Ruhrgebiet - Wasserwirtschaft

Bochum/Ruhrgebiet

978-3-14-100700-8 | Seite 37 | Abb. 2 | Maßstab 1 : 750.000
Ruhrgebiet | Wasserwirtschaft | Bochum/Ruhrgebiet | Karte 37/2

Überblick


Mit der Ruhr und ihren Nebenflüssen, die im niederschlagsreichen Sauerland und Rothaargebirge entspringen, verfügt die Region über natürliche Wasserläufe, aus denen bei einer mittleren jährlichen Abflussmenge von 2 470 Millionen Kubikmetern etwa 700 bis 1 400 Millionen Kubikmeter Trinkwasser guter Qualität bereitgestellt werden kann.
Die Gewinnung so großer Wassermengen im Ruhrtal wird sowohl durch die grundwasserführenden Sand- und Kiesschichten als auch durch die künstliche Anreicherung von Flusswasser in Talsperren ermöglicht.

Brauchwasser und Trinkwasser
Der Ruhrverband betreibt 14 Talsperren sowie 17 Wasserkraftwerke. Die größten unter ihnen sind die Talsperren Bigge, Möhne, Sorpe, Henne und Verse. Mitglieder des Verbandes sind kommunale und gewerbliche Wasserwerke sowie alle Unternehmen, die pro Jahr mehr als 30 000 m³ Wasser entnehmen. Zudem beziehen über 5 Millionen Menschen ihr Trink- und Brauchwasser aus der Ruhr. Alle Talsperren befinden sich entlang der Nebenflüsse der Ruhr im Sauerland.

Abwasser Der Ruhrverband sorgt auch für die Reinhaltung des „saubersten Industrieflusses Europas“. Das gelingt ihm mit Hilfe von 97 Kläranlagen sowie fünf Stauseen. Dazu gehören beispielsweise der Hengsteysee südlich von Dortmund und der Kemnader See südlich von Bochum.
Diese Seen dienen als Sedimentierbecken zur Reinigung des Flusswassers; allein der Baldeneysee hält jährlich mehrere zehntausend Tonnen verunreinigten Schlamms zurück. Die Stauseen haben auch einen außerordentlichen Erholungswert für die dicht besiedelte Region.

Hochwasser
Im Ruhrgebiet wurde bereits im Mittelalter Steinkohle abgebaut. Alte und neue Schachtanlagen durchziehen die unteren Bodenschichten. Dadurch sinkt der Boden regelmäßig ab und das Niveau des Grundwasserspiegels scheint zu steigen. Nur Deiche und Pumpwerke verhindern, dass einzelne Regionen regelmäßig überflutet werden. Über 200 Pumpwerke laufen dazu bereits seit Jahrzehnten ohne jede Pause.

Die Emscher: eine Erfolgsgeschichte
Die Emscher ist der zweitgrößte Fluss der Region und fließt mitten durch das dicht besiedelte Ruhrgebiet. Als Folge der Industrialisierung wurde sie zum zentralen Abwassersammler. Ihren Höhepunkt erreichten die Verschmutzungen gegen Mitte des letzten Jahrhunderts. Zu jenem Zeitpunkt war die Emscher einer der schmutzigsten Flüsse Europas.
Angesichts des schlimmen Zustands sind erste Schritte in Richtung einer ökologischen Erneuerung des Flusses unternommen worden. 1990 fiel der Startschuss für einen breit angelegten Umbau des gesamten Emschersystems. Drei parallel zur Emscher verlaufende unterirdische Kanäle sollen nach ihrer geplanten Fertigstellung im Jahr 2014 das Abwasser drei Kläranlagen zuführen. Parallel wurden erste kleine Abschnitte der Emscher mit großem Aufwand renaturiert. Ab 2015 soll der Fluss nur noch Quellwasser, Regenwasser und gereinigtes Abwasser führen.

