Südtirol - Verwaltung

Südtirol – Verwaltung

978-3-14-100782-4 | Seite 1 | Abb. 1
Südtirol | Verwaltung | Südtirol – Verwaltung | Karte 1/1

Informationen

In der italienischen Verwaltungsstruktur nimmt Südtirol eine Sonderstellung ein: Es ist Teil einer von fünf Regionen mit Sonderstatut. Gemeinsam mit dem südlichen Trentino bildet es die Region Südtirol-Trentino. Als einzige haben die beiden Landesteile den Status autonomer Provinzen, was ihnen de facto Kompetenzen und Befugnisse, z. B. in der Gesetzgebung, wie autonomen Regionen einräumt.

Ein langer Weg zur Autonomie
Die Wurzeln dieser Entscheidung liegen im Jahr 1919, in dem Tirol zwischen Österreich und Italien geteilt wurde. Im Zuge der faschistischen Zwischenkriegspolitik wurde Südtirol italienisiert: Die deutsche Sprache wurde verboten, Italiener wurden angesiedelt, Bozen wandelte sich in eine italienische Stadt.
Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde die Italienisierungspolitik korrigiert und das 1946 zwischen Österreich und Italien beschlossene Gruber-De-Gasperi-Abkommen garantierte den Schutz der deutschsprachigen Bevölkerung. Zwar wurde 1948 eine erste Autonomie gewährt, politische Entscheidungen kamen jedoch weitgehend nicht aus Bozen, sondern aus Trient. Nach langen Verhandlungen und massiven Autonomiebestrebungen trat 1972 das bis heute gültige Statut in Kraft.
Heute werden sowohl Trentino als auch Südtirol als Länder bezeichnet, denen, anders als in den normalen italienischen Regionen, kein Gouverneur, sondern ein Landeshauptmann vorsteht.

Südtirols Verwaltungsstruktur
Die rund 510 000 Einwohner Südtirols verteilen sich auf 116 Gemeinden, die wiederum in acht Bezirksgemeinschaften organisiert sind – in der Karte sind diese in unterschiedlichen Farben dargestellt. Die Hauptstadt Bozen ist eine Bezirksgemeinschaft, mit einem Fünftel aller Südtiroler die mit den meisten Einwohnern. Mit 2071 km2 Fläche vierzigmal größer als Bozen hat Pustertal zwar die größte Erstreckung aller Bezirksgemeinschaften. In den dortigen 26 Gemeinden leben allerdings nur knapp 80 000 Einwohner.
Die Größen der anderen Bezirksgemeinschaften variieren zwischen 424 km2 (Überetsch-Südtiroler Unterland) und 1442 km2 (Vinschgau). Die Einwohnerzahlen bewegen sich zwischen 20 000 (Wipptal) und 98 000 (Burggrafenamt), die Zahl der Gemeinden zwischen sechs (Wipptal) und 26 (Burggrafenland, Pustertal).
Aufgrund der geringen Größe der Verwaltungseinheiten übernehmen die Gemeinden Funktionen, die eigentlich in die Kompetenzen der Provinz fallen, so etwa Maßnahmen des Umweltschutzes. Die Aufgabe der Bezirksgemeinschaften besteht darin, die einzelnen Gemeinden untereinander abzustimmen.

Dietmar Falk