Spreewald - UNESCO-Biosphärenreservat

Deutschland – Tourismus

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Spreewald | UNESCO-Biosphärenreservat | Deutschland – Tourismus | Karte 47/4

Informationen

Der Spreewald wurde 1991 von der UNESCO mit dem Titel "Biosphärenreservat" ausgezeichnet und gehört seitdem zu einem weltumspannenden Netzwerk von Modelllandschaften. Etwa 100 Kilometer südöstlich von Berlin ist der Spreewald in die Niederlausitz als Binnendelta der Spree eingebettet. Der Reichtum an kleinen Kanälen und Flüssen prägt mit seinem typischen Nutzungsmosaik eine reizvolle Landschaft. Der im Kartenausschnitt dargestellte Teil des Oberspreewaldes ist eine artenreiche Auenlandschaft, die kulturgeschichtlich vor allem durch die Besiedlung durch Sorben oder Wenden geprägt wurde. Einen Hinweis darauf liefert heute noch die Doppelsprachigkeit der Ortsbezeichnungen. Die zum Teil noch immer lebendigen Traditionen und Alltagsbräuche geben dem Spreewald seinen kulturellen Lebensnerv und begeistern jährlich bis zu 5 Mio. Gäste. Die Brutreviere von Seeadler, Schwarzstorch, Kranich und Eisvogel und die Habitate der Rotbauchunke, des Fischotters und der seltenen Großkäferart des Eremiten sollen durch ein Konzept geschützt werden, das durch eine Zonierung von Naturschutz- und Landschaftsschutzgebieten auf einen Interessenausgleich zwischen Mensch und Natur zielt. Der damit verbundene Anspruch, tragfähige Strategien für eine nachhaltige Entwicklung zu entwickeln, wurde, wie zahlreiche praktische Beispiele belegen, bereits in einigen Fällen erfolgreich umgesetzt. Die erste Evaluierung durch die UNESCO konnte nach zehnjährigem Bestehen des Biosphärenreservates eine sehr positive Bilanz ziehen.

Landnutzung und Wasserwirtschaft
Das geringe Gefälle der mit Schmelzwassersanden aufgefüllten Beckenlage des Urstromtales führte zu einer Flussverwilderung, die sich noch heute in einem System von Gewässerstrukturen mit einer Gesamtlänge von etwa 1100 Kilometern manifestiert. Die für Mitteleuropa relativ späten Eingriffe in den Jahren von 1930 bis etwa 1985 verringerten im Oberspreewald die Überflutungsfläche der Spree auf ca. 5600 Hektar bzw. 20 Prozent ihrer ursprünglichen Ausdehnung. Verantwortlich dafür waren Ausbaumaßnahmen wie Flussbegradigungen, Kanalbau, Einbau von Wehranlagen, Schleusen, Polder und Schöpfwerke sowie die Anlage eines Staugürtelsystems. Die Eingriffe waren jedoch nicht vollständig und somit sind auch heute noch naturnahe Fließgewässersituationen zu erkennen.

Tourismusentwicklung
Die wirtschaftliche Zukunft der Spreewaldregion ist stark mit der Entwicklung des Tourismus verbunden. Ein breites Angebot an Übernachtungsmöglichkeiten verschiedener Kategorien, ein geschlossenes Radwegenetz, Reit- und Wandertouristik, Paddelboottouren und diverse Themenangebote in den Bereichen Gesundheit, Sport und Naturtourismus stehen den Spreewald-Besuchern mittlerweile zur Auswahl. Eine noch junge Touristenattraktion ist die im Jahre 2003 eröffnete Slawenburg bei Raddusch (am unteren Kartenrand), die unter anderem eine umfangreiche archäologische Ausstellung über die Lausitzer Region von der Steinzeit bis zum Mittelalter bietet. Die Lage am Übergang zum ehemaligen Bergbaugebiet macht die Slawenburg zu einem idealen Ausgangspunkt für eine touristische Erkundung der Lausitz.
Der Natur- und Erlebnistourismus wird auch in näherer Zukunft ein wichtiger Schwerpunkt für den Tourismus in der Spreewaldregion sein. Die Biosphärenreservatsverwaltung sieht hier einen Wachstumsmarkt für nachhaltigen Tourismus, der sich mit den Interessen des Naturschutzes vereinbaren lässt. Zu den Angeboten zählen beispielsweise Rastplatzbeobachtung von Kranichen und Gänsen und botanische Führungen. Diese Ausweitung des touristischen Angebots — neben der klassischen Spreewaldkahnfahrt im Tagesgeschäft — hat den Mehrtagestourismus gestärkt und die Übernachtungszahlen gegenüber den 1990er-Jahren deutlich erhöht.
M. Petschick