Rio de Janeiro - Soziale Gliederung

Südamerika - Staaten und Bevölkerung

978-3-14-100381-9 | Seite 159 | Abb. 3
Rio de Janeiro | Soziale Gliederung | Südamerika - Staaten und Bevölkerung | Karte 159/3

Überblick

Mit fast 13 Millionen Einwohnern ist die Agglomeration Rio de Janeiro nach São Paulo (über 21 Millionen) die nach der Bevölkerung zweitgrößte der neun Großstadtregionen Brasiliens.

Geschichtliche Entwicklung

Die erste portugiesische Niederlassung entstand 1565 auf der Halbinselzunge vor dem Zuckerhut. Ihre isolierte Lage war zwar strategisch günstig, verhinderte aber eine städtische Entwicklung. Bereits zwei Jahre später wurde deshalb im Bereich des heutigen Geschäftszentrums ein zweiter Siedlungskern gegründet, der später mit dem ersten verbunden wurde. Für die Entwicklung der Stadt entscheidend war die Erhebung zur Landeshauptstadt 1763, nicht zuletzt, weil sich dadurch die europäische Einwanderung nach Brasilien auf Rio de Janeiro konzentrierte. Hinzu kam im 20. Jahrhundert die brasilianische Binnenwanderung, wobei Rio als Hauptstadt eine besondere Magnetwirkung hatte. Auch nach der Verlagerung der politischen Steuerungsfunktionen nach Brasília 1960 ist Rio de Janeiro Weltstadt geblieben.

Schutzgebiete

Um Wohnviertel zu sichern, wurden am Stadtrand einige Naturparks geschaffen. Seit die städtische Bebauung immer höher an den Bergflanken hinaufwuchs und dadurch die schützende Walddecke zerstörte, änderten sich der Wasserhaushalt und die Abflussverhältnisse. Die Folgen waren Hangrutschungen, die zur Zerstörung ganzer Stadtviertel führten. Zumeist waren von diesen Katastrophen die Favelas betroffen. Im Zentrum des Stadtgebiets wurde 1961 der Tijuca-Nationalpark ausgewiesen.

Sozialräumliche Gliederung

Die Karte offenbart die für Agglomerationen in Schwellenländern typischen sozialräumlichen Gegensätze. So gibt es in der Stadt über 100 Favelas (Slums) (siehe Karte 159.4 „Rio de Janeiro – Wohnviertel, Favela Cidade de Deos [„Stadt Gottes“]“); knapp ein Drittel von ihnen wurde inzwischen durch Sicherheitskräfte „befriedet“. Um der vielfältigen Probleme innerhalb der Favelas Herr zu werden, hat die Stadtplanung Anfang der 1990er-Jahre damit begonnen, irreguläre Siedlungen nicht mehr abzureißen, wie lange Zeit üblich, sondern die Lebensbedingungen dort zu verbessern. Fast alle Marginalviertel verfügen inzwischen über eine Basisinfrastruktur aus Wasserversorgung, Abwasserleitungen, Müllabfuhr, Stromversorgung und Schulen. Die Kriminalitätsrate ist deutlich zurückgegangen – allerdings von einem extrem hohen Niveau. Es gibt sogar mancherorts erste organisierte Führungen für Touristen sowie Hotels. Trotzdem gibt es in den Favelas noch zahlreiche Mängel und Schwierigkeiten. Ein ungelöstes Problem ist bis heute, dass die kriminellen Banden in einigen Favelas soziale Funktionen übernehmen und sich dadurch Rückhalt in der benachteiligten Bevölkerung verschaffen. Die Wohnquartiere der Privilegierten befinden sich, wie nicht anders zu erwarten, in den schönsten, von gefährlichen Hangrutschungen nicht bedrohten Lagen entlang der Küste, insbesondere in der „Zona sul“ mit den Wohnvierteln Copacabana, Ipanema, Leblon und Barra da Tijuca. Dabei lässt sich eine deutliche sozialräumliche Verlagerung erkennen. War in den 1950er-Jahren Copacabana das teuerste Wohnviertel, so galt dies in den 1960er-Jahren für Ipanema und Leblon, während sich an den 1970er-Jahren Barra de Tijuca zu einem Viertel der Reichen entwickelte. In den letzten Jahrzehnten hat sich die Oberschicht verstärkt in bewachte Wohnkomplexe, sogenannte Condominios, zurückgezogen, in denen sich die Bewohner durch Absperrungen, privates Sicherheitspersonal und Kameraüberwachung von der übrigen Gesellschaft separieren (siehe Karte 159.4 „Rio de Janeiro – Wohnviertel, Condominio Jardim Ibiza / Wimbledon Park“). Diese allgemein als Gated Communities bezeichneten Wohnanlagen, von denen es in Rio knapp 20 gibt, haben sich in den letzten Jahrzehnten zu einem typischen Merkmal von Großstädten in Schwellenländern mit ausgeprägten sozialen Gegensätzen entwickelt.

Lebendige Karte

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