Pompeji - 79 n.Chr. durch einen Vulkanausbruch zerstörte Römerstadt

Italien - Kulturlandschaften in Antike und Gegenwart

978-3-14-100870-8 | Seite 140 | Abb. 2 | Maßstab 1 : 8.000
Pompeji | 79 n.Chr. durch einen Vulkanausbruch zerstörte Römerstadt | Italien - Kulturlandschaften in Antike und Gegenwart | Karte 140/2

Überblick

Pompeji, im 8. oder 7. Jahrhundert v. Chr. als Fischer- und Bauerdorf von Oskern gegründet, erlebte in der frühen Antike eine wechselvolle Geschichte unter Griechen, Etruskern und Samniten, wurde im 4. Jahrhundert v. Chr. Bundesgenosse Roms und 89 v. Chr. römische Kolonie. Von diesem Zeitpunkt an entwickelte sich Pompeji zu einem beliebten Wohnort der römischen Mittel- und Oberschicht, außerhalb entstanden bedeutende Landvillen, darunter die des Cicero. 62 n. Chr. wurde die Stadt, die inzwischen rund 15 000 Einwohner zählte, von einem verheerenden Erbeben heimgesucht. Die Reparaturarbeiten waren noch nicht abgeschlossen, als der Ausbruch des Vesuvs im August 79 n. Chr. den Ort vollständig verschüttete.

Heute gilt Pompeji, das bereits seit 1748 ausgegraben und archäologisch erforscht wird, als eines der bedeutendsten Zeugnisse des römischen Alltagslebens in der frühen Kaiserzeit. Die städtebauliche Anlage einschließlich ihrer Mauern, Wachtürme und Stadttore ist in ihren verschiedenen Entstehungsphasen gut erhalten. Im Südwesten befindet sich der Altstadtkern mit dem Forum und seiner zweigeschossigen, umlaufenden Säulenhalle, umgeben von Tempeln, Amtsgebäuden und Wirtschaftsbetrieben. Im Süden gibt es Reste eines dorischen Tempels aus dem 6. Jahrhundert v. Chr. sowie das Kleine und das Große Theater; im Südosten liegt das Amphitheater, das rund 20 000 Besucher fasste. Unter den verschiedenen Thermenanlagen sind die prachtvollen Stabianer Thermen im Zentrum die bedeutendsten.

Unter den Wohnhäusern dominieren Atriumhäuser, die später häufig um ein Peristyl, einen rechteckigen Hof mit Säulengang, erweitert wurden. Die Grundrisse variieren stark, häufig lassen sich verschiedene Umbauphasen erkennen. Zu den bekanntesten Gebäuden zählen das "Haus des Fauns", das durch seine Größe und seine kostbaren Mosaike hervorsticht, sowie das "Haus der Vettier" mit seinen wertvollen Fresken und Wandmalereien. Die Stadt hat ein für Römerstädte typisches rechtwinkliges Straßennetz, vor den meisten Stadttoren befanden sich Nekropolen. Neben vielen weiteren, gut erhaltenen Kunstwerken aus der späthellenistischen und frühkaiserlichen Epoche wurden in Pompeji aufschlussreiche Einrichtungs- und Alltagsgegenstände gefunden.

Vulkanismus in der Vesuvregion

Die Millionenstadt Neapel, die größte Stadt in Süditalien, liegt am Fuß eines Vulkans. Mit einer Höhe von 1281 Metern ist der Vesuv zwar kleiner als andere Riesenvulkane, aber er ist dennoch gefährlich. Berüchtigt ist sein Ausbruch im Jahr 79 n. Chr., von dem - als Rest eines alten Vulkanbergs - der Ringwall des Monte Somma erhalten geblieben ist. Bei dieser Eruption wurden Pompeji und die Ortschaft Herculaneum unter einer Glutlawine begraben (vgl. Karte 140.2). Zahlreiche weitere Ausbrüche zwischen 1631 und 1944 formten den heutigen Kraterberg und sein Umland. Spuren der Erruptionen in der Umgebung sind Lavaströme, Asche, Tuffe und Lapilli.

Weitere Vulkangebiete sind die Phlegräischen Felder, die Inseln Procida und Ischia und die küstennahen Meeresbereiche. 27 ehemalige Vulkane gibt es allein auf dem Festland. Viele davon waren bis in geschichtliche Zeit tätig, so der Solfatara bei der Hafenstadt Pozzuoli (1198) und der Epomeo auf Ischia (1302). Erdbeben, Hebungs- und Senkungsvorgänge und postvulkanische Erscheinungen zeigen, dass das Gebiet noch immer vulkanisch aktiv ist.

Zu den postvulkanischen Erscheinungen gehören Fumarolen, heiße gashaltige Dampfquellen, sowie vergleichsweise kühle Aushauchungen von Kohlendioxid unter 100 °C, sogenannte Mofette. Bekannt sind die Mofette in der Hundsgrotte bei Neapel und die Fumarolen des Kraters Solfatara bei Pozzuoli, die als schwefelwasserstoffhaltige "Solfataren" bei Temperaturen von 100 bis 300 °C austreten.

Zu einem ganz anderen Landschaftstyp gehören die Halbinsel von Sorrent und die ihr vorgelagerte Insel Capri. Sie sind die Fortsetzung der Kalkketten des Neapolitanischen Apennins.

Besiedlung und Landnutzung

Das mediterrane Klima und die fruchtbaren Böden auf vulkanischen Aschen und Tuffen haben in der Region einen vielfältigen landwirtschaftlichen Anbau ermöglicht. Obwohl der Vesuv zu den gefährlichen "explosiven" Vulkanen zählt, gehört der Raum um den Golf von Neapel zu den am dichtesten besiedelten Gebieten der Erde. In der Metropolregion - der früheren "Provinz Neapel", die etwa der in der Karte dargestellten Fläche entspricht - leben gut 3,1 Mio. Menschen.

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