Sierksdorf - Ostseebad mit Freizeitpark

Deutschland – Tourismus

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Sierksdorf | Ostseebad mit Freizeitpark | Deutschland – Tourismus | Karte 47/3

Informationen

Die Gemeinde Sierksdorf mit ihren 1566 Einwohnern (2005/06) besteht aus mehreren klar abgrenzbaren Einheiten. Unterhalb der Eisenbahnlinie liegt der eigentliche Ort mit seinen kleinen Wohnhäusern. Er erstreckt sich auf einem höheren Moränenkomplex der Weichselvereisung, der mit einem markanten Steilufer zur Ostsee hin abfällt. Nach Norden hin schließt sich der 1972 entstandene "Ferienpark Sierksdorf" an, der mit seinen 800 Ferienwohnungen in Hochhäusern und lang gestreckten Appartementhäusern die Wasserseite dominiert.

Vom Ostseebad zum Freizeitparadies
Durch Sandvorspülungspolster, die von einer langen Buhne an der allzu raschen Abtragung gehindert werden, hat man vor dem an sich sandfeindlichen Kliff einen künstlichen Strand geschaffen, auf dem — im Gegensatz zu dem weiter südlich liegenden schmalen Kliffstrand — auch zahlreiche Strandkörbe stehen. 400 Parkplätze sorgen dafür, dass die Eigentümer der Appartements und die Besucher ausreichend Parkmöglichkeiten vorfinden. Nördlich des Minigolfplatzes wurde 2007 eine Freizeitwohnanlage aus kleinen Ferienhäusern errichtet, die hier als "Strandpark" bezeichnet wird und offiziell als "Sarcon Hansapark Resort" firmiert. Die Ferienanlage ist durch eine Brücke über die Eisenbahn direkt mit dem Hansapark verbunden.
Jenseits der Bahn liegen im westlichen Kartenausschnitt riesige landwirtschaftliche Flächen. An der Pohnsdorfer Straße befindet sich auf dem Pfingstberg der sogenannte Panoramic-Komplex, der 1972 eingeweiht wurde und zu dem drei ursprünglich als Hotels konzipierte Hochhäuser mit jeweils neun, zwölf und achtzehn Geschossen gehören. Dieser Komplex wurde später zu rund 400 Freizeitwohnungen umgestaltet. Ein großes Hallenschwimmbad bietet mit seinem 29 °C heißen Wasser subtropisches Flair.
Im Nordosten schließlich erstreckt sich der "Hansa-Park", der einzige deutsche Erlebnispark direkt an der See. Er ging 1977 aus dem 14 Hektar großen Freizeitpark "Legoland" hervor, der 1973 gegründet und 1976 aufgegeben wurde. Ein solcher Park benötigt ein sehr großes Einzugsgebiet; der Parkplatz mit insgesamt 5000 Pkw- und 100 Bus-Stellplätzen lässt erahnen, um welche Dimensionen es hier geht. Von großer Bedeutung ist hier, wie bei allen großen Ferien- und Freizeitparks, eine gute Verkehrsanbindung. Westlich des Ortes verläuft die Autobahn A1, von der aus die Besucher über den Anschluss Neustadt auf kürzestem Wege nach Sierksdorf gelangen. Von Hamburg aus ist der Hansapark in einer guten Stunde zu erreichen. Es gibt eine Reihe von außergewöhnlichen Attraktionen, zu denen die große Wildwasserbahn, die Looping-Bahn und das Varieté mit internationalen Spitzenkünstlern gehören. Die Parklandschaft bietet zudem eine permanente "Gartenschau". Die Hauptzielgruppe sind Familien mit Kindern, die hier in der Regel einen ganzen Tag verbringen.
Das Kreissektorendiagramm zeigt, dass die Zahl der Tagesgäste (1,2 Mio. Besucher des Hansa-Parks) diejenige der Übernachtungsgäste bei weitem übersteigt und dass rund 50 Prozent der Besucher direkt vom Wohnsitz aus anreisen. Bemerkenswert ist der hohe Ausländeranteil. Skandinavier und Polen machen 12 Prozent aller Besucher aus.

Topographie und Stadtgeschichte
Sierksdorf gehört nicht zu den traditionsreichen Seebädern der inneren Lübecker Bucht, denn diese liegen alle an den langen feinkörnigen Sandstränden der Hakenbildungen. Sierksdorfs Badestrand erstreckt sich hingegen entlang einer Kliffküste mit nur schmalem Strand und ist deshalb auch nicht sehr stark frequentiert.
Ein bescheidenes "Haus des Gastes" mit Kurverwaltung und Touristinfo befindet sich in der Mitte des Ortes. Im Gegensatz zu benachbarten großen Tourismusorten wie Timmendorfer Strand und Grömitz, die größenordnungsmäßig eine Million touristische Übernachtungen zählen, bringt es Sierksdorf gemäß amtlicher Statistik auf nur 77 000 Übernachtungen (2006). Allerdings ist dabei zu berücksichtigen, dass die Tourismusstatistik seit 1980 nur noch Übernachtungen in Quartieren mit neun und mehr Betten berücksichtigt. Da aber in Sierksdorf die Übernachtungen in kleineren Quartieren dominieren, ist davon auszugehen, dass die reale Übernachtungsziffer bei rund 200 000 liegt — und das in einem Ort mit weniger als 1600 Einwohnern.
Es führt keine repräsentative Einkaufsstraße von der Kurverwaltung an den Strand, sondern linkerhand nur ein kleiner ungepflasterter Weg, an dessen Ende man über eine Treppe an den wenig frequentierten und von Strandkörben freien Strand gelangt. Hält man sich von der Kurverwaltung nach rechts, so kann man durch die dem Maler Schmitt-Rottluff gewidmete Kastanienallee in die Nähe des Strandes gelangen, wo ein schönes Hotel nahe dem Kliff einen winzigen Gegenpol zu den großen Freizeitkomplexen im Norden des Ortes bildet. In diesem älteren Ortskern finden sich zahlreiche Häuser, die von Bewohnern des Hamburger Ballungsraumes gekauft oder erworben wurden, die hier die Ruhe genießen. Manche von ihnen verbringen das Sommerhalbjahr hier und das Winterhalbjahr in Hamburg. Wer eine kleine Rendite erzielen will, vermietet im Sommer auch an Gäste. Einige violett eingefärbte Gebäude weisen darauf hin, dass es auch Gebäude mit überwiegender Vermietung gibt.
J. Newig

Graphiken

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Wandel einer ländlichen Siedlung durch Tourismus

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