Shanghai - Wirtschaftsmetropole

China - Raum- und Siedlungsentwicklung

978-3-14-100803-6 | Seite 189 | Abb. 4 | Maßstab 1 : 500.000
Shanghai | Wirtschaftsmetropole | China - Raum- und Siedlungsentwicklung | Karte 189/4

Überblick

Shanghai liegt an der Mündung des Jangtsekiangs in einem fruchtbaren, von zahlreichen Wasserläufen und Kanälen durchzogenen Schwemmlandgebiet. Es wird intensiv für die Bewässerungslandwirtschaft genutzt (Anbau von Reis und Baumwolle).

Im Mündungsgebiet des Jangtsekiang werden große Mengen an Feinsedimenten abgelagert, die der Fluss aus dem Hinterland herantransportiert. Anders als beim Huang He handelt es sich dabei aber nicht um Schwemmlöss. In der Folge hat sich die Küstenlinie immer weiter in das Ostchinesische Meer vorgeschoben. Lag die Stadt noch im 8. Jahrhundert nahe an der Küste, so liegt sie heute landeinwärts an der breiten, stark versandeten Mündung des Jangtsekiang.

Mit ihrem Hinterland ist die Stadt traditionell über Wasserwege verbunden. Eine besondere Rolle hatte in historischen Zeiten der Große Kanal, der etwa 300 Kilometer landeinwärts vom Jangtsekiang abzweigt und seit dem 7. Jahrhundert Schiffstransporte nach Nordchina (Peking) ermöglichte. Auch die innerstädtischen Transporte erfolgten ursprünglich v. a. mit Booten und Schiffen.

Seit einigen Jahrzehnten wird Shanghai zunehmend über Straßen, Autobahnen und Schienenwege angebunden, für die zahlreiche und aufwendige Tunnel- und Brückenbauwerke errichtet wurden. Auch die Magnetschwebebahn vom Stadtzentrum zum Internationalen Flughafen Pudong (Fahrzeit rund 7 Minuten für 30 Kilometer) und die Hochgeschwindigkeitsstrecke der Bahn nach Peking sind hier einzuordnen (Fahrzeit knapp 5 Stunden für rund 1300 Kilometer). Der Flughafen Pudong hat ein Passagieraufkommen, das zwischen dem von München und Frankfurt/Main liegt (Rang 21 weltweit; Stand 2013).

Herausragend ist die Bedeutung des Überseehafens Shanghai. Ein Teil der Anlagen liegt in der Jangtsekiang-Mündung (s. Karte), der andere Teil in Yangshan (knapp 100 Kilometer südlich des Stadtzentrums von Shanghai in der Bucht von Hangzhou; außerhalb des Kartenausschnitts, s. 190/191). Der Standort Yangshan wurde ausgewählt, weil dort anders als im gezeitenbeeinflussten Mündungsbereich des sedimentreichen Jangtsekiang ein Tiefwasserhafen errichtet werden konnte und durch Neulandgewinnung ausreichend Landreserven zur Verfügung stehen. Sowohl nach dem Güter- als auch nach dem Containerumschlag ist Shanghai der zweitgrößte Hafen weltweit.

Phasen der Stadtentwicklung

Die Karte zeigt mit dunkler Flächensignatur das Stadtzentrum am Huangpu, einem Nebenfluss des Jangtsekiang. Von dort entwickelte sich flussabwärts bis zu seiner Mündung in den Jangtsekiang der Hafen von Shanghai, noch heute liegt dort einer der Containerhäfen.

Wie auch Hongkong erlangte Shanghai erst in kolonialer Zeit ab Mitte des 19. Jahrhunderts zunehmende Bedeutung (Chinesenstadt, französische und internationale Konzessionen, Prachtbauten an der Uferstraße). In den 1920er Jahren wurde die Stadt zum führenden Finanz-, Handels- und Industriezentrum Chinas.

Von 1949 bis 1976 stagnierte die Stadt, weite Teile blieben dem Niedergang überlassen. In dieser Phase entstanden Satellitenstädte in 20 bis 50 Kilometer Entfernung vom Zentrum (Baoshan, Jiading, Songijang, Minhang, Nanhui), die jeweils einen bestimmten Industrieschwerpunkt hatten (z. B. die Stahlerzeugung in Baoshan).

Seit Anfang der 1990er-Jahre erlebt Shanghai ein gewaltiges Wachstum und eine umfassende Metamorphose, die sich in einem enormen Flächenwachstum, der modernen Hochhausbebauung, den zahlreichen Straßenbauten und neuen Brücken und dem wirtschaftlichen Funktionswandel zeigt. In der Karte wird dies eindrucksvoll deutlich, wenn man die bebauten Flächen 2007 und 2012 vergleicht. Innerhalb von nur zehn Jahren hat sich die bebaute Fläche etwa verdoppelt. Neben Industriezonen und Hightechparks wurden auch neue Wohnquartiere errichtet, um die angespannte Situation auf dem lange vernachlässigten Wohnungsmarkt zu verbessern. In Pudong wurde 1990 eine Sonderwirtschaftszone eingerichtet (s. 189.5). Zu den traditionell starken Branchen der Region wie Stahlerzeugung, Schiff- und Maschinenbau und Textilindustrie treten seitdem auch wissensintensive Wachstumsindustrien wie Elektronik, Informationstechnologie, Chemie und Biotechnologie, die eng mit den staatlichen Forschungseinrichtungen verflochten sind. Im international ausgerichteten Dienstleistungssektor bilden Logistik, Finanzen / Versicherungen, Handel und Medien die wichtigsten Schwerpunkte. Insgesamt ergibt sich das Bild einer leistungsfähigen Wirtschaftsmetropole mit moderner, stark diversifizierter Branchenstruktur.

Shanghai verfolgt in der Gegenwart – ähnlich wie Peking – prestigeträchtige städtebauliche Großprojekte. Das Kartenbild zeigt zum Beispiel …

• das Gelände der Expo 2010 am Ufer des Huangpu nahe des Stadtzentrums,

• das Hochhausviertel gegenüber dem Stadtzentrum am Ostufer des Huangpu (u. a. mit dem Shanghai World Financial Center, 492 m hoch, dem Jin Mao Tower, 421 m, dem Shanghai Tower, 632 m),

• den Fernsehturm „Perle des Ostens“ (468 m),

• das Disneyland Shanghai,

• den Transrapid zwischen der Station Beicai und dem Flughafen Pudong.

Die administrative Struktur Shanghais in der Gegenwart ähnelt Peking. Die Fläche entspricht etwa dem Doppelten des Saarlandes, in diesem Gebiet leben 23 Mio. Menschen (Stand: 2010). Innerhalb dieses Gebiets stehen der Kernstadt mit rund 15 Mio. Einwohnern Regionen mit ländlichem Siedlungsbild gegenüber, vor allem in den Randbereichen. Wie Peking ist Shanghai als Verwaltungseinheit direkt dem Staat zugeordnet und den anderen Provinzen, Sonderverwaltungszonen und Autonomen Gebieten gleichgestellt. Wegen der internationalen Bedeutung als Produktions- und Dienstleistungsstandort sowie Verkehrsknotenpunkt zählt Shanghai zu den Global Cities (s. 270.2).

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