Südasien - Religionen

Südasien - Vielfalt der Raumstrukturen

978-3-14-100803-6 | Seite 183 | Abb. 4 | Maßstab 1 : 36.000.000
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Überblick

Nur in wenigen Erdregionen gibt es eine ähnlich ausgeprägte religiöse Vielfalt wie auf dem indischen Subkontinent. Fasst man die Staaten Indien, Pakistan, Nepal, Buthan, Bangladesch und Sri Lanka zusammen, dann zählt der Hinduismus in Südasien mit rund 1,1 Mrd. Gläubigen etwa doppelt so viele Anhänger wie alle anderen Religionen zusammen. An zweiter Stelle folgt der Islam; Südasien beherbergt mehr als ein Drittel der muslimischen Weltbevölkerung. Weitere, etwa gleich stark vertretene Glaubensgemeinschaften in Südasien sind Buddhisten, Christen und Sikhs.

Religionsgruppen nach Ländern

In den absoluten Zahlen für den Subkontinent wirken sich vor allem die Verhältnisse in Indien aus. Dort leben mehr als 1 Mrd. Hindus, etwa 95 Prozent der hinduistischen Weltbevölkerung. Zugleich beherbergt das Land etwa 90 Prozent der in Südasien lebenden Christen und die beiden ausschließlich hier ansässigen Religionsgemeinschaften der Sikhs und Jainas. Die größte religiöse Minderheit bilden die Muslime, zu denen sich 13 Prozent der Bevölkerung, in absoluten Zahlen 163 Mio. Inder zählen.

Ein vollkommen anderes religiöses Gesicht zeigt das 1947 aus den islamischen Regionen Indiens entstandene Pakistan, in welchem der Islam zur Staatsreligion erhoben worden ist. Etwa 95 Prozent der Bevölkerung, rund 175 Mio. Menschen, bekennen sich zum muslimischen Glauben. Die mit Abstand meisten von ihnen zählen sich zu den Sunniten, rund 25 Prozent gehören zu den Schiiten oder zu noch kleineren muslimischen Splittergruppen. Zu den religiösen Minderheiten im Land zählen die etwa 5 Mio. Christen und die jeweils rund 2,5 Mio. Anhänger des Hinduismus und Buddhismus.

Auch in dem seit 1972 von Pakistan unabhängigen Bangladesch ist der Islam Staatsreligion. Etwa 90 Prozent der insgesamt 157 Mio. Einwohner sind Muslime, vor allem Sunniten. Die mit Abstand größte religiöse Minderheit stellen die Hindus mit etwa 14 Mio. Gläubigen. Die gläubigen Buddhisten und Christen stellen zusammen weniger als 1 Prozent der Einwohner.

Nepal war bis 2007 das einzige hinduistische Königreich der Welt (heute Republik).Gut 80 Prozent der rund 28 Mio. Menschen umfassenden multiethnischen Bevölkerung aus Madhesi, Chhetri, Bahun, Tharu, Magar, Sherpa, Newar, Tamang, Rai und diversen anderen Völkerschaften gehören zu den Hindus. Die größten religiösen Minderheiten sind die der rund 3 Mio. Buddhisten und die 1,1 Mio. Muslime.

Die beiden mit Abstand kleinsten Staaten der Region, Sri Lanka und Bhutan, sind die einzigen mit buddhistischen Mehrheiten. In Sri Lanka bekennen sich knapp drei Viertel der rund 20 Mio. Einwohner zum Buddhismus. Zum Hinduismus bekennen sich rund 15 Prozent, zum Islam rund 7 Prozent der Gläubigen. Die Christen bilden eine kleine Minderheit von 1 Mio. Gläubigen. Im Zwergstaat Bhutan, dessen Landesfläche kleiner ist als die von Niedersachsen, bekennen sich etwa 70 Prozent der 754 000 Einwohner zum Buddhismus und 25 Prozent zum Hinduismus.

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Jainas und Sikhs

Jaina, „Sieger“, ist ursprünglich der Ehrentitel der 24 Kirchenstifter des Jainismus, deren letzter, Vardhamana Mahavira, etwa zeitgleich mit Siddhartha Gautama, genannt Buddha, um 500 v. Chr. lebte. Nach seiner Lehre ist die Welt ewig; sie wird von keinem Gott regiert. Sie unterliegt einzig dem Gesetz des Karma, welches als in die Seele einströmende Materie verstanden wird. Sittliches Handeln, Askese und Meditation führen zu einer allmählichen Läuterung der Seele in zahlreichen Wiedergeburten. Ist alle Materie aus der Seele geschwunden, so steigt sie als reingeistiges Individuum, frei von Unwissenheit und Begierde, dem Wesenskreislauf und allem Irdischen entzogen, zum Gipfel der Welt.

Zur eigentlichen Gemeinde zählen nur Mönche und Nonnen, die durch strenge Askese den Einfluss des Karma beseitigen und in den Wesenskreislauf eingehen wollen. Die Laien-Anhänger sind nur an bestimmte sittliche Gebote gebunden, besonders an das des Ahimsa. Sie sollen keine Berufe ausüben, die mit der Tötung von Tieren verbunden sind und Vegetarismus pflegen. Trotz ihrer geringen Zahl von etwa vier Millionen Gläubigen üben die Anhänger des Jainismus in Indien großen Einfluss aus.

Der Sikhismus wurde im 15. Jahrhundert von dem Wanderprediger Nanak als eine religiöse Reformbewegung gegründet, die Hindus und Moslems auf der Grundlage eines bilderlosen Monotheismus zu einigen suchte. Unter seinen ersten acht Nachfolgern, den Gurus, breitete sich der Sikhismus im Punjab aus und schuf sich mit dem überwiegend aus Gedichten der Gurus bestehenden Adi Granth eine heilige Schrift. Erst der zehnte und letzte Guru, Gobind Singh, gab den Sikhs im späten 17. und frühen 18. Jahrhundert eine straffe militärische Organisation und ließ sie alle ihrem Namen den Titel Singh („Löwe“) zufügen. Seit dieser Zeit tragen alle männlichen Sikhs ein Schwert.

Kerngebiet der Sikhs ist das Punjab. Als der indische Subkontinent 1947 entsprechend den Religionszugehörigkeiten in Indien und Pakistan geteilt wurde, wurden die Sikhs aus dem pakistanischen West-Punjab vertrieben. Basierend auf einer eigenen Sprache und einer eigenen Religion entwickelte sich in Indien ein Sikh-Nationalismus, der 1966 zur Entstehung des Bundesstaates Punjab führte.

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