Rechterfeld - Veredelungsbetriebe

Deutschland – Landwirtschaft

100750 | Seite 43 | Abb. 3 | Maßstab 1 : 25.000
Rechterfeld | Veredelungsbetriebe | Deutschland – Landwirtschaft | Karte 43/3

Informationen

Die Entwicklung des Oldenburger Münsterlandes mit den Landkreisen Vechta und Cloppenburg zu einem der dynamischsten Agrarwirtschaftsräume in Deutschland und ganz Europa lässt sich auf kleinräumiger Maßstabsebene sehr gut nachvollziehen. Die Bauernschaft Rechterfeld in der Gemeinde Visbek illustriert exemplarisch den in den letzten Jahrzehnten abgelaufenen Strukturwandel in der Veredlungswirtschaft, die das Rückgrat der Intensivlandwirtschaft im Oldenburger Münsterland bildet. Charakteristisch ist das Nebeneinander von im Wesentlich zwei typischen Betriebsstrukturen: Zum einen gibt es in Rechterfeld eine Reihe vornehmlich auf die Schweinemast spezialisierter bäuerlicher Familienbetriebe, darunter einige in traditioneller Ortslage. Zum anderen ist die Bauernschaft Standort eines bedeutenden Großunternehmens im Bereich der Legehennen- und Masthühnerhaltung. Charakteristisch für dessen Betriebsstruktur ist die Vertragshaltung von Geflügel, durch die sich diverse bäuerliche Betriebe an das Großunternehmen gebunden und dadurch faktisch ihre "Selbstständigkeit" aufgegeben haben. Inzwischen hat das Großunternehmen seine Produktionspalette auf den Bereich der Pilzzucht ausgedehnt; diese erfolgt auf der Basis der in der Geflügelhaltung anfallenden Abfallstoffe, die in einer Kompostierungsanlage aufbereitet werden. Als vertikal integrierter Industriebetrieb, der vom Futtermittelwerk bis zur Vermarktung der Endprodukte alle Zweige der Produktion und Distribution unter einem Dach vereinigt, steht der in Rechterfeld beheimatete Großbetrieb exemplarisch für eine Entwicklung, die treffend als Industrialisierung der Agrarwirtschaft bezeichnet worden ist.
Nachhaltige Auswirkungen hatten diese Entwicklungen auf die Struktur der Bodennutzung, die in den vergangenen Jahrzehnten einen einschneidenden Wandel erfahren hat. Die traditionell angebauten Getreidearten und Hackfrüchte haben stark an Bedeutung verloren. Dagegen steht heute der Anbau von Futtergetreide im Vordergrund. Insbesondere dem Mais kommt dabei eine wichtige Stellung zu, da er große Mengen des in der Großbestandshaltung anfallenden Flüssigmists verträgt.
Zwangsläufig sind mit den aufgezeigten Prozessen der Konzentration auch Probleme verbunden. So ist es infolge der beispiellosen Massierung von Nutztieren in der Region zu einer Reihe ernst zu nehmender Umweltprobleme gekommen, etwa zur Belastung des Grundwassers durch überhöhte Nitratwerte, zu Ammoniakemissionen, Geruchsbelästigungen, der Ausräumung der Landschaft usw. Vermehrt werden die anfallenden Abfallstoffe heute zur Energiegewinnung herangezogen, wie sich unter anderem an der Errichtung von Biogasanlagen erkennen lässt. Gleichwohl ist fraglich, ob sich die ökologischen Probleme der Intensivlandwirtschaft allein durch technische Anlagen zur Be- und Verarbeitung von Gülle werden bewältigen lassen.
I. Mose

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Produktionsverbund in einem vertikal intergrierten Unternehmen in Südoldenburg

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