Ruhrgebiet um 1840

Rheinisch-Westfälisches Industriegebiet

978-3-14-100700-8 | Seite 36 | Abb. 1 | Maßstab 1 : 500.000
Ruhrgebiet um 1840 |  | Rheinisch-Westfälisches Industriegebiet | Karte 36/1

Überblick


Im Jahr 1840 waren mehr als 100 Steinkohlenzechen entlang der Ruhr im Ruhrgebiet verteilt. Ausgangspunkte der industriellen Entwicklung waren im Allgemeinen der Abbau von Steinkohle und die Verhüttung von Erz zu Eisen. Auf beide Bereiche waren die Unternehmen im „Ruhrgebiet“ spezialisiert. Daneben gab es auch vereinzelt Unternehmen der Textilindustrie.

Das größte Industriegebiet in Europa
Begünstigt wurde der Bergbau durch den Ausbau der Ruhr (Staustufen) zu einem Kohletransportweg in den Jahren 1776 bis 1780. Rund 90 Jahre dauerte die Blütezeit der Kohleschifffahrt auf der Ruhr, bis die neuen Eisenbahnen aufgrund ihrer Schnelligkeit und ihrer größeren räumlichen Kapazitäten den Kampf um den Kohlentransport gewannen. 1870 wurde die Ruhrschifffahrt schließlich eingestellt.

Entwicklung der Eisen- und Stahlindustrie
Entscheidend für die Entwicklung des Kohlebergbaus vom Stollenbau bis hin zum Bau von Tiefschächten war die Lösung des Problems der Grubenwasserhaltung. Dampfmaschinen und Pumpen leiteten das Wasser zur Oberfläche.
Die Entwicklung der Eisen- und Stahlindustrie ist eng unter anderem mit den Namen Friedrich Krupp (1812: Essen) und Franz Haniel (1830 erstes Walzwerk in Sterkrade) verbunden. Im Jahr 1849 wurde in Mühlheim an der Ruhr der erste mit Kokskohle betriebene Hochofen errichtet. Zu jener Zeit betrug der Anteil des Ruhrgebiets an der Roheisenerzeugung in Deutschland etwa fünf Prozent.
Alle Entwicklungen von der Eisenbahn bis zur Verhüttungstechnik hatten einen entscheidenden Anteil daran, dass sich das „Ruhrgebiet“ zum damals größten Industriegebiet in Europa entwickelte.

E. Michel, J. Seibel

Info Plus

Die Karte zeigt die räumliche Gliederung des Raumes, der allgemein als "Ruhrgebiet" bezeichnet wird. Die Einteilung in die Ruhr-, Hellweg-, Emscher- und Lippezone in Ost-West-Richtung sowie die Rheinzone in Nord-Süd-Richtung ist von Natur aus vorgeprägt. Deutlich zu erkennen sind die ehemals stark bewaldeten Ausläufer des Niederbergisch-Märkischen Hügellandes und die sich nördlich anschließenden Lössterrassenplatten. Diese waren schon früh wegen der fruchtbaren Böden fast völlig entwaldet, landwirtschaftlich genutzt und relativ dicht besiedelt (Siedlungsreihe an der alten Handelsstraße des Hellwegs, auch Salzweg genannt). Daran schließen die sumpfige und daher siedlungsarme Emscher-Niederung sowie das Sandgebiet der Kirchheller Heide an.

Beginn der Industrialisierung
Die Karte zeigt die Konzentration von mehr als 100 Steinkohlenzechen entlang der Ruhr sowie die sich entwickelnde metallurgische Industrie zu Beginn der Hochindustrialisierung.
Ausgangspunkte der industriellen Entwicklung waren der Abbau von Steinkohle und die Verhüttung von Erz zu Eisen. Zwar wurde der Bergbau an der Ruhr bereits 1302 erstmals urkundlich erwähnt, der geregelte Kohleabbau begann jedoch erst 1766. Begünstigt wurde er durch den Ausbau der Ruhr (Staustufen) zu einem Kohletransportweg in den Jahren 1776 bis 1780. Die ersten "Kohlebahnen" waren Pferdeeisenbahnen, an deren Endpunkten "Kohlehäfen" lagen. Rund 90 Jahre lang dauerte die Blütezeit der Kohleschifffahrt auf der Ruhr. Während dieser Zeit war die Ruhr vorübergehend der meistbefahrene Fluss der Welt, bis die neuen Eisenbahnen aufgrund ihrer Schnelligkeit und ihrer größeren räumlichen Kapazitäten die Konkurrenz um den Kohlentransport gewannen. 1870 wurde die Ruhrschifffahrt eingestellt.
Entscheidend für die Entwicklung des Kohlebergbaus vom einfachen Abgraben der Kohle ("Pingenbau"; "Pütt" = brunnenartiger Schacht; von lat. "puteus" für Brunnen) über den seitwärts in den Berg getriebenen Stollenbau zum Bau von Tiefschächten war die Lösung des Problems der Wasserhaltung mithilfe von Dampfmaschinen und Pumpen. Die erste "Feuermaschine" wurde 1799 auf der Zeche "Vollmond" in Bochum in Betrieb genommen. Auf einer Linie südlich der Städte Essen—Dortmund erreichen die von Flözen durchsetzten Schichten die Oberfläche, nördlich davon werden sie von einer immer mächtiger werdenden Schicht von Mergeln bedeckt. Zwischen 1832 und 1834 gelang es Franz Haniel erstmalig, die Mergelschichten nordwestlich von Essen zu "durchteufen".
Die Entwicklung der Eisen- und Stahlindustrie ist eng mit den Namen Friedrich Krupp (1812: Essen), Franz Haniel (1830 erstes Walzwerk in Sterkrade) und Fritz Harkort (1826: in Wetter erster "Puddelofen"; von engl. "to puddle" für umrühren) verbunden. Eine weitere Wegmarke war die Errichtung des ersten mit Kokskohle betriebenen Hochofens 1849 in Mülheim. Zu dieser Zeit betrug der Anteil des Ruhrgebiets an der Roheisenerzeugung Deutschlands nur fünf Prozent. Der Standort "auf der Kohle" wurde jetzt aber entscheidend, weil man zur Verhüttung von einer Tonne Erz etwa zwei Tonnen Koks benötigte (heute nur 0,5 Tonnen). So waren durch die Entwicklung der Verhüttungstechnik, die nun mögliche Förderung der verkokbaren Fettkohle in Tiefbauzechen und die Transportleistung der neu erbauten Eisenbahn (1847 Köln—Minden) die Voraussetzungen für den Aufstieg des Ruhrgebietes zum größten Industriegebiet des Kontinents gegeben.
E. Michel

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Wandel bei den Standortfaktoren der Eisen- und Stahlindustrie

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