Rom - Kulturmetropole durch die Jahrhunderte

Italien - Kulturlandschaften in Antike und Gegenwart

978-3-14-100870-8 | Seite 141 | Abb. 3 | Maßstab 1 : 40.000
Rom | Kulturmetropole durch die Jahrhunderte | Italien - Kulturlandschaften in Antike und Gegenwart | Karte 141/3

Überblick

Rom liegt rund 20 Kilometer von der Küste entfernt in einer Ebene zwischen dem Mittelmeer und den Ausläufern der Apenninen. Die Stadt, der Überlieferung nach 753 v. Chr. von Romulus gegründet, wurde in der Tiberebene auf einigen Anhöhen erbaut. Zu den berühmten "sieben Hügeln" zählen Palatin, Kapitol, Quirinal, Viminal, Esquilin, Celio und Aventin. Der Tiber trennt die Vatikanstadt und Trastevere vom Zentrum.

Die bauliche Entwicklung Roms

Als 27 v. Chr. unter Augustus die römische Kaiserzeit begann, war Rom mit fast 1 Mio. Einwohnern längst das politische und kulturelle Zentrum eines Weltreichs. In der heutigen Innenstadt finden sich zahlreiche bauliche Relikte dieser Blüteepoche, darunter das Colosseum, die Kaiserforen, das Forum Romanum und die Caracalla-Thermen. Die Aurelianische Stadtmauer (3. Jh.) markiert die Grenzen des heutigen funktionalen Zentrums der Stadt.

Südlich davon werden auf den Ausgrabungsflächen immer wieder archäologische Entdeckungen gemacht. Ende 2007 fand man auf dem Palatin-Hügel in 16 Metern Tiefe eine mit kunstvollen Gold- und Marmormosaiken ausgestattete Grotte, die vermutlich als "Lupercale" diente, als Kultstätte für die Wölfin, die der Sage nach Romulus und Remus säugte. Wenige Jahre zuvor hatte man in unmittelbarer Nähe die Reste dreier Hütten aus der Gründerzeit im 8. Jahrhundert v. Chr. ausgegraben.

Auch wenn das heutige Stadtzentrum mit dem römischen lagegleich ist, gibt es keine ungebrochene Kontinuität in der baulichen Entwicklung. Zwischen dem antiken und modernen Rom vermitteln die Strukturen der mittelalterlichen Stadt, die ihr Zentrum an einem anderen Ort hatte. Rom blieb bis zur zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts auf sein mittelalterliches Stadtgebiet, den Tiberbogen und Trastevere, beschränkt; seine Grenzen zeigt die mittel-alterliche Stadtmauer mit den Festungsbastionen an. Die mittel-alterliche Stadt weist einen recht unregelmäßigen Straßengrundriss auf. Rom war zu dieser Zeit umgeben von den Villen und Parks des römischen Stadtadels, die heute eine Grünzone am Rande des Zentrums bilden. Zu den Adelsresidenzen aus dieser Zeit zählen die Villa Doria Pamphili, die Villa Borghese und die Villa Torlonia im Westen und Norden. Weil die Gebiete außerhalb des Zentrums relativ jungen Datums sind, haben sie einen vergleichsweise regelmäßigen Straßengrundriss.

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Hauptstadt Italiens

Als Rom 1871 zur Hauptstadt des zehn Jahre zuvor proklamierten Königreichs Italiens wurde, begann ein rasantes Bevölkerungswachstum von damals 200 000 auf mehr als 2,8 Mio. Einwohner heute. Das funktionale Zentrum Roms liegt gegenwärtig östlich außerhalb des mittelalterlichen Stadtkerns in den Neubaugebieten des 19. Jahrhunderts und endet etwa an der Stadtmauer von Kaiser Aurelian. Wie das historische Zentrum, so hat auch dieser Bereich noch immer Wohnfunktionen. Eine gewisse funktionale Spezialisierung lässt sich allenfalls in Gestalt einer Konzentration von Hotels um den Bahnhof Termini und die Villa Borghese erkennen. Die übrigen hochrangigen tertiären Einrichtungen sind über weite Stadtbereiche verstreut. Teile der Cityfunktionen sind dagegen weit außerhalb des Stadtkerns in eigenen "centri direnzionali" angesiedelt. In der Stadt hat sich weder ein Regierungs- noch ein Verwaltungsviertel herausgebildet; Ähnliches lässt sich im Hinblick auf die Wirtschaft und kulturelle Einrichtungen konstatieren.

Die Vatikanstadt, seit der Antike außerhalb des Stadtkerns angesiedelt, ist das Zentrum des religiösen Lebens. Sie hat eine lange Tradition als eigenständiger Staat und ist nach zeitweiliger Zugehörigkeit zu Italien seit 1929 wieder unabhängig. Staatsoberhaupt ist der Papst, oberstes Gremium ist das Kardinalskollegium aus etwa 200 Mitgliedern.

Für die heutige Stadt ist das antike Erbe noch immer bedeutend, vor allem als Anziehungspunkt für Touristen aus aller Welt. Allerdings ist ein erheblicher Teil der historischen Bausubstanz durch Lärm- und Abgasemissionen stark belastet. Wirtschaftlich von großer Bedeutung sind des Weiteren die Regierungs- und Verwaltungsfunktionen. Rund 250 000 Einwohner sind beim italienischen Staat beschäftigt, andere arbeiten beim Vatikan, der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) oder bei Unternehmen, die die Nähe der staatlichen Verwaltung suchen. Die Industrie hat hingegen nur eine untergeordnete Bedeutung.

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