Silicon Valley (Santa Clara County) - Computerindustrie

Vereinigte Staaten von Amerika (USA)/Kanada – Wirtschaft

978-3-14-100782-4 | Seite 150 | Abb. 2 | Maßstab 1 : 500.000
Silicon Valley (Santa Clara County) | Computerindustrie | Vereinigte Staaten von Amerika (USA)/Kanada – Wirtschaft | Karte 150/2

Informationen

Das Silicon Valley gilt weltweit als Paradebeispiel für eine durch die moderne Hightechindustrie geprägte Industrieregion. Es ist gekennzeichnet durch eine einzigartige Standortkonzentration der Elektronik-, Telekommunikations-, Computerhardware- und Softwareindustrie, der bio- und umwelttechnologischen Forschung und der Rüstungs-, Luft- und Raumfahrtindustrie. Geprägt wird der Raum vor allem jedoch durch die Ansammlung weltbekannter Unternehmen der Informations- und Computerbranche wie Apple, Hewlett-Packard, Intel, Google, ebay oder Yahoo, um die sich annähernd 10 000 weitere Firmen unterschiedlichster Größenordnung gruppieren. Inzwischen ist das Silicon Valley nur noch eine unter zahlreichen Hightechregionen oder "silicon landscapes" in den USA. Zu ihnen zählen der Großraum Boston mit der Route 128, der Korridor von Washington D.C. bis Baltimore, das "Research Triangle" in North Carolina und das Orange County im Großraum Los Angeles.

Geografische Lage und Bevölkerung
Das Silicon Valley, dessen Name auf das bei der Halbleiterproduktion benötigte Silicium zurückgeht, liegt südöstlich von San Francisco im Bereich der südlichen San Francisco Bay und ihrer Fortsetzung im breiten Tal des Santa Clara Valley zwischen zwei Gebirgszügen der kalifornischen Küstenketten. Das Zentrum des Silicon Valley, das weitgehend mit dem Santa Clara County identisch ist, aber auch Teile der benachbarten Alameda und San Mateo Counties umfasst, bildet San Jose, die drittgrößte Stadt Kaliforniens, die 2006 rund 916 0000 Einwohner zählte.
Unter dem Einfluss des anhaltenden wirtschaftlichen Booms der vergangenen Jahrzehnte stieg die Einwohnerzahl des Santa Clara County zwischen 1950 und 2006 von 290 000 auf 1,73 Mio. Menschen. Mit einem durchschnittlichen Jahreseinkommen von 104 000 US-Dollar (2006) pro Haushalt belegt das Santa Clara County den Spitzenplatz in Kalifornien. Innerhalb des Silicon Valley lässt sich jedoch eine deutliche ökonomische und auch soziale Differenzierung erkennen. Die Mehrzahl der großen Firmen konzentriert sich mit ihren Zentralen auf den Industriegürtel von San Jose über Sunnyvale und Mountain View bis nach Palo Alto, dem Standort der Stanford University. In San Jose selbst und seiner südöstlichen Umgebung sind eher die Produktionsstätten lokalisiert. Entsprechend geringer ist hier auch das mittlere Einkommen der Haushalte. Demgegenüber liegen im Siedlungsband von Palo Alto über Los Altos und Cupertino bis Saratoga die Wohnsitze der Spitzenverdiener und Reichen.

