Saarland - Raumplanung und Umwelt

Saarland - Umwelt und Klima

978-3-14-100382-6 | Seite 16 | Abb. 1
Saarland | Raumplanung und Umwelt | Saarland - Umwelt und Klima | Karte 16/1

Zentrale Orte im Saarland

Das System der zentralen Orte ist ein wichtiges Instrument der Raumplanung. Als „Theorie der zentralen Orte“ wurde es bereits in den 1930er-Jahren vom deutschen Geographen Walter Christaller entwickelt. Dabei wird unterschieden zwischen Unterzentren (bzw. Grundzentren), Mittelzentren und Oberzentren. Die Grundzentren dienen überwiegend der Grundversorgung eines Nahbereiches mit Gütern des täglichen Bedarfs wie zum Beispiel Lebensmitteln. Sie haben besonders in den ländlichen Gebieten des Saarlandes eine hohe Bedeutung für die Grundversorgung der im Umkreis lebenden Bevölkerung. Mittelzentren bieten darüber hinaus eine Versorgung mit Gütern und Diensten des mittelfristigen Bedarfs. Dazu gehören neben dem Einzelhandel auch private Dienstleister (z. B. Rechtsanwälte und Fachärzte). Ebenso sind öffentliche Einrichtungen wie weiterführende Schulen, Krankenhäuser und teilweise auch eine Kreisverwaltung in den Mittelzentren angesiedelt. Im Saarland gibt es insgesamt elf Mittelzentren: Merzig, Dillingen, Saarlouis, Völklingen, Wadern, Lebach, Sankt Wendel, Neunkirchen, Sankt Ingbert, Homburg und Blieskastel. Oberzentren dagegen bieten zusätzlich eine Versorgung mit höheren und spezialisierten Gütern sowie Dienstleistungen wie Behörden der staatlichen Verwaltung (Landesinstitute, Ministerien), Hochschulen und Kultureinrichtungen (Theater, Museen). Als Landeshauptstadt bildet Saarbrücken mit den dort angesiedelten Behörden und Verwaltungseinrichtungen das einzige Oberzentrum des Saarlandes und hat überregionale Bedeutung. Die Wirtschaft und die Bevölkerung der meisten zentralen Orte des Saarlandes sind seit 2010 geschrumpft oder stagnieren, es gibt nur wenige Wachstumszentren: Perl, Mettlach, Merzig und Saarbrücken.

Verdichtungsräume

Weiterhin wird bei der Raumplanung des Saarlandes zwischen dem Kernraum mit seiner Randzone und dem ländlichen Raum unterschieden. Innerhalb des Kernraumes, in dessen Zentrum sich Saarbrücken befindet, gibt es eine hohe Einwohnerdichte. Viele Menschen wohnen und arbeiten hier auf einer vergleichsweise kleinen Fläche. Durch die dafür benötigten Gebäude und Straßen wurde ein Großteil der Oberfläche versiegelt und damit die Umwelt belastet. Die Randzone steht in einer engen Verflechtung zum Kernraum, ist aber weniger dicht besiedelt. Ländlicher Raum erstreckt sich im Norden und Südosten des Saarlandes. Hier gibt es eine unterdurchschnittliche Siedlungsdichte, die dazu führt, dass die Bevölkerung längere Wege zum Arbeitsplatz, zu Schulen oder zu Versorgungseinrichtungen (Lebensmittelgeschäften, Ärzten usw.) hat.

Entwicklungsachsen

Neben der Einteilung von zentralen Orten ist die Festlegung von Entwicklungs- oder Siedlungsachsen ein weiteres raumplanerisches Instrument. Im Saarland wurden drei dieser Achsen bestimmt, die vom Oberzentrum Saarbrücken ausgehen und in das benachbarte Bundesland Rheinland-Pfalz führen. Die westliche Achse führt über Dillingen und Merzig bis nach Trier. Die mittlere Achse geht über Neunkirchen und Sankt Wendel bis nach Mainz. Die östliche Achse reicht über Sankt Ingbert und Homburg bis nach Ludwigshafen. Durch die Festlegung der Siedlungsachsen können eine ausgewogene Siedlungsstruktur sowie eine gute Anbindung an das Nah- und Fernverkehrsnetz gesichert werden. Gleichzeitig werden die Räume außerhalb der Siedlungsachsen als Freiräume erhalten.

Ver- und Entsorgung

Im Saarland wurde traditionell Strom aus den heimischen Steinkohlenvorkommen produziert. Heute werden die Kraftwerke mit Importkohle und Grubengas befeuert. Neben den privaten und öffentlichen Haushalten ist die Stahlindustrie ein großer Abnehmer. Zudem wird Strom in andere Bundesländer exportiert. Nach der Schließung des Kraftwerks in Ensdorf 2017 gibt es nur noch zwei aktive Kraftwerke und eines im Stand-by-Betrieb (Stand 2019). Alle Großkläranlagen befinden sich an der Mosel, eine an der Blies. Es gibt zwei Mülldeponien am Rand des Verdichtungsraums sowie zwei Müllverbrennungsanlagen. Alle befinden sich im dichter besiedelten Süden des Landes.