Südostasien - Wirtschaft

Wirtschaft und Landschaftswandel

978-3-14-100870-8 | Seite 172 | Abb. 1 | Maßstab 1 : 18.000.000
Südostasien | Wirtschaft | Wirtschaft und Landschaftswandel | Karte 172/1

Überblick

Für die wirtschaftliche Integration der Länder Südostasiens war die Gründung des Verbandes Südostasiatischer Nationen (ASEAN) 1967 zur Verbesserung der wirtschaftlichen, politischen und sozialen Zusammenarbeit ein Schlüsselereignis. Die Vorteile der wirtschaftlichen Öffnungspolitik zeigten sich im Erfolg jener Länder, für die sich in den 1980er- und 1990er-Jahren die Bezeichnungen Tigerstaaten (Südkorea, Taiwan, Singapur, Hongkong) bzw. Pantherstaaten (Indonesien, Malaysia, Thailand, Philippinen) einbürgerten. Allerdings ist die Transformation einstiger Entwicklungsländer in moderne Industrienationen nicht überall in gleichem Maße geglückt. Ungeachtet vieler Fortschritte ist Südostasien ein heterogener Wirtschaftsraum. Nach dem Human Development Index (HDI) zählen Singapur und Brunei zu den Ländern mit "sehr hoher" menschlicher Entwicklung, während Myanmar zu den am wenigsten entwickelten Staaten der Erde gerechnet wird; die anderen ASEAN-Länder verteilen sich im HDI-Ranking auf das obere bis untere Mittelfeld.

Wirtschaftliche Schwerpunkte nach Ländern

Singapur verfügt über eine hochindustrialisierte Wirtschaft, die durch internationale Vernetzung und steuerliche Anreize stark auf den Weltmarkt ausgerichtet ist. Zu den wichtigsten Wirtschaftszweigen zählen die Erdöl verarbeitende Industrie, die Elektronikbranche und der Maschinenbau, zunehmend auch die Biotechnologie. In einigen Dienstleistungsbereichen, insbesondere bei Transport, Logistik und Finanzen, ist Singapur eine Drehscheibe von internationalem Rang. Perspektivisch erstrebt der flächenmäßig kleinste Staat Südostasiens eine Führungsposition in ausgewählten Bereichen wie der Informations-, Bio- und Gentechnologie.

Die Wirtschaft Bruneis im Nordwesten Borneos ist fast vollständig auf die Produktion von Erdöl und Erdgas ausgerichtet. Die Einnahmen in diesem Sektor machen 95 % der Export-einkünfte aus und tragen zu rund zwei Dritteln zum BIP bei. Auf Basis der Erdgasvorkommen strebt das Sultanat die Ansiedlung weiterer petrochemischer Industrien an. Mehr als die Hälfte der Erwerbsbevölkerung ist im öffentlichen Dienst tätig, handwerkliche Tätigkeiten werden überwiegend von Arbeitsimmigranten aus den Philippinen, Thailand, Indonesien usw. übernommen.

Das schwer kriegszerstörte Vietnam hat ab Ende der 1980er-Jahre einen beachtlichen wirtschaftlichen Aufschwung mit starken Wachstumsraten erlebt. Zu den wichtigsten Exportgütern zählen Nahrungsmittel (Kaffee, Tee, Reis, Bananen usw.), Textilien, Erdöl und elektronische Geräte. Der wachsende Wohlstand ist allerdings zwischen Stadt und Land sehr ungleich verteilt. So konzentriert sich im Großraum Ho-Chi-Minh-Stadt rund ein Viertel der Wirtschaftskraft des Landes, während in den ländlichen Regionen, in denen 60 % der Einwohner leben, nur 20 % des Volkseinkommens erwirtschaftet werden. Ein zweites wirtschaftliches Zentrum bildet die Hauptstadt Hanoi.

Malaysia hat sich dank eines anhaltenden wirtschaftlichen Aufschwungs vom Rohstofflieferanten zu einem diversifizierten Industriestandort entwickelt. Nach dem HDI zählt es zu den Ländern mit einer hohen menschlichen Entwicklung. Die Wirtschaft ist exportorientiert: Malaysia liefert zum Beispiel Mikrochips und Solarzellen in die ganze Welt. Einen zweiten Schwerpunkt bilden Rohstoffe wie Erdöl, Erdgas und Palmöl; ein Großteil des weltweit produzierten Palmöls stammt aus Malaysia und Indonesien. Zugleich gehört das Land zu den weltgrößten Kautschuk-Produzenten; der globale Bedarf zum Beispiel an Latex-Handschuhen wird zu zwei Dritteln von Malaysia abgedeckt. Die Exporte des staateigenen Erdölkonzerns tragen zu den Staatseinnahmen bei.

