Silicon Valley - Informationswirtschaft

Nord- und Mittelamerika - Wirtschaft

978-3-14-100385-7 | Seite 153 | Abb. 4
Silicon Valley | Informationswirtschaft | Nord- und Mittelamerika - Wirtschaft | Karte 153/4

Überblick

Die San Francisco Bay ist einer der bedeutendsten Standorte der IT- und Hightech-Industrie weltweit und gilt aufgrund seiner starken Vernetzung mit Unternehmen rund um die Bucht und in der Innenstadt (Downtown) von San Francisco als Musterbeispiel eines modernen Wirtschaftsclusters. Als Cluster bezeichnet man die räumliche Konzentration miteinander verbundener Unternehmen einer Wirtschaftsbranche. Das Silicon Valley ist gekennzeichnet durch eine einzigartige Standortkonzentration der Informationstechnologie, zu der die Entwicklung von Hardware, Software und Internetdienstleistungen zählt; hinzu kommen Unternehmen der Bio- und Umwelt-, der Rüstungs-, Luft-, Raumfahrt- und Fahrzeugindustrie. Prägend für das Cluster sind aber vor allem die Global Player der Informationstechnologie, seien es Google, Facebook, Ebay, YouTube, Yahoo, Apple, Adobe, Asus, Hewlett-Packard, Oracle, Intel, PayPal, Dropbox, Logitech oder Symantec, um die sich mehrere Tausend weitere Firmen unterschiedlichster Größen gruppieren. Ohne die Unternehmenssitze der Global Player als Kerne könnte das Cluster nicht bestehen.

Lage

Das Silicon Valley, benannt nach dem bei der Halbleiterproduktion benötigten Silizium, liegt im Südosten der Bucht von San Francisco. Es ist weitgehend mit dem Santa Clara County identisch, umfasst aber auch Teile der benachbarten Alameda und San Mateo Counties. Das Zentrum bildet San Jose, mit gut einer Million Einwohnern die drittgrößte Stadt Kaliforniens. Die Mehrzahl der großen Firmen konzentriert sich mit ihren Zentralen auf einen Industriegürtel, der sich von Fremont über San Jose, Sunnyvale und Palo Alto (dem Standort der Stanford University) bis Redwood City erstreckt.

Cluster

Die enge Verflechtung von Großkonzernen, mittelständischen Unternehmen und einer Vielzahl hoch spezialisierter Kleinunternehmen mit häufig nur kurzer Lebensdauer ist bis heute ein charakteristisches Merkmal des Clusters. Neben Partnern aus Industrie und Forschung zählen dazu auch Dienstleister, zum Beispiel in den Bereichen Design, Marktforschung, Marketing, Finanzierung, Versicherung oder Patentrecht. Innerhalb der Unternehmensnetzwerke kommt es sowohl über formelle wie informelle Kontakte zu einem stetigen Personaltransfer und Wissensaustausch. Die Kehrseite dieser Allianzen ist ein scharfer Wettbewerb um Kapital, die Entwicklung von neuen Produkten, die Gewinnung von Kunden und die Erschließung von Märkten. Informationstechnologie-Cluster müssen sich eine hohe Flexibilität und Innovationsbereitschaft bei der Entwicklung neuer Produkte erhalten, um ihre Spitzenstellung dauerhaft zu sichern. Deshalb sind sie ständigen Wandlungen unterworfen. Spielte im Silicon Valley und der Bay Area anfangs noch die Produktion von Mikrochips und Computern eine Rolle, so hat sich die Fertigung von ausgereiften Produkten inzwischen vollständig ins Ausland verlagert. Während früher noch alle Stadien der Wertschöpfungskette vertreten waren, spaltete sich diese zunehmend auf, wobei nur die wissensintensiven Aufgaben – etwa die Entwicklung – und kundenspezifische Tätigkeiten wie das Marketing in der San Francisco Bay Area verblieben. Neben dem Silicon Valley erweist sich Downtown San Francisco als wichtiger Standort. Dort haben sich vor allem sogenannte Internetunternehmen mit ihren Hauptsitzen angesiedelt, die erst in den letzten Jahren mit innovativen Geschäftsideen zu Global Playern geworden sind und teilweise eine marktbeherrschende Stellung weltweit besitzen.

Entwicklung

Ausschlaggebend für die Entwicklung des Silicon Valley und der Bay Area zu einem Informationstechnologie-Cluster war das Zusammentreffen verschiedener Faktoren. Eine zentrale Rolle spielten bereits ab den 1930er-Jahren die Stanford University und ihr damaliger Vizepräsident Frederick Terman, der seine Studenten zum Unternehmertum animierte und neben Flächen auch Kapital zur Ansiedlung der Betriebe bereitstellte. Exemplarisch dafür ist die Gründung der Firma Hewlett-Packard durch die gleichnamigen Studenten in einer Garage in Palo Alto 1939. Auch die Anlage des Stanford Research Park als Schnittstelle zwischen Forschung und Produktion im Jahre 1951 geht auf die Initiative von Terman zurück. Daraus ergaben sich wichtige Impulse für die Entwicklung der Elektronikindustrie im Silicon Valley. Typisch waren und sind bis heute ständige Neugründungen aus der Universität und bereits existierenden Unternehmen, sogenannte Spin-offs. Eine wichtige Rolle spielen bis heute staatliche Forschungs- und Entwicklungsaktivitäten. Der Aufstieg des Silicon Valley wurde seitens der US-Regierung entscheidend begünstigt durch die Vergabe lukrativer Aufträge an die Rüstungs- und Raumfahrtindustrie, die einen Standortschwerpunkt in Kalifornien hat. Davon geht eine starke Nachfrage nach spezialisierten und innovativen Elektronik- und Softwareprodukten aus, die von den ständig neu entstehenden und höchst flexiblen Kleinbetrieben in idealer Weise bedient werden kann.

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