Entwicklung zur High-Tech-Region
Ausschlaggebend für den Aufstieg des Silicon Valley zur Hightechregion war das Zusammentreffen verschiedener Faktoren. Eine zentrale Rolle spielten bereits ab den 1930er-Jahren die Stanford University und ihr damaliger Vizepräsident Frederick Terman, der seine Studenten zum Unternehmertum animierte und nebst Flächen auch Kapital zur Ansiedlung der Betriebe bereitstellte. Die Gründung der Firma Hewlett-Packard durch die gleichnamigen Studenten in einer Garage in Palo Alto 1939 wurde durch Terman inspiriert. Auch die Anlage des "Stanford Industrial Park" als Schnittstelle von Forschung und Produktion im Jahre 1951 geht auf seine Initiative zurück. Von diesem Forschungsund Technologiezentrum gingen wichtige Impulse für die Entwicklung der Elektronikindustrie im gesamten Silicon Valley aus.
Typisch für diese Entwicklung waren ständige Neu- und Ausgründungen, sogenannte Spin-offs, aus der Universität und aus bereits existierenden Unternehmen. Von wegweisender Bedeutung war dabei die Entwicklung der Halbleitertechnologie durch den Nobelpreisträger W. B. Shockley und die Gründung der Firma Fairchild Semiconductor im Jahre 1957.
Eine wichtige Rolle spielten auch staatliche Forschungs- und Entwicklungsaufträge. Der Aufstieg der Hightechindustrie im Silicon Valley wurde entscheidend begünstigt durch die Vergabe von lukrativen Aufträgen seitens der Bundesregierung an die Rüstungs- und Raumfahrtindustrie, die einen Standortschwerpunkt in Kalifornien hatte. Von diesem Industriezweig ging eine starke Nachfrage nach spezialisierten und innovativen Produkten des Elektroniksektors aus, die von den ständig neu entstehenden und höchst flexiblen Kleinbetrieben in idealer Weise bedient werden konnte.
Weitere wichtige Faktoren waren die Verfügbarkeit von Risikokapital und die Ausbildung einer spezifischen Unternehmenskultur. Die großzügige Gewährung von Kapital an junge Unternehmen mit einem zukunftsträchtigen "Businessplan" durch spezielle Finanzdienstleister — auch ohne die üblichen Sicherheiten — begünstigte den raschen Aufschwung der Elektronikund Computerindustrie. Die enge Verflechtung von Großkonzernen, mittelständischen Unternehmen und einem breiten Heer hoch spezialisierter Kleinunternehmen mit häufig nur kurzer Lebensdauer ist bis heute ein charakteristisches Merkmal dieser "Industrielandschaft" geblieben. Innerhalb dieser Netzwerke kommt es sowohl über formelle wie informelle Kontakte zu einem stetigen Personaltransfer und Wissensaustausch. Die Kehrseite dieser Partnerschaften und Allianzen ist ein scharfer Wettbewerb um die Entwicklung von neuen Produkten, die Gewinnung von Kunden und die Erschließung von Märkten.

Wandel im Silicon Valley
Es gehört zu den grundsätzlichen Problemen von Hightechregionen, dass sie sich eine hohe Flexibilität und stetige Innovationsbereitschaft bei der Entwicklung neuer Produkte erhalten müssen, um ihre ökonomische Spitzenstellung dauerhaft zu sichern. Deshalb ist auch das Silicon Valley einem ständigen Wandel unterworfen. Spielte anfangs noch die Produktion von Mikrochips und Computern eine große Rolle, so hat sich die Fertigung von ausgereiften Produkten in Großserien unter dem Druck der hohen Produktionskosten in Niedriglohnregionen der USA oder ins Ausland verlagert. Waren in der Frühzeit noch alle Stadien der Wertschöpfungskette vertreten, so spaltete sich diese bei den großen Firmen zunehmend auf, wobei die wissensintensiven und kundenspezifischen Aufgaben im Silicon Valley verblieben. In der jüngeren Vergangenheit wird die Entwicklung vor allem durch den Aufstieg von Internetdienstleistern wie Google, ebay oder Yahoo bestimmt.
Dennoch blieb auch das Silicon Valley nicht frei von Krisenphänomen. Die Krise der "New Economy" zu Beginn des neuen Jahrtausends führte bis 2004 zu einem starken Einbruch der Beschäftigtenzahlen im Bereich der Informationstechnologie und zu einem deutlichen Anstieg der Arbeitslosigkeit (vgl. Diagramm). Auch wenn der Computersektor in den Bereichen Hardware, Software und Internetdienste insgesamt nur 21 Prozent der Beschäftigten im Santa Clara County umfasst (2006), ist er doch eine Leitbranche für die gesamte Wirtschaft. Von ihm geht sowohl direkt als auch indirekt eine breite Nachfrage nach Dienstleistungen aus, sei es in den Bereichen Rechts- und Unternehmensberatung, Marktforschung, Kredit- und Versicherungswesen und Immobilienwirtschaft oder auf dem Gebiet von Freizeit, Erholung und Gastronomie.
Zu den latenten ökonomischen Problemen, denen das Silicon Valley ausgesetzt ist, haben sich in jüngster Vergangenheit unübersehbare Beeinträchtigungen der Lebensqualität hinzugesellt. Die steigenden Grundstückskosten und Mietpreise gehören ebenso hierzu wie die hohe Verkehrsbelastung und die wachsenden Umweltprobleme, etwa im Bereich der Wasserversorgung.
H. D. Laux, G. Thieme

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Die Bedeutung von Standortfaktoren am Beispiel der Hightechindustrie

Die entscheidenden Standortfaktoren bestimmen zunächst den Makrostandort (Raum in dem die Produktion stattfinden soll). Anschließend werden Überlegungen zum Mesostandort (Lage der Region) und Mikrostandort (konkrete Platz der Anlage) entschieden.
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