Sri Lanka - Tourismus und Konflikte

Erde – Tourismus

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Sri Lanka | Tourismus und Konflikte | Erde – Tourismus | Karte 188/2

Informationen

Sri Lanka, das frühere Ceylon, ist eine von Lagunen gesäumte Insel südlich Indiens. Das tropische Klima wird stark von den südostasiatischen Monsunen geprägt. Am Bruttoinlandsprodukt des knapp 20 Mio. Einwohner zählenden Landes war die Industrie im Jahre 2005 zu 26 Prozent und die Landwirtschaft zu 17 Prozent beteiligt, auf den Dienstleistungssektor entfielen 57 Prozent. In Letzterem spielt der Tourismus eine erhebliche Rolle — 2005 wurden knapp 570 000 Touristenankünfte registriert —, wird aber durch den anhaltenden Bürgerkrieg zwischen Regierungstruppen und Tamilenrebellen stark eingeschränkt.

Tourismus und Tamilenkonflikt
Die Insel Ceylon, 1505 von Portugiesen erobert, fiel 1656 an die Niederländer und 1796 an Großbritannien. Nach Erlangung der Unabhängigkeit als Dominion 1948 gab sich das Land 1972 eine neue Verfassung und den Namen Sri Lanka. Die repressiven Gesetze aus den ersten Nachkriegsjahren wurden aufgehoben, erklärtes Ziel war die Einführung der freien Marktwirtschaft. Der Tourismus, um 1971 noch marginal, nahm einen kräftigen Aufschwung. Bereits 1982, als erstmals 400 000 Gäste verzeichnet wurden, war er eine ernst zu nehmende Wirtschaftsgröße, insbesondere im Südwesten der Insel. Allerdings eskalierten um diese Zeit die blutigen Auseinandersetzungen zwischen Tamilen und Singhalesen, wodurch die Gästezahlen innerhalb von vier Jahren wieder um die Hälfte zurückgingen.
Die Tamilen, deren Schwerpunkte im Norden und Osten der Insel lagen, waren während der Kolonialzeit von den Briten bei der Vergabe von Ämtern und Posten bevorzugt worden; nach der Unabhängigkeit wurden sie von der singhalesischen Mehrheit diskriminiert. Sie reagierten ab den 1970er-Jahren mit der Forderung nach Schaffung eines eigenen Staates für die rund 3,2 Mio. Tamilen. Es kam zu Kämpfen, ab 1987 unter Beteilung indischer Truppen, deren Aufgabe die Entwaffnung der Rebellentruppe "Liberation Tigers of Tamil Eelam" (LTTE) und der anderen separatistischen Guerillaeinheiten war. Die indischen Streitkräfte wurden 1990 wieder abgezogen, die Gefechte hielten an. Und doch stabilisierten sich die Gästezahlen allmählich, bis die Regierung einen Vorstoß gegen die Tamilenhochburg Jaffna begann, die im April 1996 erobert wurde.
Die Gästezahlen brachen erneut ein, erholten sich aber wieder, bis 1999 die tamilischen LTTE eine Offensive gegen die Regierungstruppen im Norden begann. Auf ihren Sieg am strategisch wichtigen Elefantenpass im April 2000 reagierte Colombo mit Gesetzen, die de facto die Verhängung des Kriegsrechts bedeuteten. Erst als sich LTTE und Regierung im Dezember 2001 auf eine vorläufige Waffenruhe einigten, die im Februar 2002 unter norwegischer Vermittlung zur Verabredung eines unbefristeten Waffenstillstands führte, erholten sich die Gästezahlen wieder. Die Tsunami-Katastrophe in Südostasien Weihnachten 2004 traf Sri Lanka schwer; zahllose Gebäude wurden verwüstet, Tausende Menschen starben. Die Auswirkungen auf den Tourismus waren allerdings nicht so stark wie die der opferreichen Kämpfe.
Doch das verwüstete Land kam nicht zur Ruhe. Während im Februar 2006 in Genf Vertreter der Regierung und der LTTE miteinander verhandelten, eskalierte die Gewalt erneut. Nach blutigen Terroranschlägen, Luftangriffen und Seegefechten begannen im Juli 2006 die bislang verlustreichsten Kämpfe, durch die sich im Norden und Osten des Landes nach Schätzungen der UN etwa 200 000 Menschen auf die Flucht begaben. Auf die Luftangriffe und die Bodenoffensive der Regierungstruppen reagierten die Rebellen mit verstärkten Terrorattentaten und Selbstmordanschlägen, die sie nun auch auf die touristischen Hochburgen im Süden des Landes ausdehnten. Beide Seiten erklärten das Friedensabkommen von 2002 für obsolet. Seit 1983 sind durch den Bürgerkrieg mindestens 70 000 Menschen gestorben, eine Lösung ist nicht abzusehen.
K. Lückemeier