Punjab - Bewässerung und Versalzung

Südasien

978-3-14-100700-8 | Seite 166 | Abb. 3 | Maßstab 1 : 6.000.000
Punjab | Bewässerung und Versalzung | Südasien | Karte 166/3

Informationen

Das Punjab (Sanskrit: "Fünfstromland") umfasst den nordöstlichen Teil des Industieflandes, das vom Indus und seinen tributären Flüssen — Jhelum, Chenab, Ravi, Sutlej und Beas — gequert wird. Es handelt sich um das größte geschlossene Bewässerungsgebiet der Erde, das mit einer Fläche von 10,2 Mio. Hektar annähernd viermal so groß wie das Bewässerungsgebiet des Nils mit seinen 2,6 Mio. Hektar.

Ausweitung der Anbauflächen
Jahrhundertelang wurden im Punjab lediglich die unmittelbar an die Flussauen angrenzenden Felder durch Ableiten der Monsunhochfluten im Frühsommer bewässert. Erst während der britischen Kolonialherrschaft, die um die Mitte des 19. Jahrhunderts begann und bis Mitte des 20. Jahrhunderts andauerte, wurden durch den Bau umfangreicher technischer Anlagen wie Kanälen und Dämmen die Voraussetzungen für den Übergang zu einer ganzjährigen Bewässerung geschaffen. Dadurch konnten auch die höhergelegenen Zwischenstromplatten landwirtschaftlich genutzt und siedlungsmäßig erschlossen werden.
Die Regulierung und Verteilung des Wassers erfolgt durch ein weitverzweigtes Bewässerungssystem auf der Grundlage des Indus-Water-Treaty von 1960. Dieses Abkommen regelt die Wassernutzung zwischen Pakistan und Indien. Indien erhielt die Erlaubnis, die Oberläufe der Flüsse Ravi, Sutlej und Beas durch den Rajasthankanal und andere Verbindungskanäle auf sein eigenes Territorium abzuleiten, musste aber im Gegenzug garantieren, dass Pakistan das Wasser von Indus, Chenab und Jehlum nutzen kann.
Abgesehen von einem schmalen, niederschlagsreicheren Landstreifen am Fuße des Himalaya, auf dem ein natürlicher Regenfeldbau möglich ist, muss der obere Teil der Indusebene künstlich bewässert werden. Zu diesem Zweck wurden in dem das Industiefland umrahmenden Gebirge bzw. in der Übergangszone zwischen Gebirge und Vorland mehrere Staudämme angelegt, um die Abflussverhältnisse (vgl. Abflussdiagramm) zu regulieren und Überschwemmungen vorzubeugen. Sie sorgen dafür, dass der Landwirtschaft das ganze Jahr über ausreichend Wasser zur Verfügung steht. Zahlreiche Stauwehre verlangsamen den natürlichen Abfluss und leiten das Wasser in die Bewässerungskanäle ab.

Ökologische Folgen
Die Umwandlung von unbestelltem Land in bewässertes Kulturland ist ein schwerwiegender Eingriff in die ökologischen Verhältnisse, der vor allem den Wasserhaushalt verändert. Durch die reichliche Bewässerung steigt der Grundwasserspiegel an. Es kommt dadurch nicht nur zur Versumpfung ausgedehnter Flächen, sondern auch — aufgrund der klimatischen Bedingungen mit hohen Temperaturen, einer entsprechend starken Verdunstung und geringer Niederschläge — zu einer Versalzung großer Areale. Denn mit dem kapillaren Aufsteigen des Wassers gelangen gelöste Salze (Natriumsulfat und -chlorid) an die Oberfläche, wo sie ausgeschieden werden. Dadurch aber verändert sich die Struktur der Böden. Sind sie feucht, quellen sie auf und werden zu einer zähklebrigen, wasserundurchlässigen, schlecht durchlüfteten Masse. Herrscht hingegen Trockenheit, werden sie steinhart und springen rissig auf. Die landwirtschaftliche Nutzung wird dadurch erschwert, schließlich sogar unmöglich.
Noch in den 1960er-Jahren gingen auf diese Weise pro Jahr rund 400 km² Kulturland verloren — mehr als durch neue Bewässerungsanlagen hinzugewonnen werden konnte. Alarmierend war dies vor allem angesichts der Tatsache, dass die Bevölkerung Pakistans schon damals rasch wuchs, weshalb jeder Quadratmeter nutzbaren Bodens dringend benötigt wurde, um die Ernährung zu sichern. Außerdem wird im Punjab unter anderem Baumwolle für den Export angebaut, die zur Erwirtschaftung von Devisen dringend notwendig ist.
Rein agrikulturelle Gegenmaßnahmen wie die Einführung des Fruchtwechsels oder der Anbau salzresistenter Kulturpflanzen blieben in der Vergangenheit weitgehend wirkungslos. Auch die horizontale Drainage durch Tonröhren und Entwässerungskanäle versagte im Punjab aufgrund des geringen Gefälles der Stromoase. Als eine wirksame Rekultivierungsmaßnahme erwies sich hingegen die — allerdings teure und deshalb auf relativ kleine Areale beschränkte — vertikale Drainage, mit der ab 1959 begonnen wurde. Durch die Anlage elektrisch betriebener Tiefbrunnen mit einer Tiefe von bis zu 100 Metern konnte der Grundwasserspiegel abgesenkt und dadurch einerseits der kapillare Bodenwasserstrom unterbunden und andererseits das in der Tiefe abgepumpte Wasser zusätzlich der Bewässerung zugeführt werden. Die bei der Bekämpfung der Bodenversalzung erzielten Erfolge können jedoch durch unvorhersehbare Naturereignisse wie die Flutkatastrophen in den Jahren 1973, 1974 und 1992 oder durch extreme Trockenheiten wie 1982 und 1987/88 sehr rasch wieder zunichte gemacht werden.
P. Gaffga

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Weitere Materialien

Animation

Schema der Bodenversalzung - und der Einfluss von Drainagemaßnahmen

In dieser Animation wird die Entstehung von Bodenversalzung in trockenen Gebieten gezeigt. Zudem wird deutlich gemacht, inwieweit Drainagemaßnahmen der Bodenversalzung entgegenwirken können. (Für diese Animation wird Tonausgabe benötigt)
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Bewässerungsdynamik und -zusammensetzung

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Schema des Entstehens und der Verhinderung der Versalzung von Bewässerungsflächen in ariden Regionen

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