Myanmar wurde noch bis 2010 von einer Militärregierung geführt, durch die das Land lange Zeit international isoliert war. Obwohl Myanmar dank ausgedehnter landwirtschaftlicher Nutzflächen und beachtlicher Vorräte an Erdgas (die größten in Südostasien), Hölzern, Edelsteinen, Kupfer und anderen Rohstoffen über ein enormes Potenzial verfügt, zählt es zu den am wenigsten entwickelten Ländern der Welt. Es gibt realistische Hoffnungen auf einen wirtschaftlichen Aufschwung, allerdings ist die Infrastruktur derzeit noch desolat.

Indonesien mit seinen 255 Mio. Einwohnern ist das ökonomische Schwergewicht der Region. Das Land ist reich an Rohstoffen wie Erdgas, Öl, Zinn, Nickel, Kupfer, Bauxit und Gold, überdies ist es weltgrößter Exporteur von Kraftwerkskohle. Ein dominierender Faktor in der indonesischen Wirtschaft ist die Landwirtschaft. Das Land besitzt reiche Holzvorkommen und exportiert Agrarprodukte wie Palmöl, Kautschuk, Kakao, Tee, Kaffee und Tabak. Weitere wichtige Industriezweige sind die Textil-, Bekleidungs- und Schuh-industrie sowie die Möbelherstellung. Die Metropolregion Jakarta ist ein Dienstleistungszentrum von internationalem Rang.

Die Wirtschaft in Thailand beruht zu etwa gleichen Teilen auf Dienstleistungen und der Industrie, die Landwirtschaft trägt nur geringfügig zum BIP bei. Wichtigste Exportgüter sind elektrische und elektronische Geräte, Automobile und Automobilteile, chemische und landwirtschaftliche Produkte (Kautschuk, Reis, Bananen, Ananas, Meeresfrüchte). Der Tourismus hat sich in den letzten 20 Jahren zu einem bedeutenden Wirtschaftszweig entwickelt.

Die Wirtschaft der Philippinen weist eine für Schwellenländer typische Zweiteilung auf: auf der einen Seite gibt es eine moderne Elektronikindustrie (z. B. Halbleiter, elektronische Bauteile) und einen boomenden Dienstleistungssektor (Telekommunikation, Outsourcing-Destination für Callcenter u. a.), zugleich lebt ein großer Teil der armen Landbevölkerung von subsistenzorientierter Landwirtschaft. Aktuell setzt das Land mit seinen tausenden Inseln verstärkt auf die expandierende Tourismusbranche. Dank großer Lagerstätten von Gold, Kupfer und Nickel hat der Bergbausektor erhebliches Potenzial.

Obgleich Kambodscha seine Armutsquote deutlich senken konnte - von 53 % im Jahr 2004 auf unter 18 % im Jahr 2016 - gehört es noch immer zu den am wenigsten entwickelten Ländern der Welt. Mängel in der Infrastruktur, hohe Energiekosten, Korruption und ein niedriges Ausbildungsniveau hemmen die wirtschaftliche Entwicklung. Wichtigste Wirtschaftssektoren sind die Landwirtschaft, die Textil- und Schuhproduktion, die Bauindustrie und der Tourismus.

Laos hat ähnliche Entwicklungsprobleme wie Kambodscha, treibt die Modernisierung aber entschlossener voran. Wichtigste Motoren der ökonomischen Entwicklung sind der Bergbau (Gold, Kupfer, Eisenerz), die Elektrizitätsgewinnung aus Wasserkraft, Landwirtschaft, die Textilindustrie und der Tourismus, dessen Einnahmen sich seit 2000 mehr als vervierfacht haben.

Osttimor (Timor-Leste) ist nicht Mitglied der ASEAN, hat aber 2011 die Aufnahme beantragt. Weil die Wirtschaft wesentlich auf Erdölexporten beruht, sind die Staatseinnahmen abhängig von den schwankenden Weltmarktpreisen. Knapp 40 % der Bevölkerung leben von weniger als 1,25 US-Dollar am Tag, nur ein Drittel der Bevölkerung hat Zugang zu Elektrizität. Wichtigste Exportgüter neben dem Öl sind Agrarprodukte wie Kaffee, Vanille, Kakao und Erdnüsse. Das touristische Potenzial ist kaum ausgeschöpft.

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