Rügen - Naturschutz und Küstenabbrüche - Übersicht

Mecklenburg-Vorpommern - Naturschutz und Umwelt

978-3-14-100381-9 | Seite 23 | Abb. 3
Rügen | Naturschutz und Küstenabbrüche | Mecklenburg-Vorpommern - Naturschutz und Umwelt | Karte 23/3

Überblick

Rügen ist mit 926 Quadratkilometern die größte Inseln Deutschlands. 15 410 Hektar sind mit Wald bedeckt, daher wird Rügen oft auch die „grüne Insel“ genannt. Rügen besteht aus älteren, relativ hoch aufragenden Inselkernen einerseits und jüngeren, flachen Nehrungen andererseits, die die Inselkerne miteinander verbinden und die Bodden vom offenen Meer abtrennen. Die imposanten Steilküsten mit ihren Kreidefelsen am Königsstuhl und Kap Arkona sind wichtige Touristenattraktionen. Die Inselkerne Wittow und Jasmund sind durch die Schaabe verbunden, eine flache, elf Kilometer lange und durchschnittlich einen Kilometer breite Nehrung. Sie ist aus dem Sedimentmaterial der angrenzenden kreidereichen Steilküsten aufgebaut. Sowohl der Große als auch der Kleine Jasmunder Bodden sind Brackwasserseen. Sie wurden erst 1869 durch einen Damm getrennt, als Bergen und Sassnitz eine direkte Straßenverbindung erhielten. Der Küstenabschnitt von Binz bis Thiessow an der Südostspitze Rügens bildet in diesem Raum den Abschluss der Boddenausgleichsküste. Der Greifswalder Bodden greift mit seinen Ausläufern Having und Hagensche Wiek tief in den Südteil Rügens ein und lässt so die Ausläufer der Moränenzüge hervortreten.

Tourismus

Der Fremdenverkehr auf Rügen blickt auf eine lange Geschichte zurück. Es begann 1830 mit einigen hundert Badegästen im Jahr. 1869 wurde das erste Hotel der Insel eröffnet. Ende des 19. Jahrhunderts war Sassnitz das bedeutendste Seebad, aber auch Orte wie Binz, Lohme, Thiessow, Göhren, Sellin und Baabe entwickelten sich. Um mit der wachsenden Besucherzahl fertig zu werden, wurde nach und nach die Infrastruktur der Insel ausgebaut und ihre Erreichbarkeit verbessert. In den 1920er- und 1930er-Jahren war Rügen eines der beliebtesten Reiseziele in Deutschland. 1936 fuhr der erste Zug über den gerade fertiggestellten Rügendamm. Zwischen 1936 und 1939 wurde unter Hitler das KdF (Kraft durch Freude)-Seebad Prora am Prorer Wiek errichtet, jedoch aufgrund des Beginns des Zweiten Weltkrieges nicht fertiggestellt. 20 000 Menschen sollten in dem 4,5 Kilometer langem Komplex aus acht Blöcken gleichzeitig Urlaub machen können. Drei der Blöcke wurden durch den Krieg zerstört, die restlichen fünf mit einer Länge von etwa 2,5 Kilometern wurden lange Zeit militärisch genutzt. Heute sind sie zu Wohn- und Hotelanlagen umgestaltet. 1953 wurden in der „Aktion Rose“ Hotel- und Pensionsbesitzer auf Rügen enteignet. Die meisten Häuser erhielt der DDR-Gewerkschaftsbund FDGB, die besten Hotels die SED. Zu DDR-Zeiten war ein Urlaubsplatz auf Rügen sehr begehrt. Daher wurden entlang der Küste zahlreiche, zumeist einfache, Unterkünfte wie Campingplätze, Kinder- und Jugendferieneinrichtungen oder Ferienheime geschaffen. Mit der Wiedervereinigung 1990 brach das bis dahin staatlich organisierte Erholungswesen fast völlig zusammen. Die meisten Ferien- bzw. FDGB-Heime sowie Bungalowsiedlungen wurden geschlossen, verfielen und wurden zum Teil erst nach Jahren privatisiert. Die Campingplätze wurden modernisiert, um neuen Qualitätsansprüchen gerecht zu werden. Gleichzeitig setzte ein Bauboom ein, der bis heute anhält. Überall entstanden neue Hotels und Pensionen, Appartementhäuser und Feriensiedlungen. Dem Massentourismus der DDR-Zeit folgte nun eine neue Tourismuswelle – mit allen Problemen, die der Massentourismus für die etwa 72 000 Einheimischen und die Natur mit sich bringt. Jahr für Jahr meldet Rügen neue Besucherrekorde. 2017 kamen über 1,3 Millionen Menschen auf die Insel – aufgrund der 2007 parallel zum Rügendamm erbauten Strelasund-Brücke nun auch meist ohne Stau.

Gefährdung der Küste

Die Kreidefelsen der Insel Rügen sind ständiger Erosion ausgesetzt. Dadurch kommt es immer wieder zu kleineren oder größeren Küstenabbrüchen. Ein Beispiel dafür ist der Abbruch der Wissower Klinken im Februar 2005, wodurch die Insel Rügen eines ihrer Wahrzeichen verlor. Durch Küstenabbrüche sind auch schon mehrere Menschen gestorben.

Naturschutz

Der 30 Quadratkilometer große Nationalpark Jasmund, der kleinste deutsche Nationalpark, liegt im östlichen Teil des Inselkerns Jasmund und stellt die Steilküste mit ihren Kreidefelsen und deren Hinterland unter Schutz. 1991 wurde Südost-Rügen zum UNESCO-Biosphärenreservat erklärt. Hier finden sich auf kleinstem Raum alle Landschafts- und Küstenformen des mecklenburg-vorpommerschen Küstenraumes wieder. Daneben ist das Gebiet auch durch seine kulturelle Vielfalt einzigartig, der Mensch hat über einen langen Zeitraum seine Spuren hinterlassen.