Privolnaja (Region Krasnodar) - Ackerbau auf Schwarzerde

Osteuropa

978-3-14-100700-8 | Seite 96 | Abb. 4 | Maßstab 1 : 150.000
Privolnaja (Region Krasnodar) | Ackerbau auf Schwarzerde | Osteuropa | Karte 96/4

Informationen

Der Betrieb "Privolnoe", der frühere Kolchos "Lenin", befindet sich an der Küste des Asowschen Meeres in einem der naturräumlich besonders begünstigten Anbaugebiete Russlands. Es dominieren Schwarzerden mit Mächtigkeiten von 110 bis 130 Zentimetern und einem Humusgehalt von 4 Prozent, die durchschnittliche jährliche Niederschlagsmenge beträgt 515 Millimeter.

Naturraum und Landnutzung
Die Landschaft, in der sich Privolnoe befindet, ist eben, die einzelnen Felder sind bis zu zwei Kilometer lang und können mühelos mit schweren Maschinen bearbeitet werden; negative Folgen dieser intensiven Bewirtschaftungsweise sind allerdings eine starke Bodenverdichtung und eine ausgeprägte Winderosion. 1989 wurden in "Lenin" von der insgesamt 14 852 Hektar großen landwirtschaftlichen Nutzfläche 94 Prozent für den Ackerbau genutzt, wobei Getreide bei Flächenerträgen zwischen vier und fünf Tonnen pro Hektar (ohne Mais) die wichtigste Anbaufrucht war. Der Kolchos besaß aber auch Abteilungen für Fleischproduktion und Milchwirtschaft mit 5600 Rindern und 4500 Schweinen, die in der Karte als dezentrale Milchviehanlagen eingezeichnet sind.
In Privolnoe war der allgemeine Niedergang der russischen Landwirtschaft nach der Auflösung der Sowjetunion weitaus weniger zu spüren als in vielen anderen Betrieben. Selbst die geringfügigen Einbrüche in der ersten Hälfte der 1990er-Jahre waren weniger auf die Privatisierung als vielmehr auf eine vorübergehende Abwesenheit des Betriebsleiters und auf Missmanagement zurückzuführen. Für diese vergleichsweise reibungslose Umstellung von der Plan- auf die Marktwirtschaft sind die hervorragende Ausgangssituation und die naturräumlichen Rahmenbedingungen im Schwarzerdegebiet ebenso verantwortlich wie die guten wirtschaftlichen und politischen Kontakte des Betriebsleiters, der eine Legislaturperiode lang dem Agrarausschuss der Duma angehörte. Da er die Produktion aufrechterhalten und zum Teil sogar steigern konnte — die Anbauflächen blieben in etwa konstant, sodass der Getreideertrag pro Hektar auch die Entwicklung der Gesamterntemenge widerspiegelt —, wurde im Jahr 2001 ein offizieller Reingewinn von knapp 2 Mio. US-Dollar erwirtschaftet, der tatsächliche Gewinn dürfte sogar weit darüber liegen.

Betrieb und Gemeinde
Auf dem Gebiet der Gemeinde, das mit dem Territorium des Betriebs (16 346 Hektar) weitgehend, aber nicht vollständig übereinstimmt, lebten im Jahr 2000 genau 7054 Personen. Von ihnen waren zu diesem Zeitpunkt nur noch 896 Personen in der neuen Aktiengesellschaft beschäftigt, die als Kollektivbetrieb vor der Restrukturierung fast 2000 Mitarbeiter gezählt hatte. 184 Personen arbeiteten in einem am Rand des Gemeindegebiets gelegenen Fischereikolchos, 85 Personen beim Energieerzeuger Gazprom — der hier seit den 1950er-Jahren-eine kleine Erdgasförderstation betreibt — und 1768 weitere Personen waren als Rentner gemeldet. Auch wenn man die Auspendler in die Kreishauptstadt Kanevskaja, die Beschäftigten in staatlichen Behörden und Institutionen sowie die 75 vor allem in Lebensmittel- und Gemischtwarenläden tätigen Beschäftigten des tertiären Sektors berücksichtigt, dürften in sowjetischer Zeit mehr als zwei Drittel aller Erwerbstätigen beim Kolchos "Lenin" angestellt gewesen sein.
Die territoriale Identität von Gemeinde und Betrieb, die hochgradige Übereinstimmung von Wohnbevölkerung und Beschäftigten und nicht zuletzt auch die sowjetische Kolchos-Gesetzgebung haben dazu geführt, dass der Betrieb in der Vergangenheit eine Vielzahl kommunaler Funktionen übernahm und für den Erhalt der Infrastruktur — etwa von Straßen, Wasserleitungen, dem Stromnetz, Schulen, Kindergärten, dem dörflichen Kulturzentrum, Fahrdienstleistungen und der medizinischen Grundversorgung — im Gebiet Privolnaja sorgte. Die Privatisierung und die gleichzeitige Reform der lokalen Selbstverwaltung in Russland machen die Neuordnung dieser Zuständigkeiten angesichts der kommunalen Finanzkrise zu einer der schwierigsten Aufgaben, der sich die Betriebsleitung und der Gemeinderat derzeit konfrontiert sehen.
P. Lindner

Graphiken

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Agrarproduktion (Mengen) nach Betriebstyp

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