Rheinisch-Westfälisches Industriegebiet 2007

Rheinisch-Westfälisches Industriegebiet

100750 | Seite 30 | Abb. 2 | Maßstab 1 : 500.000
Rheinisch-Westfälisches Industriegebiet 2007 |  | Rheinisch-Westfälisches Industriegebiet | Karte 30/2

Überblick


Das Rheinisch-Westfälische Industriegebiet ist der größte Ballungsraum in Deutschland und Europa. Zwischen Köln und Wesel sowie Moers und Hamm leben allein mehr als 10 Millionen Menschen.
Die Rheinschiene (Köln – Düsseldorf – Duisburg – Wesel), die Ruhrschiene (Duisburg – Dortmund) und die Linie von Köln über Wuppertal bis ins östliche Ruhrgebiet sind die räumlichen Schwerpunkte. Entlang dieser Linien konzentriert sich die Industrie-, Siedlungs- und Verkehrsentwicklung.
Im Gegensatz dazu ist die Industrie in den Gebieten des Bergischen Landes und des westlichen Sauerlandes eher verstreut. Einen Gegenpol zum Ruhrgebiet bilden auch die linksrheinischen Gebiete sowie die Ausläufer des Münsterlandes mit ihren fruchtbaren Böden. Dort liegt der Schwerpunkt eher auf einer landwirtschaftlichen Nutzung.

Wirtschaftliche Konzentration und ihre Folgen
Die Rhein-Ruhr-Region ist wirtschaftlich in einigen Bereichen dominierend: Abbau von Stein- und Braunkohle, Eisen- und Stahlerzeugung, Stromerzeugung aus Steinkohle- und Braunkohlekraftwerken. In vielen anderen Bereichen, wie der Metallverarbeitung, dem Maschinenbau, der Chemie und der Elektrotechnik ist sie beteiligt.
Die Region trägt aber auch die negativen Folgen der Konzentration von Industrie und Siedlung, die sich in Problemen bei der Wasserversorgung und -entsorgung, in Gestalt von Luftverschmutzung und dem allgemeinen Landschaftsverbrauch für Siedlung, Industrie und Verkehr manifestieren.

Wandel im Ruhrgebiet
Seit der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts vollzieht sich im Ruhrgebiet ein tiefgreifender Strukturwandel. Die jahrelange Konzentration auf den Bergbau und die Eisen- und Stahlindustrie hat angesichts knapper werdender Ressourcen und einem wachsenden internationalen Konkurrenzdruck dazu geführt.
Die strukturellen Veränderungen im Rheinisch-Westfälischen Industriegebiet lassen sich auf der Karte deutlich erkennen. Heute findet der Steinkohlenabbau fast nur noch in wenigen Zechen in den nördlichen Randzonen des Ruhrgebietes statt. Die stillgelegten Zechen übertreffen diese zahlenmäßig bei Weitem.

Neue Aufgabe, neues Image
Neben dem Bergbau und der Industrie hat sich das Ruhrgebiet auch als Standort für Dienstleistungen, für die Forschung und Informations- und Kommunikationsbranche einen Namen gemacht. Der Strukturwandel ist nahezu abgeschlossen. Das Ruhrgebiet präsentiert sich neu: ehemalige Zechen wurden zu Kulturstädten oder Parklandschaften umfunktioniert.
E. Michel, J. Seibel

Info Plus

Trotz der ab 1958 einsetzenden Kohlenkrise und der langjährigen Stahlkrise ab 1975 ist das Rheinisch-Westfälische Industriegebiet nach wie vor die größte und am dichtesten besiedelte Industrielandschaft des Kontinents. Es ist im Wesentlichen identisch mit dem Verdichtungsraum Rhein-Ruhr. Zwischen Köln und Wesel sowie Moers und Hamm leben auf nur 2,5 Prozent der Fläche Deutschlands mehr als 10 Mio. Menschen, die etwa 20 Prozent des nationalen Bruttosozialproduktes erwirtschaften.
Natur- und kulturgeographische Leitlinien bestimmen das Kartenbild: die Rheinschiene (Köln — Düsseldorf — Duisburg — Wesel), die Ruhrschiene (Duisburg — Dortmund) und die wirtschaftsgeschichtlich älteste Linie von Köln über Wuppertal ins östliche Ruhrgebiet. Diesen Linien folgte und folgt die Industrie-, Siedlungs- und Verkehrsentwicklung. Dazu im Kontrast stehen die Gebiete des Bergischen Landes und des westlichen Sauerlandes, wo die Siedlungs- und Industrieentwicklung in der Regel eher punktuell ist oder linienhaft den Flusstälern folgt. Einen Gegenpol zum Ruhrgebiet bilden auch der Raum links des Niederrheins mit seinen fruchtbaren und intensiv landwirtschaftlich genutzten Böden sowie die Ausläufer der Münsterländer Bucht.

