Sprachgruppen

Südtirol – Bevölkerung/Raumstruktur

978-3-14-100782-4 | Seite 24 | Abb. 2
Sprachgruppen |  | Südtirol – Bevölkerung/Raumstruktur | Karte 24/2

Informationen

Südtirol ist dreisprachig. Bei der letzten Volkszählung 2011 ordneten sich rund 62 % der Wohnbevölkerung der deutschen, 23 % der italienischen und 4 % der ladinischen (rätoromanischen) Sprachgruppe zu. Mit dem Autonomiestatus von 1972 wurden auch die Ladiner als eigenständige Sprachgruppe anerkannt. Etwa 10 % firmierten in der Sprachgruppenstatistik unter „Sonstige“. Davon waren wiederum vier Fünftel ausländische Staatsbürger, bei denen Albaner und Deutsche die größten Gruppen bilden.

Entwicklung
Die Grafik zeigt die Entwicklung der Bevölkerung nach Sprachgruppen zwischen den Volkszählungen 1880 und 2011. 1919 wurde Tirol südlich des Brenners dem italienischen Staat zugeschlagen. War bis dahin der Anteil der italienischsprachigen Bevölkerung mit rund 3 % (1910) sehr gering, stieg er bis 1921 auf fast 11 %. Demgegenüber ging der Anteil der Deutsch-Südtiroler von 89 % auf 76 % zurück. Die vier Jahrzehnte ohne Volkszählung waren bestimmt durch die Italienisierungspolitik des faschistischen Staates, der zwischen Hitler und Mussolini 1939 ausgehandelten Möglichkeit der deutschsprachigen Südtiroler in das Deutsche Reich auszuwandern und weiterer italienischer Einwanderung nach dem Zweiten Weltkrieg. Bis 1961 erhöhte sich der Anteil italienischsprachiger Einwohner auf 34 %. Seitdem geht er bei insgesamt steigender Bevölkerungszahl kontinuierlich zurück. Der Anteil der Ladiner bewegt sich seit 1880 kaum verändert um 4 %. Die Zahl der Ausländer steigt seit 1981 kontinuierlich an, mit der Folge, dass auch der Anteil der Deutschsprachigen zurückgeht. In den Zahlen für 1921 zeigt sich die Sondersituation nach dem Ersten Weltkrieg mit Einwohnerrückgang und Staatenwechsel, der das Gewicht zwischen den Sprachgruppen verschob und einen Teil der Bewohner zu Fremden im eigenen Land machte. Der Ausländeranteil lag damals bei rund 10 %.

Verteilung
Die deutsche Sprachgruppe stellt in Südtirol die große Mehrheit. In 103 Gemeinden beträgt ihr Einwohneranteil mehr als 50 %, in 100 mehr als zwei Drittel. Die italienischsprachige Bevölkerung konzentriert sich auf vergleichsweise dicht besiedelte Regionen, besonders auf das Etschtal zwischen Meran und Salurn mit dem Schwerpunkt Bozen und der Bezirksgemeinschaft Überetsch-Südtiroler Unterland, die unter den sieben Bezirksgemeinschaften den größten Italienischanteil hat (32 %). Mehr als zwei Drittel der Einwohner in der Landeshauptstadt (74 %) und im südlich angrenzenden Leifers (72 %) ordnen sich der italienischen Sprachgruppe zu. In der Stadt Meran haben die deutsche und die italienische Sprachgruppe nahezu dasselbe Gewicht. In der Region zwischen Brixen und Brenner beträgt der Anteil der Italienischsprachigen teils mehr als ein Viertel. Etwa ein Siebtel der Wohnbevölkerung stellt die italienische Sprachgruppe in drei Gemeinden des Pustertals: Bruneck, Toblach und Innichen.
Das Hauptsiedlungsgebiet der Ladiner ist geographisch klar definiert: Eine Mehrheit von über 80 % stellt die rätoromanische Sprachgruppe in zwei Dolomitentälern, dem Grödnertal (drei Gemeinden) und dem Gadertal (fünf Gemeinden). Eine signifikante Minderheit sind sie auch in der Nachbargemeinde Kastelruth am Schlern (15 %).

Henning Aubel