Rhein-Main - Wirtschaft

Dienstleistungsregion Rhein-Main

978-3-14-100803-6 | Seite 44 | Abb. 1 | Maßstab 1 : 500.000
Rhein-Main | Wirtschaft | Dienstleistungsregion Rhein-Main | Karte 44/1

Überblick

Als Rhein-Main-Region bezeichnet man das Gebiet, das sich vom Rhein mit den Städten Bingen, Mainz und Wiesbaden im Westen bis nach Aschaffenburg im Osten und von Gießen im Norden bis südlich von Darmstadt erstreckt. Das innere Zentrum bildet das Städtedreieck Frankfurt/Main – Offenbach – Darmstadt.

Das Rhein-Main-Gebiet hat sich im Laufe der letzten Jahrzehnte zu einem Wirtschaftsstandort von internationalem Format und einem Drehkreuz des globalen Verkehrs entwickelt. Begleitet wurde diese Entwicklung von einem strukturellen Wandel, der sich in einem beständigen Beschäftigungsrückgang im sekundären Sektor zugunsten des tertiären Sektors manifestierte. Standorte wie Rüsselsheim und Höchst (s. 45.4) zeigen jedoch die nach wie vor hohe Bedeutung der Industrie für die Region.

Geographische Lage und Landwirtschaft

Das Rhein-Main-Gebiet liegt im nördlichen Teil des Oberrheinischen Tieflands (s. 26/27), das wegen Klimas und Bodenbeschaffenheit als Gunstraum gilt. Somit sind Wälder und verschiedene landwirtschaftliche Nutzungen vorzufinden. Obwohl die Landwirtschaft heute hinsichtlich Beschäftigung und Wirtschaftsleistung keine bedeutende Rolle mehr spielt, hat insbesondere der Sonderkulturanbau am Südhang des Taunus, westlich von Mainz/Wiesbaden und im Ried bei Darmstadt lokal große Bedeutung. Die Kulturlandschaft Rheingau ist beispielsweise ein wichtiges deutsches Weinanbaugebiet. Die günstigen klimatischen Bedingungen, exponierte Hanglagen und geeignete Böden begünstigen den Anbau.

Zum regionalen Verkehr

Einer der wichtigsten Standortvorteile des Rhein-Main-Gebiets ist die zentrale Lage in Deutschland und im Herzen der europäischen Union. In der Region hat sich ein weitverzweigtes Nahverkehrs- und Autobahnnetz mit hoher Verkehrsdichte entwickelt. Ein Verbundsystem im öffentlichen Personennahverkehr, der Rhein-Main-Verkehrsverbund (RMV), vereinigt die verschiedenen Verkehrsträger in einem Tarifsystem und trägt den weiträumigen polyzentralen Verflechtungen des Rhein-Main-Gebietes Rechnung. Der öffentliche Personennahverkehr (ÖPNV) stellt schnelle Verbindungen innerhalb Frankfurts sowie vom Zentrum Frankfurts bis Limburg im Westen, bis ins Hinterland Marburgs im Norden und bis in den Raum Darmstadt/Bergstraße im Süden bereit. Die Karte zeigt dies anhand der Reisezeiten mit der S-Bahn zum Hauptbahnhof Frankfurt/Main.

Die gute Erreichbarkeit der Städte ist Voraussetzung für Pendlerbewegungen in der Region. Viele Menschen leben in den Orten des Umlands (s. 76.2), und arbeiten in Dienstleistungsbetrieben. Dabei sind nicht nur die Innenstadt von Frankfurt/Main oder der Flughafen (größte Arbeitsstätte in Deutschland) Pendlerziele, sondern auch die anderen Großstädte und kleinere Städte wie Bad Homburg, Neu-Isenburg oder Groß-Gerau. Hier zeigt sich eine polyzentrische Raumstruktur.

Mehr anzeigen

Industrie und Dienstleistungen

Die Rhein-Main-Region zählt heute zu den wirtschaftsstärksten Regionen in Deutschland und Europa. Im Gebiet der Metropolregion Frankfurt/Rhein-Main (s. 72.2) leben rund 5,5 Mio. Menschen. Das BIP pro Kopf ist im bundesweiten Vergleich mit rund 40 000 Euro pro Jahr überdurchschnittlich hoch (vgl. 70.1).

Politisch, wirtschaftlich und kulturell wird die Region vor allem durch die Finanzmetropole Frankfurt/Main, die Wissenschaftsstadt Darmstadt, das industriell geprägte Offenbach und die hessische Landeshauptstadt Wiesbaden geprägt. Die Entwicklung der Region zu einem bedeutenden Industriestandort begann Mitte des 19. Jahrhunderts. Während in den letzten Jahrzehnten die Bedeutung der Industrie beständig abnahm, erlebte der tertiäre Wirtschaftssektor einen Aufschwung. Leitbranchen sind heute Consulting, Finanzwirtschaft, Logistik und Verkehr, Informations- und Kommunikationstechnologie sowie Kultur- und Kreativwirtschaft. Im Zuge der weltweiten Verflechtung der Märkte entwickelte sich die Rhein-Main-Region zu einem europäischen Knoten- und Verteilerpunkt im internationalen Handelsverkehr (s. 45.3).

Einige industrielle Ansiedlungen sind heute ungeachtet des sektoralen Wandels wichtige Ankerstandorte in der Region. Dazu zählen:

• die chemische und insbesondere die Pharmaindustrie (z. B. Industriepark Höchst, u. a. mit Sanofi-Aventis (siehe 45.2)

• die Automobilindustrie (z. B. Opel in Rüsselsheim),

• die Gummiindustrie (z. B. Dunlop in Hanau) und

• die Zementindustrie (z. B. Dyckerhoff in Wiesbaden).

Neben diesen Unternehmen aus traditionellen Branchen haben sich in den letzten Jahren zahlreiche Firmen aus dem Bereich der Bio- und Nanotechnologie, der Informations- und Kommunikationstechnologie sowie der Messtechnik und Elektronik angesiedelt. Einige Unternehmen haben im Rhein-Main-Gebiet bedeutende neue Standorte gegründet.

Mehr anzeigen

Graphiken

Bild

Bodenpreise in Frankfurt

Download