Reale Vegetation

Erde - reale Vegetation/Landnutzung

978-3-14-100700-8 | Seite 238 | Abb. 1 | Maßstab 1 : 90.000.000
Reale Vegetation |  | Erde - reale Vegetation/Landnutzung | Karte 238/1

Überblick


In der Tundra, der Waldtundra und dem nördlichen (borealen) Nadelwald auf der Nordhalbkugel sind die klimatischen Bedingungen für die Schaffung von Kulturland durch den Menschen eher ungünstig.
Allenfalls ist dort zum Teil ein Anbau von Roggen und Kartoffeln möglich. Demgegenüber steht die forstwirtschaftliche Nutzung und Abholzung des borealen Nadelwaldes, die in einigen Gebieten stark zugenommen hat. In Westsibirien hängt dies mit der Öl- und Gasförderung zusammen.

Die mittleren Breiten
Am stärksten ist die natürliche Vegetation in den mittleren Breiten zurückgedrängt worden. Sowohl in den östlichen USA als auch in Europa, Westasien und China ist das deutlich zu erkennen. In dieser Zone gibt es ausreichend Wärme und Feuchtigkeit, um neben Getreide auch eine Vielzahl von Obst- und Gemüsearten anbauen zu können. Im Bereich der feuchteren Steppen werden beispielsweise Weizen, Mais und Baumwolle angebaut.
Kulturland gibt es auch in der Zone der Hartlaubgehölze in den subtropischen Winterregengebieten wie Kalifornien und dem Mittelmeerraum. Gleiches gilt für die an den Ostseiten der Kontinente unter Monsuneinfluss liegenden subtropischen Feuchtwälder in Südchina, Florida oder Brasilien. Diese Zone wird bevorzugt für den Anbau von Getreide, verschiedenen Zitrusfrüchten, Wein, Oliven und Gemüse genutzt.

Von der Wüste in die Tropen
In den Wüsten herrscht ein sehr trockenes Klima, weshalb dort auch nur an wenigen Stellen etwas wächst. Meistens sind es Sträucher, Gräser und besonders tiefwurzelnde Bäume, die ein hohes Maß an Trockenheit vertragen können.
In den wechselfeuchten Tropen sind die Voraussetzungen für die Landwirtschaft trotz abnehmender Niederschläge günstig. So werden im Bereich der Savannen etwa Nutzpflanzen wie Mais, Hirse, Erdnüsse und Baumwolle angebaut. Diese Pflanzen gedeihen auch in niederschlagsarmen Regionen.
Die Temperatur- und Niederschlagsverhältnisse der tropischen Zone am Äquator ermöglichen den Anbau von wärme- und feuchtigkeitsliebenden Nutzpflanzen. Dazu gehören Bananen, Ananas, Kakao und Kaffee. Die dortigen Regenwälder sind jedoch sehr durch Abholzung bedroht. In Amazonien geht es um die Ausweitung der Anbauflächen für Soja und Zuckerrohr. In Südostasien fallen die letzten Naturwälder für die Schaffung von Palmölplantagen. Palmöl wird unter anderem in der Herstellung von Lebensmitteln und Biokraftstoff verwendet.

