Rostock - Seehafen

Deutschland - Verkehr

978-3-14-100800-5 | Seite 65 | Abb. 6 | Maßstab 1 : 75.000
Rostock | Seehafen | Deutschland - Verkehr | Karte 65/6

Überblick

Rostock ist wichtigster Hafenstandort in Mecklenburg-Vorpommern und zugleich der einzige deutsche Tiefwasser- und Universalhafen an der Ostsee. Zum Rostocker Hafen gehören der Überseehafen mit seinen vier Piers, der Öl- und der Chemiehafen, der Fracht- und Fischereihafen an der Westseite der Unterwarnow, das 2005 eröffnete, hochmoderne Kreuzfahrtterminal („Cruise Center“) in Warnemünde, der am Rand der Altstadt gelegene Stadthafen („Alter Hafen“) und einige weitere, in der Karte nicht eigens ausgewiesene Anlagen zwischen Cruise Center und Fischereihafen (MAGEB-Kai, Müsing-Kai, INTERSEROH-Kai).

Geschichte des Hafens

Der alte Stadthafen liegt dort, wo sich die Oberwarnow zur Unterwarnow verbreitert, etwa 13 Kilometer von der Mündung entfernt. Eine erste Blüte erlebte die Stadt während der Hansezeit, als sich der Hafen zu einem der bedeutendsten Umschlagsplätze an der Ostsee entwickelte, auf dem Waren aus dem Baltikum, aus Skandinavien und aus West- und Mitteleuropa gehandelt wurden.

Um 1870, während der „Segelschifffahrtszeit“, war hier mit 369 Schiffen die größte Handelsflotte des gesamten Ostseeraumes beheimatet. Doch mit der Reichsgründung 1871 und der rasant einsetzenden Industrialisierung in Deutschland verlor der Hafen den Anschluss an die Entwicklung und versank in Bedeutungslosigkeit.

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Strukturwandel nach 1990

Mit dem Übergang zur Marktwirtschaft ab 1990 vollzog sich ein komplizierter Anpassungs- und Umstrukturierungsprozess. Die noch aus Zeiten der Planwirtschaft stammenden Kombinate erwiesen sich als wenig konkurrenzfähig. Sie wurden mehr oder weniger stark privatwirtschaftlich umorganisiert oder ganz aufgelöst. Diese Entwicklung beeinflusste auch den Seeverkehr und die Hafenwirtschaft stark. Der Güterumschlag wird seit der Privatisierung 1997 von der Hafen-Entwicklungsgesellschaft Rostock mbH betrieben. Die Gesellschaft befindet sich – wie der Hafen – im Besitz der Stadt Rostock und des Landes Mecklenburg-Vorpommern.

Seit 1990 hat sich das Hafengelände und dessen unmittelbares Hinterland zu einem modernen Industrie- und Dienstleistungsstandort entwickelt, parallel kam es bei Umschlagsvolumen und Güterstruktur zu erheblichen Veränderungen. Am stärksten davon betroffen waren wertintensive Stückgüter deren Umschlag stark rückläufig war. Einbußen gab es auch bei den Schüttgütern. Zu den wichtigsten Investitionsobjekten der Umbruchsphase zählten ein Steinkohlekraftwerk, der neue Fähranleger Warnowkai, Terminals für Kohle, Schrott usw. , eine Mälzerei, Getreidesiloanlagen, neue Tanker-Liegeplätze, ein Tanklager mit einem Volumen von 120 000 Kubikmetern, die Pipeline Rostock – Böhlen und die Hochstraße Fährterminal – Autobahn. Zu einer Verbesserung der Verkehrsanbindung trug auch der Warnowtunnel zwischen Schmarl und Krummendorf bei, der seit seiner Eröffnung 2003 eine schnelle Anbindung des Hafens an die A20 in Richtung Lübeck / Hamburg gewährt.

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Hochseehafen der DDR

Nach 1910 wurde der Hafen auf sechs Meter Tauchtiefe ausgebaut, doch erst nach den starken Zerstörungen des Zweiten Weltkriegs erlebten Stadt und Hafen einen neuen Aufschwung, weil die DDR für den Aufbau einer eigenen Handelsflotte einen leistungsfähigen Hochseehafen benötigte. 1960 gingen an der Stelle, wo sich die etwa 600 Meter breite Unterwarnow haffartig zum Breitling erweitert, der Überseehafen und der benachbarte Ölhafen in Betrieb, wodurch nun auch die größten in der Ostsee fahrenden Schiffe in Rostock vor Anker gehen konnten. In den folgenden Jahren wurde die Hafenanlage ständig den jeweiligen Bedürfnissen der DDR-Wirtschaft angepasst.

