Region Stuttgart - Beschäftigungswandel - 1980

Metropolregion Stuttgart

978-3-14-100803-6 | Seite 48 | Abb. 1 | Maßstab 1 : 1.000.000
Region Stuttgart | Beschäftigungswandel | Metropolregion Stuttgart | Karte 48/1

Überblick

Die Region Stuttgart nimmt unter den Verdichtungsräumen Deutschlands eine gewisse Sonderstellung ein. Der hohe Stellenwert der Industrie und deren ausgeprägte Exportorientierung machen die Region zu einem der wichtigsten Wirtschaftsräume in Europa.

Industrieentwicklung bis 1980

Die industrielle Entwicklung Württembergs stand zu Beginn des Industriezeitalters unter schlechten Vorzeichen. Es gab kaum eigene Rohstoffe, wenig Energieressourcen und keine bedeutenden Wasserwege.

Die wohl bedeutendsten Weichenstellungen für die spätere industrielle Entwicklung der Region waren die Firmengründungen von Bosch 1886 und Daimler 1890. In der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts entstanden Standorte des Maschinen- und Fahrzeugbaus in Stuttgart, Esslingen, Sindelfingen, Böblingen und Göppingen. Außerdem gab es in der Region eine breit gefächerte Leder-, Textil- und Bekleidungsindustrie und eine nicht unerhebliche Metallindustrie. Im Bereich Elektrotechnik gab es in Stuttgart bereits mehrere tausend Beschäftigte. Andere Industriezweige wie die chemische Industrie oder das Holz-, Papier- und Druckgewerbe waren punktuell vertreten.

Nach 1945 kam es nicht nur zu einer Verdichtung des bestehenden Raummusters, es entstanden auch viele neue Standorte, vor allem im Nordwesten, Westen und Süden von Stuttgart. Die Nachfrage nach Industriegütern in der Zeit des Wiederaufbaus und die Gründung der Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft 1958 gaben tragfähige Wachstumsimpulse. Durch die rasche Expansion machte sich in Stuttgart, aber auch in anderen Städten zunehmend Flächenmangel bemerkbar. Dies führte ab 1955 verstärkt zu Teil- und Totalverlagerungen von Unternehmen, allerdings spielten sich drei Viertel der Verlagerungen innerhalb eines Radius von 25 Kilometern ab. Es entstand eine Vielzahl kleinerer Industriestandorte innerhalb des Verdichtungsraums. Bereits Mitte der 1960er-Jahre gab es in der Region rund 200 Zweigwerke Stuttgarter Unternehmen, die etwa 50 000 Arbeitnehmer beschäftigten.

Gleichzeitig vollzog sich ein Wandel in der Branchenstruktur. Motor war dabei die boomende Automobilindustrie mit den in Stuttgart ansässigen Firmen Daimler-Benz und Porsche. Sie dominierte 1980 zusammen mit dem Maschinenbau und der Elektrotechnik die Wirtschaftsstruktur. 1980 arbeiteten 17,5 Prozent der Industriebeschäftigten im Maschinenbau, 16,4 Prozent in der Elektrotechnik / Elektronik und 14,1 Prozent im Fahrzeugbau. Der Anteil traditioneller Industrien wie der Leder-, Textil- und Bekleidungsbranche war bereits auf 9,1 Prozent gefallen.

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Die Region Stuttgart 2012

Trotz verschiedener Krisen erwiesen sich neben den Großbetrieben auch viele kleine und mittlere Unternehmen der Region als ausgesprochen wettbewerbsfähig. Im Kartenbild lassen sich dennoch tief greifende Umbrüche erkennen – unter anderem am allgemeinen Rückgang der Beschäftigtenzahlen im produzierenden Gewerbe, das heute nur noch gut ein Fünftel der Beschäftigten umfasst (s.70.1), während rund 80 Prozent in der Dienstleistungsbranche tätig sind. An Standorten wie Backnang, Winnenden, Schorndorf und Geislingen ist der Rückgang besonders augenfällig. Hier zeigt sich eine Tendenz der Reduzierung der Zahl der bedeutsamen Industriestandorte.

Durch Firmenkonzentrationen und Rationalisierungsprozesse ist die Zahl der Betriebe im produzierenden Gewerbe in der Region kontinuierlich gesunken: Allein in den Jahren zwischen 1995 und 2005 gingen dem Stuttgarter Raum mehr als 40 000 Arbeitsplätze verloren. Im gleichen Zeitraum stieg der Gesamtumsatz im verarbeitenden Gewerbe von jährlich 56 Mrd. Euro auf mehr als 82 Mrd. Euro, wobei die Zugewinne nahezu vollständig aus stark verbesserten Auslandsumsätzen resultierten.

Hinsichtlich der Verteilung nach Wirtschaftszweigen waren im Jahr 2012 Maschinenbau und Fahrzeugbau nach wie vor führend, die Elektrotechnik / Elektronik war dagegen zurückgefallen. Das traditionsreiche Textilgewerbe war bedeutungslos. Die Diagramme zeigen damit auch, dass die Branchenstruktur 2012 weniger vielfältig war als noch 1980. Der Fahrzeugbau dominiert Orte wie Sindelfingen, Stuttgart und Esslingen. Zumindest für Teilräume muss fast von einer Monostruktur gesprochen werden.

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