Saargebiet - Völkerbundmandat 1920–1935

Saarland und Umgebung - Territorialgeschichte

978-3-14-100382-6 | Seite 27 | Abb. 5
Saargebiet | Völkerbundmandat 1920–1935 | Saarland und Umgebung - Territorialgeschichte | Karte 27/5

Vom Industrierevier zum Saargebiet

Auch die Zukunft der Saarregion war Gegenstand der Friedensverhandlungen von Versailles, die den Ersten Weltkrieg formal beendeten. Während die französische Regierung mit Billigung Großbritanniens die staatliche Eingliederung (Annexion) des Industriereviers an der Saar forderte, setzte US-Präsident Woodrow Wilson seinen Vorschlag einer Übergangslösung letztlich durch: Mit Inkrafttreten des Versailler Vertrags am 10. Januar 1920 wurden der Südteil der preußischen Rheinprovinz sowie der Westen der bayerischen Rheinpfalz vom Deutschen Reich abgetrennt und für die Dauer von 15 Jahren einer internationalen Regierungskommission des Völkerbundes unterstellt. Danach sollte die Bevölkerung über die künftige politische Zugehörigkeit des so bezeichneten Saargebiets (eigentlich „Saarbeckengebiet“) entscheiden.

Erste „Saarabstimmung“ (1935)

Mit zunehmendem Einfluss Frankreichs wuchs in weiten Teilen der Saarbevölkerung und über alle Parteien hinweg der Wunsch nach Rückkehr ins Deutsche Reich. Erst im Gefolge von Hitlers „Machtergreifung“ (1933) wandten sich SPD und KPD von der bis dahin mitgetragenen „Heim-ins-Reich-Politik“ ab und forderten stattdessen die Beibehaltung der Mandatsverwaltung. Unter dem Eindruck eines massiven Propagandafeldzugs der NSDAP fand am 13. Januar 1935 schließlich die im Versailler Vertrag vorgesehene Volksbefragung statt: Mehr als 90 Prozent der Wahlberechtigten stimmten für die Rückgliederung des Saargebiets, nur 0,4 Prozent für eine Zugehörigkeit zu Frankreich.

Grenzziehung entlang von Kohle und Eisen

Die wirtschaftlichen Interessen Frankreichs prägten Gestalt und Entwicklung des Saargebiets. Bereits bei der Festlegung des Geltungsbereichs des Völkerbundmandats (Interessenvertretung, Vormundschaft) wurde wenig Rücksicht auf gewachsene Raumgefüge genommen. Vielmehr sollte der neue Grenzverlauf die Steinkohlenvorkommen entlang der Saar sowie die benachbarten Standorte der Eisen, Glas und Metall verarbeitenden Industrie einschließen. Als Entschädigung für die erlittenen Kriegsschäden erhielt Frankreich Zugriff auf die preußischen Staatsgruben, die den regionalen Markt seit dem 19. Jahrhundert beherrschten. Ab 1923 diente der Franc zudem als alleiniges Zahlungsmittel, und zwei Jahre später trennten französische Zollschranken das Saargebiet auch wirtschaftlich von Deutschland ab.