Shannon (Irland) - regionaler Wachstumspol

Europäische Union

978-3-14-100700-8 | Seite 87 | Abb. 6 | Maßstab 1 : 40.000
Shannon (Irland) | regionaler Wachstumspol | Europäische Union | Karte 87/6

Informationen

Die Republik Irland entwickelte sich in den letzten Jahrzehnten vom "Armenhaus Europas" zum "keltischen Tiger", von einem klassischen Auswanderungs- zum Einwanderungsland. Irland verfügt heute über ein höheres Bruttoinlandsprodukt als Deutschland, die Arbeitslosigkeit ist überdurchschnittlich gefallen, die Wachstumsraten der Wirtschaft liegen über dem Durchschnitt Europas.

Wirtschaftsentwicklung in Irland
Das Land an der Peripherie Europas profitierte dabei vor allem von der Förderung durch die EU, konnte diese Förderung aber besser nutzen als vergleichbare Länder wie Griechenland oder Portugal. Eine wichtige Rolle in diesem Prozess spielte die Innen- und Wirtschaftspolitik, die gezielt die wirtschaftliche Entwicklung förderte. Besondere Bedeutung unter den verschiedenen sozialpolitischen (Sozialpakt) und fiskalischen Maßnahmen hatten vor allem die niedrige Körperschaftssteuern und die Möglichkeit, Gewinne ins Ausland zu transferieren. Die Entwicklungsförderung wurde in die Hand einer sehr erfolgreichen "Industrial Development Authority" (IDA) gelegt, die zusätzlich zu den Anreizen in Form von Kapital und Steuervergünstigungen noch eine gezielte Regionalpolitik betrieb, indem sie Grundstücke anbot und weitere Starthilfen wie vorgefertigten Fabrikationsanlagen bereitstellte. Problematisch war jedoch die Konzentration der wirtschaftlichen Entwicklung auf den Raum Dublin. Insbesondere der Westen, die "Peripherie in der Peripherie", drohte von der Wirtschaftsentwicklung abgehängt zu werden.

Shannon Town und die Shannon Free Zone
Shannon liegt im agrarischen Westen der Republik Irland, etwa 220 Kilometer von der Hauptstadt Dublin und rund 25 Kilometer von der Provinzhauptstadt Limerick entfernt. Der Industriepark ist Teil der Freihandelszone des 1947 fertiggestellten Shannon-Flughafens und wurde 1958 eingerichtet. Ziel der Anlage des Industrieparks war es zunächst, die Existenz des Flughafens und die fortdauernde Beschäftigung der dort arbeitenden Menschen zu sichern, nachdem dieser durch die Entwicklung von Düsenflugzeugen seine Bedeutung als Zwischenstation am Westrand Europas bei Transatlantikflügen verloren hatte.
Die Entwicklung der Beschäftigtenzahlen zeigt das Diagramm; konjunkturelle Schwankungen waren für den ungleichförmigen Anstieg zwischen 1970 und Anfang der 1990er-Jahre verantwortlich, seitdem erlebte der Industriepark mit der Zunahme von Dienstleistungs- und Softwarefirmen einen neuen Aufschwung. Das zeigt sich auch im Anstieg der Handelsbilanz. Mit den oben aufgezeigten nationalen Entwicklungen kam es zu einer erneuten Belebung des Industrieparks. Der dadurch erzielte Effekt äußerte sich auf regionalpolitischer Ebene in einer Belebung des irischen Westens.
Auffallend ist, dass sich die Betriebe nur zum Teil in irischem Besitz befinden; überwiegend handelt es sich um Unternehmen mit Hauptsitz im restlichen Europa bzw. in Nordamerika. Irland als wenig industrialisiertem Land war daran gelegen, mit dem Industriepark und dem zusätzlichen Standortvorteil der Freihandelszone, in der Importe und Exporte zollfrei bleiben, Know-how aus dem Ausland anzuziehen. Kleine bis mittlere Betriebe überwiegen, die Flughafennähe lockt vor allem Branchen wie die Elektronik, Elektrotechnik und Feinmechanik an, deren Materialimporte und Produkte leicht zu transportieren sind. In den letzten Jahren sind vor allem Software- und auch Computerfirmen sowie Dienstleister — meist mit Flughafenbezug — hinzugekommen. Auf dem Industriepark befinden allein drei Callcenter, darunter eines mit mehr als 100 Beschäftigten. Außerdem haben sich drei Firmen der Medienbranche angesiedelt.
Der Anziehungskraft der "Shannon Free Zone" und des Industrieparks äußerten sich auch darin, dass in den 1960er-Jahren in unmittelbarer Nachbarschaft eine "New Town" Shannon entstand. In der Anfangsphase überwogen noch die Pendler, seit Beginn der 1970er-Jahre aber wuchs die Stadt stärker als die Zahl der Beschäftigten im Industriepark. Erst in den letzten Jahren ist die Stadt, trotz steigender Umsätze, nicht mehr weiter gewachsen. Hauptgrund dürfte sein, dass die nicht weit entfernte Stadt Limerick gerade für die leitenden Angestellten attraktiver ist als die Kleinstadt Shannon. Abgesehen davon hat die Stadt ähnliche Probleme wie der Industriepark: Die Restflächen sind im bisherigen Konzept rar geworden.
A. Hüttermann

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