Skandinavien, Baltikum - Wirtschaft

Skandinavien, Baltikum - Wirtschaft

978-3-14-100803-6 | Seite 108 | Abb. 2 | Maßstab 1 : 6.000.000
Skandinavien, Baltikum | Wirtschaft | Skandinavien, Baltikum - Wirtschaft | Karte 108/2

Überblick

Die Länder Skandinaviens, die lange zu den ärmeren Staaten Europas zählten, geprägt vor allem durch Fischfang, Schifffahrt und Forstwirtschaft, haben in den letzten Jahrzehnten einen enormen Aufschwung erlebt. Gemessen am Bruttoinlandsprodukt (BIP, in Kaufkraftstandards), waren vor allem Norwegen, aber auch Dänemark, Schweden und Finnland 2013 wohlhabender als Deutschland. Die Bevölkerungsverteilung in Skandinavien wird stark durch ein Nord-Süd- und ein Küsten-Binnenland-Gefälle geprägt. Ursächlich dafür sind sowohl klimatische und naturräumliche Gründe als auch die traditionelle Bedeutung der Hafenstandorte für Fischfang, Handel und Verkehr. Gegenüber breitenparallelen Zonen in Ostkanada macht sich die temperaturerhöhende Wirkung des Golfstromes in Skandinavien in einer relativen Klimagunst bemerkbar.

Zu den Regionen, die sich in Skandinavien in den letzten Jahren am dynamischsten entwickelt haben, zählt die transnationale Metropolregion Kopenhagen (Dänemark) – Malmö (Schweden). Nachdem im Jahr 2000 eine Bahn- und Straßenquerung die traditionellen Fährverbindungen über den Öresund ersetzt hat, sind beide Städte zu einer Wirtschaftsregion mit ausgesprochen guten Standortfaktoren zusammengewachsen. Die ausgezeichneten Nahverkehrsverbindungen sorgen dafür, dass viele Menschen über die Brücke zu ihren Arbeitsstätten pendeln und auch außerhalb der Wirtschaft zahlreiche Verbindungen entstanden sind.

Norwegen. Die wirtschaftliche Prosperität Norwegens begann in den 1970er-Jahren mit der Erschließung seiner Öl- und Gasreserven, die das Land innerhalb kurzer Zeit zu einem der größten Öl- und Gasexporteure der Welt machten. Begünstigt wurde der allgemeine wirtschaftliche Aufschwung auch durch die enormen Wasserkraftressourcen des Landes zur Stromerzeugung. Dank der geographischen Gegebenheiten kann Norwegen den nationalen Elektrizitätsbedarf zu mehr als 95 Prozent aus Wasserkraft decken. Die niedrigen Stromkosten begünstigten wiederum die Ansiedlung energieintensiver Industrien wie der Aluminiumverhüttung.

Ein weiterer wichtiger Wirtschaftszweig ist bis heute die Schifffahrt; Norwegen unterhält eine der größten Handelsflotten der Welt. Überdies ist das Land einer der weltweit führenden Exporteure von Meeresfrüchten, wobei Lachse aus der Aquakultur eine Hauptrolle spielen. Auch die Tourismusbranche ist gewachsen, inzwischen beschäftigt sie mehr als 6 Prozent aller Erwerbstätigen. Mit einem BIP (pro Kopf in Kaufkraftstandards) von rund 51 000 Euro zählt Norwegen zu den reichsten Ländern der Welt (Deutschland 2013: 33 300 Euro).

Schweden. Die schwedische Wirtschaft ist breit gefächert. Das Spektrum international konkurrenzfähiger Branchen reicht von der Holz-, Zellstoff-, Papier- und Möbelindustrie über die verarbeitenden Industrien (Fahrzeug- und Maschinenbau, Elektrotechnik, Pharmazie) bis zur Informationstechnologie und Biotechnik. Das Land beherbergt eine Reihe global agierender Unternehmen wie IKEA, Electrolux und Volvo. Die wichtigsten Exportmärkte sind Norwegen und Deutschland, gefolgt von Großbritannien, den USA, Finnland und Dänemark, die bedeutendsten Exportwaren sind Maschinen, elektronische Geräte, Fahrzeuge, Erdölprodukte, Papierwaren, Eisen und Stahl. Erneuerbare Energien hatten in Schweden 2012 einen Anteil von 51 Prozent am Gesamtenergieverbrauch.

Finnland. Die Wirtschaft Finnlands hat in den letzten Jahrzehnten überdurchschnittlich stark von der Globalisierung profitiert, war aber durch ihre starke Exportorientierung von der globalen Finanz- und Wirtschaftskrise ab 2008 auch sehr viel stärker betroffen als andere Industrienationen. Die wichtigenIndustriezweige, auf die ein Großteil der finnischen Exporte entfällt, sind die Chemische Industrie, die Holz- und Papierindustrie (vgl. 109.1), die Metall- und Elektroindustrie sowie der Maschinenbau; eines der bekanntesten finnischen Unternehmen ist der Nokia-Konzern. Ein wichtiger Sektor der Wirtschaft ist aber auch der Dienstleistungsbereich, der über 70 Prozent der Erwerbstätigen des Landes beschäftigt.

Aufgrund seiner geographischen Lage und einiger energieintensiver Industrien ist der durchschnittliche Energieverbrauch in Finnland ungewöhnlich hoch. Der Energiebedarf wird zu 32 Prozent aus Erdöl und Erdgas, zu 30 Prozent aus erneuerbaren Energien und zu 18 Prozent durch die zwei Kernkraftwerke des Landes gedeckt; der Rest stammt aus Kohle und Torf (Stand 2012). Ein drittes Kernkraftwerk ist derzeit im Bau und soll 2016 ans Netz gehen, zwei weitere Kernkraftwerke sind in Planung.

Dänemark. Die dänische Wirtschaft ist gekennzeichnet durch eine Vielzahl hoch spezialisierter mittelständischer Industrie- und Dienstleistungsunternehmen, die oft technologisch zur Spitzenklasse gehören, etwa im Bereich Pharmazie (Novo Nordisk), Unterhaltungselektronik (Bang & Olufsen), Windkraftanlagen (Vestas), Bekleidung (Ecco) oder Spielwaren (Lego). Daneben spielen der Maschinenbau, die Tourismusbranche und die Lebensmittelindustrie bedeutende Rollen. Mit dem Molkereiunternehmen Arla Foods und der Großbrauerei Carlsberg beherbergt Dänemark zwei Konzerne, die beide zu den weltweit größten ihrer Branche zählen.

Dänemark weist eine sehr hohe Staatsquote auf (2012: 58,2 %; zum Vergleich: Deutschland: 44,9 %; Schweiz: 34,7 %). Die Staatsquote ist ein Indikator für den Anteil der staatlichen und staatlich bedingten wirtschaftlichen Aktivität (Staatsausgaben) an der Gesamtleistung einer Volkswirtschaft.

Etwa ein Drittel des dänischen Bruttoinlandsproduktes wird durch Exporte erwirtschaftet. Zu den wichtigsten Exportartikeln zählen Lebensmittel, Maschinen und Maschinenteile, Pharmazeutika und Elektronik. Seit 2002 ist das Land darüber hinaus auch Exporteur von Erdgas und Erdöl. Wichtigster Außenhandelspartner Dänemarks ist Deutschland, gefolgt von Schweden, Großbritannien und den Niederlanden.