Quartier Vauban (Freiburg) - nachhaltige Stadtentwicklung

Deutschland - Stadtentwicklung

978-3-14-100700-8 | Seite 71 | Abb. 5 | Maßstab 1 : 7.500
Quartier Vauban (Freiburg) | nachhaltige Stadtentwicklung | Deutschland - Stadtentwicklung | Karte 71/5

Informationen

Das rund 2,5 Kilometer südlich der Freiburger Innenstadt gelegene "Quartier Vauban" diente nach dem Zweiten Weltkrieg jahrzehntelang der französischen Armee als Kasernengelände, bis diese im August 1992 ihre Truppen abzog. 1994 erwarb die Stadt Freiburg das rund 38 Hektar große Areal von der Bundesrepublik Deutschland, um es für zivile Zwecke zu nutzen, vier Jahre später wurde der erste Spatenstich für ein Wohngebäude gesetzt. Inzwischen beherbergt das Quartier bereits rund 4600 Bewohner, nach Beendigung des dritten Bauabschnitts sollen es in naher Zukunft 5000 sein.

Planungsziele und Verkehrskonzept
Begünstigt wurde die Entwicklung des Quartiers durch den Umstand, dass die beständig wachsende Stadt Freiburg dringend Wohnraum benötigt. In seiner heutigen Form ist Vauban das Resultat eines städtebaulichen Ideenwettbewerbs, der das erklärte Ziel hatte, ein modernes, abwechslungsreiches Wohngebiet unter dem Gesichtspunkt der Nachhaltigkeit zu errichten. Zugleich sollten kleinparzellierte Grundstücke und die vorrangige Vermarktung an Einzelbauherren breiten Schichten der Bevölkerung die Möglichkeit geben, sich ein eigenes Zuhause in einem familienfreundlichen Umfeld zu schaffen. Die Bewohner des Viertels leben entweder, wie etwa im Studentendorf Vauban, in sanierten und modernisierten Mannschaftsgebäuden oder aber in energieoptimierten Reihen- und Mehrfamilienhäusern.
Ein zentraler Bestandteil der städtebaulichen Planungen war von Beginn an ein neuartiges Verkehrskonzept. Die Straßen im Viertel sollten primär als Begegnungs- und Aufenthaltsraum für Erwachsene und Kinder dienen und nicht als Parkflächen für Autos. Aus diesem Grund wurden für die Fahrzeuge zwei großräumige Garagen im Norden und Osten errichtet. Die Wohnstraßen können für die Be- und Entladung befahren werden, sind ansonsten aber weitgehend "autofrei". Fast überall gilt Schrittgeschwindigkeit; in der Vauban-Allee ist Tempo 30 vorgeschrieben. Nur auf den beiden Straßen, die das Viertel im Norden und Osten begrenzen, der Merzhauser- und der Wiesentalstraße, sind 50 km/h erlaubt.
Ein integraler Bestandteil dieses Konzepts der Verkehrsberuhigung war der Anschluss an die Stadtbahn, der seit April 2006 durch eine schnelle und bequeme Straßenbahn-Verbindung zur Freiburger Innenstadt besteht. Darüber hinaus ist am Westrand des Baugebietes perspektivisch ein Haltepunkt der Breisgau-S-Bahn vorgesehen, dessen Realisierung allerdings kurzfristig noch nicht zu erwarten ist.

Infrastruktur
Teil der konzeptionellen Planung war von Beginn an auch eine eigenständige öffentliche und wirtschaftliche Infrastruktur. Zu diesem Zweck wurden in Vauban eine Grundschule, drei Kindertagesstätten und ein Schülerhort gegründet. Durch die kleinräumige Gliederung des Viertels sind alle Einrichtungen gut zu Fuß zu erreichen. Sozialer Mittelpunkt ist der Alfred-Döblin-Platz mit dem Bürgerzentrum, in dem es Programmangebote für Kinder, Jugendliche und Erwachsene gibt. Der Platz dient als Marktplatz und sozialer Treffpunkt, aber auch als öffentlicher Veranstaltungsort für Flohmärkte oder Stadtteilfeste.
Das Geschäfts- und Wirtschaftszentrum ist die Vauban-Allee, an der sich im Laufe der letzten Jahre eine Vielzahl von Einzelhändlern angesiedelt haben, die von Bioprodukten über Fahrräder bis zu Back- und Schreibwaren alle nötigen Lebensmittel und Gebrauchswaren zum Verkauf anbieten. In ihrer Nachbarschaft haben auch verschiedene Ärzte und Therapeuten ihre Praxen eröffnet.

Energiekonzepte in Vauban
Oberste Priorität für die Bewohner von Vauban hat ein verantwortungsvoller Umgang mit den natürlichen Ressourcen; deshalb ist eine Niedrigenergie-Bauweise mit weniger als 65 kWh/m² pro Jahr für alle Bauvorhaben im Viertel verpflichtend. Daneben gibt es Häuser mit verbesserter Niedrigenergiebauweise (<55 kWh/m² p.a.), in Passivhausbauweise (<15 kWh/m² p.a.) und sogenannte Plusenergiehäusern, die im Laufe eines Jahres mehr Energie erwirtschaften, als sie selbst verbrauchen; Letztere speisen ihren Energieüberschuss gegen eine entsprechende Vergütung in das öffentliche Versorgungsnetz ein. Überdies gibt es im Viertel eine Vielzahl von thermischen Solar- und Photovoltaikanlagen, die auf freiwilliger Basis installiert wurden. In der Solarsiedlung "Sonnenschiff" östlich der Merzhauser Straße sind alle Häuser in Passivhausbauweise errichtet und mit Photovoltaikanlagen ausgestattet.
Die Fernwärme in Vauban stammt von einem Blockheizkraftwerk mit Holzhackschnitzelfeuerung und Kraft-Wärme-Kopplung. Das Regenwasser wird in Zisternen gesammelt, um es entweder zur Toilettenspülung, zum Waschen der Wäsche oder zum Gießen zu verwenden. Die begrünten Flachdächer haben den Zweck, den Wasserabfluss zu verzögern. Überschüssiges Regenwasser wird versickert, um auf diese Weise die Grundwasservorräte aufzufüllen. Das Viertel mit seinen ausgedehnten öffentlichen Grünflächen und dem großen Altbaumbestand wird im Süden durch den Dorf- bzw. den Reichenbach begrenzt, der als ein besonders wertvolles Biotop ausgewiesen ist.
K. Lückemeier

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Solarregion Freiburg

Freiburg hat sich deutschlandweit eine führende Stellung in der Nutzung von Solarenergie erworben. Zu den zwei Karten im Diercke Weltatlas gibt dieser kurze Unterrichtsfilm einen Überblick zu den unterschiedlichen Solarprojekten in dieser Stadt. Außerdem stellt er das neue Stadtviertel Quartier Vauban vor, das ein exemplarisches Beispiel für nachhaltige Stadtentwicklung darstellt.
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