Ruhrgebiet - Strukturwandel - 2017 (nachindustrielle Phase)

Deutschland - Industrialisierung

978-3-14-100870-8 | Seite 87 | Abb. 3 | Maßstab 1 : 500.000
Ruhrgebiet | Strukturwandel | Deutschland - Industrialisierung | Karte 87/3

Überblick

Aufgrund der jahrzehntelangen Konzentration auf Bergbau, Eisen- und Stahlindustrie musste sich das Ruhrgebiet ab den 1960er- und 1970er-Jahren einem tief greifenden Strukturwandel stellen. Dieser Anpassungsprozess dauert bis heute an. Die einstigen Schlüsselindustrien haben ganz (Kohlebergbau) oder teilweise (Stahlindustrie) an Bedeutung verloren.

Obwohl die globale Steinkohleproduktion in den letzten fünf Jahrzehnten stark gestiegen ist, nahm der Anteil der Ruhrgebietskohle drastisch ab. 1955 wurden etwa acht Prozent der Weltproduktion hier gefördert, heute ist ihr Anteil verschwinden gering. Weil 2006 von der Bundesregierung der Ausstieg aus dem hochsubventionierten Steinkohlebergbau beschlossen wurde, wird das letzte Bergwerk 2018 schließen. Auch die Standorte für die Roheisen- und Stahlerzeugung haben sich massiv verringert. Sie liegen heute fast vollständig verkehrsgünstig im Raum Duisburg in unmittelbarer Nähe zum Rhein (Bezug von Rohstoffen aus Übersee per Schiff, Abtransport der Erzeugnisse über die Logistikdrehscheibe Duisport).

Während im Ruhrgebiet allein zwischen 1980 und 2000 rund 500 000 Arbeitsplätze im produzierenden Gewerbe verloren gingen, wurden im Dienstleistungssektor kontinuierlich Zuwächse verzeichnet. Zu prägenden neuen Branchen der Region sind zum Beispiel Logistik und Handel geworden. Mitte der 1980er-Jahre war erstmals mehr als die Hälfte der Beschäftigten im Bereich Dienstleistungen tätig, und ihr Anteil nahm seitdem beständig zu. Heute sind mehr als 80 Prozent im tertiären Sektor tätig. Überdies expandieren Klein- und Mittelbetriebe. Während mehrere große Unternehmen, mit denen der Strukturwandel zunächst eng verknüpft war (zum Beispiel Opel und Nokia), ihre Standorte geschlossen haben, konnte der Kommunalverband Ruhr seit 2000 zahlreiche Existenzgründungen im Bereich Energie-, Umwelt-, Informations- und Kommunikationstechnik, Medizin, Mikroelektronik, Logistik und Werkstofftechnologie registrieren.

Eine wichtige Weichenstellung auf dem Weg vom Industrie- zum Wissensstandort war die Einrichtung neuer Technologiezentren und Forschungsanstalten. Seit 1961 wurden im Ruhrgebiet mehrere Hochschulen gegründet, etwa die Universitäten Bochum, Dortmund, Essen, Duisburg - letztere fusionierten 2003 zur Universität Duisburg-Essen -, die Fernuniversität Hagen und die Privatuniversität Witten/Herdecke. Dank zahlreicher Sprech-, Musik- und Tanzbühnen, Kulturfestivals und Museen hat sich das Ruhrgebiet auch zu einer bedeutenden Kulturlandschaft entwickelt.

Große Summen wurden investiert, um Industriedenkmäler zu erhalten oder neuen Nutzungen zuzuführen. Gut 50 dieser Relikte bilden die "Route der Industriekultur". In der Gaskraftzentrale eines ehemaligen Bochumer Stahlwerks entstand mit der "Jahrhunderthalle Bochum" ein kultureller Veranstaltungsort von überregionaler Bedeutung, auf dem Gelände der Hütte Duisburg-Meiderich der Landschaftspark Duisburg-Nord, der Gasometer in Oberhausen dient als Ausstellungshalle, der Industriekomplex Zollverein Essen ist seit 2002 Teil des Weltkulturerbes der UNESCO. Mit dem Emscher Landschaftspark erhielt die Region ein gemeinsames "grünes Band". Maßnahmen wie diese haben wesentliche Impulse für die Entwicklung des Tourismus gegeben.

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