W. Klohn, J. Seibel

Info Plus

In der Zone der Tundra, der Waldtundra und des borealen Nadelwaldes auf der Nordhalbkugel sind aufgrund der klimatischen Gegebenheiten — der kurzen Vegetationsperiode, der Permafrostböden und der in dieser Region verlaufenden Getreide-Anbaugrenze — bislang nur vergleichsweise geringe menschliche Eingriffe durch Rodungen und Anlage von Kulturland zu verzeichnen. Die Klimaverhältnisse der Nadelwaldzone schränken den Anbau von Nutzpflanzen erheblich ein, allenfalls partiell ist ein Anbau von Roggen und Kartoffeln möglich. Im Bereich der baumlosen Tundra kann nur eine extensive Rentierhaltung betrieben werden.
Zugenommen hat allerdings die forstwirtschaftliche Inwertsetzung des borealen Nadelwaldes. Während die Karte noch große zusammenhängende Waldgebiete aufweist, ist der selektive Einschlag in einigen Regionen, etwa um den Baikalsee, bereits so weit fortgeschritten, dass die Entwaldung und Umwandlung der Wälder bedenkliche Ausmaße angenommen hat. In Westsibirien steht die Entwaldung im Zusammenhang mit der Öl- und Gasförderung.
Am stärksten ist die natürliche Vegetation in den mittleren Breiten zugunsten des Kulturlandes zurückgedrängt worden, insbesondere in der Zone der sommergrünen Laub- und Mischwälder und der feuchteren Steppen. Deutlich zu erkennen ist das sowohl in den östlichen USA als auch in Europa, Westasien und China. In dieser Zone gibt es ausreichend Wärme und Feuchtigkeit, um neben Getreide auch eine Vielzahl von Obst- und Gemüsearten anbauen zu können. Lediglich Teilräume wie die Appalachen in den USA oder die Alpen in Europa sind aufgrund ihres Reliefs von der großflächigen Umgestaltung lange Zeit ausgespart worden. Doch auch hier hat die touristische Erschließung in den letzten Jahrzehnten zu weiträumigen Eingriffen in die natürliche Vegetation und Landschaft geführt (vgl. 102/103). Im Bereich der feuchteren Steppen wird neben Weizen, Mais und Sonnenblumen, sofern die Temperaturen ausreichen, auch Baumwolle kultiviert.
Eine starke Umformung zu Kulturland hat auch die Zone der Hartlaubgehölze in den subtropischen Winterregengebieten wie Kalifornien und dem Mittelmeerraum erfahren. Gleiches gilt für die an den Ostseiten der Kontinente unter Monsuneinfluss liegenden subtropischen Feuchtwälder in Südchina, Florida oder Brasilien. Diese Zone wird bevorzugt für den Anbau von Getreide, verschiedenen Zitrusfrüchten, Wein, Oliven und Gemüse genutzt.
Die xeromorphen Strauchformationen der trockenen Steppen lassen nur eine Weidewirtschaft zu, können aber aufgrund ihrer Niederschlagsarmut kaum für den Ackerbau genutzt werden. Erschwerend hinzu kommt hier die starke Variabilität der Niederschläge, die immer wieder während ganzer Perioden zur Unterschreitung der für den Anbau notwendigen Niederschlagsmengen führt. Infolge menschlicher Übernutzungen haben sich die Halbwüsten und Wüsten in den letzten Jahrzehnten auf Kosten der Dornstrauchsavannen immer weiter ausgeweitet (vgl. 235.3).
Eine landwirtschaftliche Nutzung der Wüsten und Halbwüsten ist nur räumlich sehr begrenzt in Oasen möglich. Von wenigen kleinräumigen Kulturen abgesehen, ist die Verbreitung der Dattelpalme im Wesentlichen auf solche Oasen beschränkt, da die Pflanze am besten gedeiht, wenn sie "mit den Füßen im Wasser und mit dem Kopf in brennender Sonne" steht. Genutzt werden sowohl die Früchte als auch die Stämme der Palmen, die als Nutz- und Brennholz dienen.
Die Temperatur- und Niederschlagsverhältnisse im Bereich des Äquators ermöglichen den Anbau von besonders wärme- und feuchtigkeitsliebenden Nutzpflanzen wie Bananen, Ananas, Kakao und Kaffee. Die tropischen Regenwälder wurden in den letzten fünf Jahrzehnten in besorgniserregendem Maße dezimiert, um Holz zu gewinnen, neue Bodenschätze zu erschließen oder um Flächen für Acker- und Weideland zu schaffen (vgl. 219). In Amazonien spielte dabei in jüngster Zeit die Ausweitung der Anbauflächen für Soja und Zuckerrohr eine entscheidende Rolle, in Südostasien fallen die letzten Naturwälder vor allem Palmölplantagen für die Herstellung von Biokraftstoffen zum Opfer. Die ökologischen Folgen für die Pflanzen- und Tierwelt, nicht zuletzt auch für die Böden, sind schon heute in einigen Regionen dramatisch. Auch die Folgen für das Weltklima werden als sehr bedenklich eingestuft.
In den wechselfeuchten Tropen sind die Voraussetzungen für die Landwirtschaft trotz abnehmender Niederschläge günstig. Bei den Anbauprodukten überwiegen trockenresistentere Pflanzenarten. So werden im Bereich der Savannen etwa Mais, Hirse, Erdnüsse und Baumwolle angebaut. Mit zunehmender Trockenheit spielt die Viehhaltung eine immer größere Rolle.
W. Klohn

Graphiken

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Die Ausdehnung der Landnutzung

Die weltweite landwirtschaftliche Nutzfläche kann nur noch wenig ausgedehnt werden. Sie ist durch ganzjährige Dauer- oder jahreszeitlich wechselnden Jahreszeitenfeldbau, sowie durch extensive Weide- und Waldnutzung differenziert.
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Die geoökologischen Zonen

De Karte zeigt die Landschaftszonen und Landschaftssubzonen der Erde, die auch als Geoökologische Zonen bezeichnet werden.
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