Serra dos Carajás - Rohstofferschließung

Südamerika – Klima/Brasilien

100750 | Seite 168 | Abb. 4 | Maßstab 1 : 3.000.000
Serra dos Carajás | Rohstofferschließung | Südamerika – Klima/Brasilien | Karte 168/4

Informationen

Die Karte zeigt eine etwa 330 mal 360 Kilometer große Region im Nordosten Brasiliens, die zu den Bundesstaaten Pará und Tocantins gehört. Speziell diese Teile des Landes haben sich in den letzten Jahrzehnten durch Infrastruktur- und Rohstofferschließung, Besiedlung, Wirtschaftsaufbau, Waldrodung und Agrarkolonisation stark verändert.

Wege aus der Wirtschaftskrise
Brasilien sieht sich gegenwärtig vor allem mit zwei Problemen konfrontiert: einem starken Bevölkerungswachstum, durch das sich die Zahl der Einwohner von 93 Mio. Menschen 1970 auf 186 Mio. Einwohner 2005 verdoppelte, und einer drückenden Auslandsverschuldung. Nicht zuletzt aus diesen Gründen bemüht sich der Staat gemeinsam mit nationalen und multinationalen Wirtschaftsunternehmen seit längerem um eine groß angelegte Inwertsetzung Amazoniens. Entlang der geschaffenen Verkehrsachsen wanderten zahlreiche Menschen auf der Suche nach Erwerbsmöglichkeiten in diese Region ein, sei es als Arbeiter, als Goldsucher oder als Agrarkolonisten. Die Gebiete der Eingeborenen, mehrheitlich Indios, gerieten dadurch unter starken Druck. Diesen versuchte der Staat durch die Ausweisung von Schutzgebieten zu verringern.
Im Jahre 1967 hatte man in der rund 800 Kilometer von der Küste entfernt liegenden Region eine der reichsten Rohstofflagerstätten der Erde entdeckt, darunter Eisenerze mit 66 Prozent Eisengehalt und zahlreiche Buntmetalle. Dies war eine der Grundlagen für ein integriertes Entwicklungsprogramm, das den Gesamtraum zwischen der Serra dos Carajás und den beiden nordöstlich gelegenen Küstenstädten Belém und São Luis umfasste, das allerdings nur unter Inkaufnahme einer zunehmenden Auslandsverschuldung möglich war. Umso höher waren und sind die Erwartungen, die an die Erschließung der Serra dos Carajás geknüpft sind.

Das Projekt Serra dos Carajás
Kernpunkt des Entwicklungsprojekts waren der Abbau und die Aufbereitung von Eisen-, Mangan- und Kupfererzen sowie Bauxit und eine damit einhergehende Industrialisierung sowie die Errichtung der dafür notwendigen Infrastruktur (860 Kilometer lange Erzbahn zum Tiefwasserhafen Ponta de Madeira bei São Luis). Hinzu kamen der 5,5 Mrd. US-Dollar teure Bau eines Wasserkraftwerkes zur Energieversorgung bei Tucuruí — mit einer Leistung von zunächst 4000 MW, später 8000 MW —, und eine Reihe weiterer, vorwiegend exportorientierter landwirtschaftlicher bzw. agroindustrieller Vorhaben.
Die wichtigsten Abnehmer des Eisenerzes aus Serra dos Carajás sind Japan, Europa, insbesondere Deutschland, und der brasilianische Binnenmarkt. Brasilien steht inzwischen mit 277 Mio. Tonnen Jahresförderung — rund ein Fünftel der Weltförderung — an der Spitze der Förderländer.
In unmittelbarer Nähe der Fördergebiete, in Marabá, wird ein Teil der Erze verhüttet. Außer der Erzaufbereitung und der Energiegewinnung in Tucuruí ist dies der einzige nennenswerte Unternehmensstandort außer dem Bergbau selbst. Die Region hat daher eine sehr einseitige Wirtschaftsstruktur.
Vergleicht man die Arbeitsplätze in der Erzförderung mit der großen Zahl der Arbeitssuchenden, zeigt sich ein strukturelles Problem. Gegenwärtig lebt etwa ein Viertel der brasilianischen Bevölkerung unterhalb der Armutsgrenze. Die Zahl der Menschen, die auf der Suche nach Erwerbsmöglichkeiten in die Region kommen, übertrifft deshalb das Kontingent der mit hohem Aufwand geschaffenen Arbeitsplätze deutlich.
Die für die Aluminiumproduktion in Amazonien notwendige Energie wird seit 1984 im Kraftwerk Tucuruí erzeugt. Darüber hinaus werden von hier auch die Städte Marabá, Tucuruí und Belém versorgt. Seither haben sich neben sozialen Konflikten — etwa durch die Verlegung von Siedlungen — auch eine Reihe ökologischer Probleme ergeben.
Der Bedarf an Brennstoffen wird auch durch Holzkohle gedeckt. Vor allem entlang der Erschließungsachsen — also der Straßen, Bahnlinien und Flüsse — ist der Wald bereits stark zurückgedrängt und teilweise zu landwirtschaftlichem Kolonisationsgebiet geworden. Ein Tochterunternehmen eines vor Ort tätigen Bergbaukonzerns hat ausgedehnte, schnell nachwachsende Eukalyptus-Plantagen angepflanzt, aus deren Holz ebenfalls Holzkohle gewonnen wird.
M. Felsch, H. Kremb

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Serra dos Carajás (Brasilien) - Rohstofferschließung (Animation)

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