Ruhrgebiet - um 1960

Strukturwandel

100849 | Seite 39 | Abb. 2 | Maßstab 1 : 500.000
Ruhrgebiet | um 1960 | Strukturwandel | Karte 39/2

Überblick

Die Karte zeigt die räumliche Gliederung und die wirtschaftliche Nutzung des Ruhrgebiets um 1960, als die Städte zwischen Duisburg im Westen und Dortmund im Osten bereits zu einem stark verdichteten Raum, einer zusammenhängenden Stadtlandschaft zusammengewachsen waren. Das Gebiet erhielt seine Prägung während der Industrialisierung.

Die Phase der Industrialisierung

Ausgangspunkte der industriellen Entwicklung waren der Abbau von Steinkohle und die Verhüttung von Erz zu Eisen. Der geregelte Kohleabbau begann 1766. Begünstigt wurde er durch den Ausbau der Ruhr zu einem Kohletransportweg in den Jahren 1776 bis 1780. Rund 90 Jahre lang dauerte die Blütezeit der Kohleschifffahrt auf der Ruhr, bis die neuen Eisenbahnen aufgrund ihrer Schnelligkeit und ihrer größeren Kapazitäten die Konkurrenz um den Kohletransport gewannen. 1870 wurde die Ruhrschifffahrt eingestellt.

Die Entwicklung der Eisen- und Stahlindustrie im Ruhrgebiet war eng mit den Namen Friedrich Krupp (1811: in Essen Gründung einer Gussstahlfabrik), Franz Haniel (1830: in Sterkrade Inbetriebnahme des ersten Walzwerks) und Fritz Harkort (1826: in Wetter Inbetriebnahme des ersten „Puddelofens“) verbunden. Eine weitere Wegmarke war die Errichtung des ersten mit Kokskohle betriebenen Hochofens 1849 in Mülheim. Zu dieser Zeit betrug der Anteil des Ruhrgebiets an der Roheisenerzeugung Deutschlands nur fünf Prozent. Der Standort „auf der Kohle“ wurde jetzt aber entscheidend, weil man zur Verhüttung von einer Tonne Eisenerz etwa zwei Tonnen Koks benötigte; heute sind es nur noch 0,5 Tonnen. Durch die Entwicklung der Verhüttungstechnik, die Förderung der verkokbaren Fettkohle in Tiefbauzechen und die Transportleistung des neu entstehenden Eisenbahnnetzes waren die Voraussetzungen für den Aufstieg des Ruhrgebietes zum größten Industriegebiet des Kontinents gegeben.

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Das Ruhrgebiet um 1960

Die Karte um 1960 zeigt das Ruhrgebiet am Beginn der darauf folgenden Strukturanpassungen (Kohlekrise, Stahlkrise). Die Zahl der Beschäftigten in der Stahlindustrie war bis dahin auf ein Maximum von mehr als 420 000 Beschäftigten gestiegen, Anfang der 1990er-Jahre lag sie unter 200 000. Die Produktion ging nicht in gleichem Maße zurück, sondern stieg bis Mitte der 1970er-Jahre (Stahlkrise) sogar noch an. Heute liegt sie bei leicht steigender Tendenz etwa auf dem Niveau von 1965. Die Zahl der Beschäftigten im Kohlebergbau lag Anfang der 1960er-Jahre bei rund 350 000, Anfang der 1990er-Jahre waren es erstmals weniger als 100 000.

Im Vergleich zur Industrialisierungsphase hatte sich bis 1960 eine Nordwanderung sowie eine erste Standortkonzentration im Steinkohlenbergbau und der Eisen- und Stahlerzeugung vollzogen. Die Siedlungsflächen waren gegenüber dem 19. Jahrhundert stark gewachsen, die Infrastruktur wurde ausgebaut.

Bei der Betrachtung der Wirtschaftsstandorte wird deutlich, dass eine einseitige Wirtschaftsstruktur bestand, die den Strukturwandel erschwert hat. Entlang der Ruhr und der Emscher konzentrierten sich um 1960 Steinkohlenzechen, Eisenhüttenbetriebe und Stahlwerke. An sie knüpfte die Metall verarbeitende Industrie an.

Darüber hinaus gab es im Ruhrgebiet einige Standorte der Industrie der zweiten Industrialisierungswelle, zum Beispiel der chemischen Industrie. Ihre Entwicklung ist unter anderen den Pipelines zu den Seehäfen Rotterdam und Wilhelmshaven zu verdanken. Auffällig sind auch die zahlreichen Standorte von Wärmekraftwerken (zur Stromerzeugung) und Brikettfabriken (Kohle für Heizzwecke in Gebäuden).

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Graphiken

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Wandel bei den Standortfaktoren der Eisen- und Stahlindustrie

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