Sachsen - Fürstentümer im 15.Jahrhundert

Sachsen - Geschichte

978-3-14-100383-3 | Seite 26 | Abb. 1
Sachsen | Fürstentümer im 15.Jahrhundert | Sachsen - Geschichte | Karte 26/1

Die Wettiner

Sachsens Geschichte ist eng mit dem Geschlecht der Wettiner verbunden. Bis zur Jahrtausendwende verschob sich der wettinische Herrschaftsraum vom Harzgau zum Westufer der Saale unterhalb von Halle, wo die Burg Wettin zum neuen Stammsitz ausgebaut wurde. Die Wettiner hatten damals im südlichen slavischen Markengebiet an der Ostgrenze des Reichs eine vorherrschende Stellung erlangt. Als Folge dessen belehnte Kaiser Heinrich IV. 1089 den wettinischen Grafen Heinrich I. von Eilenburg mit der Markgrafschaft Meißen. Seit der siegreichen Schlacht von Lucka 1307 konnte Markgraf Friedrich I. der Freidige die wettinische Stellung in Meißen und Thüringen festigen und ausbauen. Er und seine drei gleichnamigen Nachfolger haben bis zum Beginn des 15. Jahrhunderts jede sich bietende Gelegenheit genutzt, um ihren Territorialbesitz zu vergrößern – sei es durch Heiratspolitik, Kauf oder Waffengewalt.

Der Aufstieg Sachsens im 15. Jahrhundert

Als 1422 die sachsen-wittenbergische Linie der Askanier ausstarb, übertrug Kaiser Siegmund 1423 dem wettinischen Markgrafen Friedrich IV. von Meißen das Herzogtum Sachsen-Wittenberg. Dieses Herzogtum war zwar politisch bedeutungslos und wirtschaftlich schwach, besaß aber den rechtlichen Status eines Kurfürstentums. Somit hatte Friedrich von nun an das Recht, den König zu wählen und war damit zu einem der mächtigsten Fürsten des Reichs aufgestiegen. Seitdem bürgerte sich die Bezeichnung als „Kurfürstentum Sachsen“ für den gesamten wettinischen Besitz in Mitteldeutschland ein. Auch als Kurfürsten setzten die Wettiner ihre erfolgreiche Territorialpolitik fort, erwarben böhmische Gebiete, das Vogtland und die Vogtei über Quedlinburg und regelten im Vertrag von Eger 1459 grundlegend das Verhältnis zu Böhmen. 1472 wurde das schlesische Fürstentum Sagan durch Kauf erworben. Ab der Mitte des 15. Jahrhunderts können die Wettiner als das nach den Habsburgern bedeutendste deutsche Fürstenhaus bezeichnet werden. 1482 hatte das Kurfürstentum Sachsen seinen größten mittelalterlichen Territorialstand erreicht. Damals kam es zu einer folgenschweren Entscheidung in der Geschichte des Hauses Wettin. Kurfürst Ernst teilte im Jahr 1485 das Kurfürstentum, das bis dahin zu einem weitgehend geschlossenen Flächenstaat zusammengewachsen war, mit seinem Bruder Albrecht gegen dessen Willen (Leipziger Teilung). Seitdem bestanden das ernestinische Kurfürstentum und das albertinische Herzogtum Sachsen als selbstständige Reichsfürstentümer nebeneinander. Da weder die Ernestiner noch die Albertiner ausstarben, verursachte diese Teilung eine empfindliche Schwächung der wettinischen Stellung im Reich.