommerfremdenverkehrs in St. Ulrich um 1974 etwa 500 000 Übernachtungen pro Jahr gab, waren es 2013 fast 612 000, bei einem leichten Übergewicht der Wintersaison mit rund 326 000 Übernachtungen. Die Aufenthaltsdauer liegt bei durchschnittlich 5,6 Tagen, die durchschnittliche Auslastung bei 36,5 %. Eine besonders dynamische Entwicklung hat in den letzten Jahrzehnten Wolkenstein genommen (s. Diagramm). Der wirtschaftliche Stellenwert des Tourismus wird deutlich, wenn man die Bettenzahlen zur Bevölkerung in Beziehung setzt. In St. Ulrich, dem Hauptort des Grödnertals, kommt auf jeden Einwohner etwa ein Gästebett, in St. Cristina sind es 1,6 und in Wolkenstein 3,2.

Das Villnösstal kommt mit 129 000 Übernachtungen pro Jahr (mehr als 80 % davon im Sommer) auf etwa ein Fünftel des Wertes von St. Ullrich. Hinsichtlich der Bettenzahlen übertrifft allein Wolkenstein das Villnösstal um das Sechsfache.

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Beschneiungsanlagen

Im gesamten Alpenraum wurde im Jahr 2013 eine Fläche beschneit, die der des Bodensees entspricht.

Hohe Umweltbelastungen ergeben sich unter anderem aus dem hohen Strom- und Wasserbedarf. Im Alpenraum wird für Beschneiung eine Wassermenge benötigt, die höher ist als der Jahresbedarf von München; der Strombedarf entspricht etwa dem Jahresverbrauch von Nürnberg. Der hohe Wasserbedarf führt zu stark veränderten hydrologischen Verhältnissen in den Bächen und Flüssen, ihr Abfluss geht um bis zu 70 Prozent zurück.

Überdies können biochemische Hilfsmittel zum Einsatz kommen, die dem Beschneiungswasser beigemengt werden, um die Schmelze zu verzögern.

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Umweltbelastungen im Grödnertal

Der exzessive Ausbau des Beherbergungssektors und der touristisch bedingten Infrastruktur im Grödnertal geht mit einer Vielzahl von Umweltbelastungeneinher. Zersiedlungsphänomene an der Peripherie von St. Ulrich, St. Christina und Wolkenstein und die gleichzeitige innerörtliche Verdichtung haben die gewachsenen Ortsbilder verändert. Zur Bodenversiegelung und der Erschließung zahlloser Pisten kommt in jüngster Zeit die Errichtung flächenintensiver touristischer Anlagen.

Analysen zur Verkehrsbelastung erbrachten im Grödnertal ein etwa zehnmal größeres Verkehrsaufkommen mit entsprechend höheren Emissionswerten als im benachbarten Villnößtal. Die lufthygienisch ungünstigen Bedingungen im Grödnertal, die sich insbesondere bei winterlichen Wetterlagen bemerkbar machen, spiegeln sich in der gegenüber dem Villnößtal deutlich verringerten Flechtenvitalität wider. Die verkehrsbedingte Lärmbelastung schränkt die Erholungseignung für Gäste, aber auch die Lebensqualität der Einwohner erheblich ein. Schließlich ergeben sich aus der starken Konzentration des Tourismus auf wenige Orte und die ausgeprägte Saisonalität erhebliche Anforderungen an die Entsorgung.

Die landschaftszerschneidende Wirkung der zahlreichen Bergbahnen zeigt sich besonders deutlich im Gebiet der Seiser Alm und am Piz Sella. Seit Beginn der 1990er-Jahre setzt man zunehmend auf technologische Neuerungen und Modernisierungen zur Steigerung der Förderleistung, weniger auf neue Erschließungen. Daher lag die Gesamtzahl der Bergbahnanlagen in Südtirol im Jahr 2004 mit 379 nur geringfügig über dem Wert von 1970 (339). In ganz Südtirol liegt die Beförderungskapazität inzwischen bei rund 500 000 Personen, das heißt, dass die vorhandenen Seilbahnen in einer Stunde die gesamte Bevölkerung Südtirols transportieren könnten. Es zeigt sich ein Trend zu einer ganzjähriger Nutzung der Bergbahnen: Während im Winter Skifahrer vorherrschen, sind es im Sommer Wanderer, Kletterer, Mountainbike-Fahrer und Gleitsegler.

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