E. Michel, J. Seibel

Info Plus

Unabdingbare Voraussetzungen zur Entwicklung eines Industriegebietes sind eine gesicherte Versorgung mit Trink- und Brauchwasser und die Möglichkeit einer geeigneten Abwasserentsorgung.
Wasserverbrauch und Abwasseranfall liegen im dicht besiedelten Ruhrgebiet je Flächeneinheit etwa siebenmal so hoch wie im Bundesdurchschnitt. Mit der Ruhr und ihren Nebenflüssen (Lenne, Volme, Möhne, Wenne), die im niederschlagsreichen Sauerland und Rothaargebirge entspringen (s. Karte 52), verfügt die Region über natürliche Wasserläufe, aus denen bei einer mittleren jährlichen Abflussmenge von 2470 Mio. Kubikmetern etwa 700 bis 1400 Mio. Kubikmeter Trinkwasser guter Qualität bereitgestellt werden. Damit ist nicht nur die Versorgung von mehr als zwei Millionen Einwohnern der Ruhrzone gesichert, sondern auch diejenige großer Teile der Emscherzone und einiger Bereiche der Lippezone. Die Gewinnung so großer Trinkwassermengen im Ruhrtal wird ermöglicht durch die besonderen geologischen Lagerungsverhältnisse — grundwasserführende Sand- und Kiesschichten liegen über wasserstauendem Ruhrsandstein — und die künstliche Anreicherung durch Flusswasser, das, in Sickerbecken vorgereinigt, durch die reinigende Sandschicht in Brunnengalerien eindringt und von dort zur Endbehandlung in die Wasserwerke gepumpt wird.

Organisation der Wasserwirtschaft
Um allerdings die heutige Versorgungssicherheit zu erreichen, musste erst das Problem der unregelmäßigen Wasserführung der Ruhr — mit ihren Schwankungen von 5 m³/s in trockenen Sommern bis zu 2000 m³/s bei Frühjahrshochwassern — überwunden werden. Daher schlossen sich bereits ab 1899 einige Ruhrwasserwerke zusammen, um Talsperren zu errichten (Möhne 1908/1913), bis dann der preußische Staat 1913 die Gründung des Ruhrtalsperrenvereins und des Ruhrverbandes veranlasste. Der Ruhrverband betreibt 14 Talsperren (die größten sind Bigge, Möhne, Sorpe, Henne und Verse) sowie 17 Wasserkraftwerke. Mitglieder des Verbandes sind kommunale wie gewerbliche Wasserwerke und alle Unternehmen, die pro Jahr mehr als 30 000 m³ entnehmen.
Der Ruhrverband sorgt für die Reinhaltung des "saubersten Industrieflusses Europas" durch die Unterhaltung von 97 Kläranlagen (Abwasseranfall 385 Mio. m³ pro Jahr) sowie von fünf Ruhrstauseen (Harkort- und Hengsteysee südlich von Dortmund, Kemnader See südlich von Bochum, Baldeneysee und Kettwiger See im Essener Süden). Diese Seen dienen als Sedimentierbecken zur Reinigung des Flusswassers; allein der Baldeneysee hält jährlich mehrere zehntausend Tonnen verunreinigten Schlamms zurück. Die Stauseen weisen aber auch einen außerordentlichen Erholungswert für die dicht besiedelte Region auf. 397 Regenwasserbehandlungsanlagen verhindern, dass verunreinigtes Oberflächenwasser in den Fluss gelangt.

"Cloaca maxima" des Ruhrgebiets
Die Emscher, ursprünglich ein artenreicher, mäandrierenden Nebenfluss des Rheins (s. Karte 36.1), wurde im Zuge der Industrialisierung zum zentralen Abwassersammler der gesamten Region, zur "cloaca maxima" des Ruhrgebiets umfunktioniert. Ihren Höhepunkt erreichten die Verschmutzungen um die Mitte des 20. Jahrhunderts. Zu diesem Zeitpunkt war die Emscher, einer der schmutzigsten Flüsse Europas, im biologischen Sinne tot (s. Karte 59.4). Um das Problem der enormen Abwassermengen von Zechen, Kokereien, Eisen-, Stahl- und Chemischer Industrie zu bewältigen, aber auch, um geeignete Maßnahmen gegen die ständigen Überschwemmungen im Ruhrgebiet einzuleiten, wurde 1899 die Emschergenossenschaft gegründet, in deren Auftrag der Fluss mehrfach befestigt und begradigt wurde. Heute ist die Emschergenossenschaft durch eine Verwaltungsgemeinschaft mit dem Lippeverband der größte Abwasserentsorger in Deutschland.
Angesichts des desaströsen Zustands der Emscher wurden in den letzten Dezennien des 20. Jahrhunderts erste Schritte hin zu einer ökologischen Erneuerung des Flusses unternommen. 1990 fiel der Startschuss für einen breit angelegten Umbau des gesamten Emschersystems. Drei parallel zur Emscher verlaufende unterirdische Kanäle sollen nach ihrer geplanten Fertigstellung 2014 das Abwasser, das bislang in den Fluss geleitet wurde, drei Kläranlagen zuführen. Parallel wurden erste kleinere Abschnitte der Emscher mit großem Aufwand renaturiert. Ab 2015 soll der Fluss nur noch Quellwasser, Regenwasser und gereinigtes Abwasser führen.
E. Michel

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