Religionen

Erde – Menschheit

978-3-14-100782-4 | Seite 189 | Abb. 3 | Maßstab 1 : 140.000.000
Religionen |  | Erde – Menschheit | Karte 189/3

Informationen

Das Christentum hat sich im Laufe von Jahrhunderten über alle fünf Kontinente verbreitet. Etwa 2,05 Mrd. Menschen bekennen sich heute zur größten unter den Weltreligionen, also knapp ein Drittel der Weltbevölkerung.

Religionen weltweit
Eine unangefochtene Vormachtstellung hat das Christentum vor allem in Europa und auf dem amerikanischen Kontinent, in dessen Norden und Süden sich auch noch einige Naturreligionen erhalten haben, allerdings nur in extrem dünn besiedelten und noch nicht industrialisierten Rückzugsregionen. In Afrika südlich der Sahara finden sich verstreut protestantische und katholische Mehrheiten, mit Schwerpunkt im Süden und Westen. Auf dem asiatischen Kontinent ist das Christentum vor allem durch die Orthodoxen und Orientalen Russlands und durch die überwiegend katholischen Philippinen vertreten. In Indonesien bekennen sich fast 20 Mio. Menschen zum christlichen Glauben, überwiegend zum Protestantismus. In Australien stellen, ähnlich wie in Neuseeland, die nahezu gleich großen Glaubensgruppen der Anglikaner und Katholiken gemeinsam mit orthodoxen Christen etwas mehr als die Hälfte der Bevölkerung.
Der Islam hat das bedeutende Ausbreitungsgebiet, welches er vor allem im 7. und 8. Jahrhundert erobert hat, in alle vier Himmelsrichtungen erweitert und insbesondere in Süd- und Südostasien, namentlich in Indonesien, Pakistan, Bangladesch und Indien, sowie in der Nordhälfte und an der Ostküste Afrikas eine große Zahl von Anhängern gefunden. Im Norden bildet Russland die Grenze seines Ausbreitungsgebiets. Auf dem europäischen Kontinent finden sich muslimische Mehrheiten einzig in der Türkei und in Albanien, größere Minderheiten bilden die Muslime in Bosnien und Herzegowina, Makedonien und Bulgarien.
Die größte Zahl bekennender Juden lebt seit dem Ende der fast zwei Jahrtausende andauernden Diaspora in Israel. Darüber hinaus finden sich nahezu weltweit, vor allem in den USA, kleinere oder größere jüdische Gemeinden; die bedeutendsten sind diejenigen von New York, Chicago und San Francisco.
Der Buddhismus, insbesondere der zu Beginn der christlichen Zeitrechnung entstandene Mahayana-Buddhismus und der auch als Tibetanischer Buddhismus bezeichnete Lamaismus unter dem Oberhaupt des Dalai Lama, hat sich vor allem in Ostasien ausgebreitet, insbesondere in weiten Teilen Chinas, in Myanmar (Birma), Laos, Thailand, Kambodscha und Vietnam.
Der aus der Vedischen Religion hervorgegangene und eng mit dem indischen Kastenwesen verbundene Hinduismus zählt in Indien etwa 890 Mio. Anhänger. Sehr viel kleiner ist die Zahl der Sikhs, einer im 15. Jahrhundert gegründeten Religionsgemeinschaft, in deren Lehre sich Elemente des Hinduismus mit solchen des Islam vermengen. Die rund 23 Mio. Anhänger dieser religiösen Reformbewegung leben zu großen Teilen im indischen Bundesstaat Punjab und in verstreuten Gemeinden vor allem in Nordamerika, Großbritannien und auf den Philippinen.
Naturreligionen gibt es mit Ausnahme des europäischen Kontinents weltweit. Überwiegend findet man sie in Landstrichen, die überdurchschnittlich dünn besiedelt sind und in denen die geographische Randlage, klimatische Ungunst oder politische Konflikte die Entstehung moderner Produktionsformen und eines entsprechenden gesellschaftlichen Reichtums verhindert haben. Auf Naturreligionen trifft man unter anderem in den letzten verbliebenen Rückzugsgebieten Südamerikas, auf Höhe des nördlichen Polarkreises, in Ozeanien, den inneren Regionen Australiens und in der südlichen Hälfte Afrikas.
Die Karte bietet einen Überblick über die Verbreitung der verschiedenen Religionen auf der Erde und über ihre Dominanz in bestimmten Erdteilen. Eine kartographische Darstellung der Religions- und Konfessionszugehörigkeiten führt jedoch unweigerlich zu gewissen Verzerrungen. So liefert etwa die regionale Verbreitung einer Religion aufgrund der sehr unterschiedlichen Bevölkerungsdichte kaum stichhaltige Hinweise auf ihre reale gesellschaftliche Bedeutung. Andererseits können in der schematischen Darstellung riesige religiöse Minderheiten gleichsam verloren gehen, wie etwa die fast 140 Mio. Muslime in Indien. Auch die große Zahl der Konfessionslosen, die etwa in Russland nach 74 Jahren Staatsatheismus nicht unbedeutend ist, muss in der Grafik unberücksichtigt bleiben.
Doch ungeachtet der unumgänglichen Generalisierungen und der gerade in diesem Bereich relativ unsicheren Daten, kann die kartographische Darstellung Anhaltspunkte für die Ausbreitung der verschiedenen Religionen geben. Durch die Kenntnis der in einem Weltteil dominanten Religion lassen sich dann wichtige Rückschlüsse auf die Genese einer Kulturlandschaft und die Art der in ihr wirkenden Kräfte ziehen.
K. Lückemeier