Raumordnung

Raumordnung

978-3-14-100753-4 | Seite 8 | Abb. 2 | Maßstab 1 : 1.750.000
Raumordnung |  | Raumordnung | Karte 8/2

Informationen

Das zentralörtliche System mit Bestimmung von Ober-, Mittel- unter Unterzentrum ist ein wichtiges Instrument der Raumordnung. Die Zentren dienen als Versorgungs- und Entwicklungsschwerpunkte. Ihre flächendeckende Verteilung soll gewährleisten, dass von überall im Land wirtschaftliche, soziale und kulturelle Einrichtungen in angemessener Entfernung erreicht werden können. Die Leitvorstellungen und Ziele der Raumordnung werden in Schleswig-Holstein in der Landesplanung entwickelt und im Landesentwicklungsplan für das ganze Land bzw. in Regionalplänen für die fünf Planungsregionen festgelegt.

Strategien der Landesplanung
Die Theorie zum System der zentralen Orte wurde in den 1930er-Jahren vom deutschen Geographen Walter Christaller entwickelt. In den 1960er-Jahren begann man in Schleswig-Holstein, das traditionell über eine kleinteilige Siedlungsstruktur verfügt, mit der Festlegung von zentralen Orten — ein Prozess, der aufgrund des fortlaufenden Wandels in den Rahmenbedingungen bis heute andauert. Das auf Christaller basierende System wurde im Laufe der Zeit weiter differenziert: Es reicht inzwischen über acht Hierarchiestufen vom Oberzentrum über den ländlichen Zentralort bis hin zu den Stadtrandkernen erster und zweiter Ordnung. Letztere liegen z. B. im Hamburger Randgebiet sowie in direkter Umgebung von Ober- oder Mittelzentren. Ländliche Zentralorte und Unterzentren dienen überwiegend der Grundversorgung eines Nahbereiches, Mittelzentren der Versorgung mit Gütern und Diensten des mittelfristigen Bedarfs. Hierzu zählen neben dem Einzelhandel und den privaten Dienstleistungen (u. a. Rechtsanwälte, Fachärzte) auch öffentliche Einrichtungen wie Gymnasien, Krankenhäuser und teilweise Kreisverwaltungen. Oberzentren dagegen bieten zusätzlich eine Versorgung mit höheren und spezialisierten Gütern und Dienstleistungen wie Behörden der staatlichen Verwaltung (Landesinstitute, Ministerien), Hochschulen und Kultureinrichtungen (Theater, Museen).
Von den 1116 Gemeinden (2009) sowie den kreisfreien Städten Kiel, Lübeck, Flensburg und Neumünster sind 130 als zentrale Orte und Stadtrandkerne eingestuft. Hier leben knapp 70 % der rund 2,8 Mio. Einwohner des Landes. Ausschlaggebende Kriterien für die Einstufung als zentraler Ort sind Einwohnermindestwerte im baulichen Siedlungszusammenhang und im Versorgungsbereich. Insgesamt gibt es in Schleswig-Holstein mit Kiel, Lübeck, Flensburg und Neumünster vier Oberzentren. Die Mittel- und Unterzentren konzentrieren sich entsprechend der regionalen Siedlungsschwerpunkte im Umland von Hamburg sowie den Verdichtungszentren von Rendsburg, Itzehoe, Husum und Heide. Größtes Oberzentrum ist die Landeshauptstadt Kiel mit 237 000 Einwohnern; der kleinste ländliche Zentralort ist Grube im Kreis Ostholstein mit 1037 Einwohnern.
U. Kleinelümern

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