Wirtschaftliche Konzentration und ihre Folgen
Die Rhein-Ruhr-Region ist an der industriellen Wertschöpfung in Deutschland in einigen Bereichen dominierend (Abbau von Stein- und Braunkohle, Eisen- und Stahlerzeugung, Stromerzeugung aus Steinkohle- und Braunkohlekraftwerken), in vielen anderen Sektoren wie der Metallverarbeitung, dem Maschinenbau, der Chemie, der Elektrotechnik sowie in der verbraucherorientierten Textil- und Nahrungsmittelindustrie überproportional beteiligt. Die Region trägt aber auch die negativen Folgen der Konzentration von Industrie und Siedlung, die sich in Problemen bei der Wasserversorgung und -entsorgung, in Gestalt von Luftverschmutzung und dem allgemeinen Landschaftsverbrauch für Siedlung, Industrie und Verkehr manifestieren.

Ausstieg aus dem Steinkohlenbergbau
Während die Rheinschiene in der Nachkriegszeit in Bereichen wie der Chemie- und Kunststoffindustrie eine relativ kontinuierliche Entwicklung erlebte, musste sich das Ruhrgebiet infolge der Konzentration auf Bergbau, Eisen- und Stahlindustrie in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts einem tief greifenden wirtschaftlichen Strukturwandel stellen. Dieser Anpassungsprozess dauert bis heute an, weil die einstigen Schlüsselindustrien, Steinkohlenbergbau und Stahlerzeugung, permanent an Bedeutung verlieren.
Die durch den Niedergang von Steinkohlenbergbau und Stahlerzeugung bedingten strukturellen Veränderungen im Rheinisch-Westfälischen Industriegebiet lassen sich auf der Karte deutlich erkennen. Heute findet der Bergbau fast nur noch in den nördlichen Randzonen des Ruhrgebietes statt; aus seinen einstigen Hochburgen, dem Hellweg und der Ruhrregion, ist er seit Jahren völlig verschwunden. 2006 gab es noch sechs fördernde Bergwerke oder Verbundbergwerke; bei den Letzteren handelt es sich in der Regel um technische und organisatorische Zwischenstadien vor der endgültigen Stilllegung einer Anlage. In ihnen wurden insgesamt noch rund 21 Mio. Tonnen Steinkohle gefördert (2005: 25 Mio. Tonnen), ausschließlich für den deutschen Markt.
Kokereien zur Erzeugung von Koks und Kokereigas gibt es heute nur noch in Bottrop und Duisburg. In Dortmund hat die Westfalenhütte ihren letzten Hochofen 2001 stillgelegt. Damit verbleiben nur in Duisburg Standorte der Roheisenerzeugung.
E. Michel

Graphiken

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Konzentration der Stahlproduktion im Ruhrgebiet 1964-2004

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Roheisenproduktion in Duisburg und Dortmund

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Bruttowertschöpfung im Ruhrgebiet (1980-2005)

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Beschäftigte nach Wirtschaftssektoren im RVR

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Gebiet des Regionalverbandes Ruhr (RVR)

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Beschäftigte im Montanbereich der RVR

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Verflechtung der Stahlindustrie

Durch Produktionsverbünde versuchen die einzelnen Teilnehmer Vorteile durch gemeinsame Nutzung von Ressourcen zu erreichen oder Nachteile, wie z.B. mehrfach energieaufwendiges Erhitzen, zu vermeiden.
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Wandel bei den Standortfaktoren der Eisen- und Stahlindustrie

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