Die zunehmende Bedeutung des Hafens beflügelte den Schiffsbau und dessen Zulieferindustrie, nicht zuletzt auch die Fischerei. Die 1850 gegründete Neptunwerft wurde ausgebaut und 1948 um die Warnow-Werft ergänzt, zugleich entstanden Werke für Dieselmotoren, Schiffselektronik und die Schiffsversorgung sowie das Fischkombinat Marienehe für die Hochseefischerei und die Fischverarbeitung. Dieser Aufschwung der maritim orientierten Wirtschaftsbereiche führte zur planmäßigen Ausweitung der bebauten Flächen. „Auf der grünen Wiese“ entstanden nach dem Leitbild einer Bandstadt westlich und zum Teil auch östlich der Warnow kompakte, mehrgeschossige Großwohngebiete in Plattenbauweise. 1989, im Jahr des Mauerfalls, erreichte der Hafen mit einem Umschlag von mehr als 20 Mio. Tonnen sein zu dieser Zeit bestes Ergebnis.

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Universaler Umschlagplatz

Nach den starken Einbrüchen in den frühen 1990er-Jahren, in denen der Güterumschlag zunächst um mehr als die Hälfte zurückgegangen war, hat sich der Hafen Dank seiner hohen wirtschaftlichen Dynamik konsolidieren können. 2001 erreichte er erstmals wieder das Rekord-Umschlagsvolumen von 1989. Nach dem neuen Rekordjahr 2008 mit 27,2 Mio. Tonnen Güterumschlag gab es zwar wieder einen kleinen Einbruch im Güterverkehr (Weltwirtschaftskrise), dafür legten die Kreuzfahrten kräftig zu: 2013 erreichten sie mit 198 Anläufen einen neuen Rekord. Warnemünde gilt inzwischen als der beliebteste Kreuzfahrthafen Deutschlands.

Durch den strukturellen Wandel der letzten Jahre hat der Hafen sein Erscheinungsbild stark verändert. Mit dem modernen Ölhafen, mit Anlagen für den Getreide-, Kohle-, Düngemittel- und Zementumschlag, mit Terminals für den Umschlag von Baustoffen und von Stückgütern ist er nach wie vor ein universaler Umschlagplatz. Auf dem KV-Terminal südlich des neuen Fähranlegers, werden wöchentlich über 30 Shuttle-Züge abgefertigt, die zwischen Rostock und den großen Bahnknotenpunkten in Tschechien, Italien, Österreich, der Schweiz und Deutschland verkehren. Dank des Ausbaus des KV-Terminals konnte die Umschlagkapazität 2012 auf 130 000 Ladeeinheiten verdoppelt werden. Im Linien-Fährverkehr wurden im Rekordjahr 2006 insgesamt 2,3 Mio. Passagiere befördert, 2013 waren es etwa 1,9 Mio.

Außer dem Kerngeschäft des Hafens, dem Güterumschlag, zeigt die Karte spezialisierte Hafenbereiche (Yachthafen und Marinestützpunkt in Hohe Düne) sowie Industrieunternehmen, die sich im Hafen niedergelassen. Dies weist Rostock als Standort mit einer vielseitigen Wirtschaftsstruktur aus.

Im Fracht- und Fischereihafen Marienehe hat sich seit 1990 im Zuge des wirtschaftlichen Strukturwandels ein Gewerbegebiet mit einem Branchenmix von 130 Unternehmen entwickelt, mit den Schwerpunkten Logistik, Nahrungsmittelindustrie und Schiffbau. Der Hafen dort ist geprägt vom klassischen Hafenumschlag (Massen- und Stückgüter), verbunden mit einer Kühl- und Lagerwirtschaft, während die Fischerei keine Rolle mehr spielt. Der alte Stadthafen („Alter Hafen“) ist inzwischen vor allem Seglerhafen, Zentrum des maritimen Tourismus und ein beliebter Geschäfts- und Gewerbestandort.

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