Schnals - Schneesicherheit/Wintersaison

Südtirol – Wintertourismus

978-3-14-100782-4 | Seite 27 | Abb. 2
Schnals | Schneesicherheit/Wintersaison | Südtirol – Wintertourismus | Karte 27/2

Informationen

Die Karte zeigt die für den Wintersport notwendigen Gegebenheiten im nördlichen Südtirol an der Grenze zu den Ötztaler Alpen in Österreich auf. Dargestellt sind die Arten der Skigebiete, Aufstiegsanlagen und sonstiger Wintersportanlagen, die mit Verkehrs- und Übernachtungsmöglichkeiten einerseits sowie mit Bodenbedeckung und Höhenlinien andererseits ergänzt werden.

Einrichtungen und Attraktionen
Schnals ist eine der flächengrößten Gemeinden Südtirols und zeichnet sich durch extrem exponierte Höfe und Almen aus. Der früher höchst gelegene Roggenanbau wurde seit dem Siedlungswachstum vom Tourismus als Haupteinnahmequelle abgelöst und wird durch die Weidewirtschaft ergänzt. 2001 waren etwa die Hälfte aller Arbeitsplätze im Tourismussektor angesiedelt, vorwiegend in Kleinstbetrieben. Der am Talschluss liegende Ortsteil Kurzras befindet sich in einer Höhenlage von knapp über 2000 m und wurde mit der Schnalstaler Gletscherbahn zum Touristenzentrum ausgebaut. Die Gletscherbahn als die höchste Seilbahn Südtirols, führt von Kurzras bis zur Bergstation in 3212 m Höhe und hat eine ungewöhnliche Baugeschichte, da die ersten Arbeiten als Voraussetzung zum Erschließungsbau per Baggerauffahrt und nicht mit dem Hubschrauber gestartet worden sind. Die von Kurzras zur Schutzhütte Schöne Aussicht gebaute Materialseilbahn stammt aus dieser Ausbauphase des Gebietes in den 1970er-Jahren, das seinen wirtschaftlichen Höhepunkt in den 1980er Jahren erlebte. Heute sind sowohl der Gletscherschwund als auch die Konkurrenz großer anderer Gebiete die Ursache für rückläufige Zahlen. Um diesem negativen Trend entgegenzuwirken, wurden einige Attraktionen etabliert, so Snowparks in Kurzras und am Grawandgletscher, eine Rodelbahn an der Lazaunhütte, Kletterstiege z. B. über die Schralserbachschlucht oder Schneeschuhwanderungen im Schnalstal. Eine weitere Attraktion stellt die an der Talstation der Seilbahn eingerichtete Ötzi-Showgalerie dar, die sich der in der Region gefundenen Gletschermumie widmet.

Erschließung der Gletscher
Die Übernachtungszahlen in Schnals erreichten im Winter 1994/95 mit 198 000 Gästen ihren Höhepunkt und hatten sich 2012/13 mit etwa 153 000 auf ein mit 1984/85 vergleichbares Niveau eingependelt. Im Sommer 1995 sind mit 162 000 Gästen weniger als im Winter zu verzeichnen gewesen. Im Sommer 2013 waren es hingegen mit rund 155 000 Gästen mehr als im Winter. Der überwiegende Anteil der Übernachtungsgäste stammt nach wie vor aus Deutschland, gefolgt von denen aus Italien.
Die Gemeinde wirbt mit präparierten Pisten von 35 km Länge, die den Talverläufen der sich zurückziehenden Gletscher Steinschlagferner und Hochjochferner folgen und mit Sesselliften zu erreichen sind. Von der Lazaunhütte bis nach Kurzras wurde eine Kunstschneepiste angelegt, Rodelbahn und Langlaufroute sind über den gleichen Sessellift zu erreichen. Auf der gegenüberliegenden Seite ist eine kleine Kunstschneefläche mit Schleppliftanlagen zu sehen, die sehr gut von den Parkplätzen oder mit dem kostenlosen Skibus zu erreichen sind. Mit Skitouren kann die Entdeckung der Region von Gletscher zu Gletscher verbunden werden. Das Gletscherskigebiet selbst wird durch Schlepplifte, Langlaufloipen, einem Snowpark und durch eine Gletscherbar, die mit einem Sessellift mit dem Berghotel Grawand verbunden ist, genutzt. Eine weitere Kunstschneepiste verbindet das Gletscherskigebiet mit den Naturschneepisten, die sich von den Felsregionen über die alpinen Matten bis hin nach Kurzras erstrecken, wo einige Waldbereiche zu erkennen sind.
Mit den veränderten klimatischen Bedingungen geht eine abnehmende Schneesicherheit im Alpenraum einher. Die Gletscher ziehen sich zurück und häufig haben die auf den Wintersport ausgerichteten Gemeinden nicht genügend natürlichen Schnee für den Betrieb der Anlagen. An den präparierten Pisten in den Höhenlagen über 3000 m, die von Teufelsegg und Im Hinteren Eis ausgehen, ist bis zur Teufelsegghütte im Winter mit natürlichem Schnee zu rechnen. Eine Abfahrt bis nach Kurzras kann bei schlechten Witterungsbedingungen hingegen unmöglich sein, weshalb der Sessellift von Kurzras zur Teufelsegghütte und die Seilbahn zum Gletscherskigebiet eine Überbrückung darstellen.
Als Reaktion auf den ausbleibenden Schnee ist das Angebot in Schnals mittlerweile nicht mehr vorwiegend auf den winterlichen, sondern auch auf den sommerlichen Touristen abgestimmt. Baumaßnahmen an den Beschneiungsanlagen der Firma TechnoAlpin aus dem Jahr 2012 steigern die Attraktivität des Skigebietes vor allem im Herbst, weitere Baumaßnahmen sind z. B. am Hintereis-Lift geplant.

Sylvia Jakuscheit