Peking (Beijing) - Verstädterung

China - Raum- und Siedlungsentwicklung

978-3-14-100800-5 | Seite 188 | Abb. 1 | Maßstab 1 : 500.000
Peking (Beijing) | Verstädterung | China - Raum- und Siedlungsentwicklung | Karte 188/1

Überblick

Peking, Hauptstadt der Volksrepublik China, ist mit 21 Mio. Einwohnern (Stand: 2012) eine der bevölkerungsreichsten Städte der Erde; die Stadtfläche entspricht mit knapp 17 000 Quadratkilometern etwa dem Bundesland Sachsen. Da große Teile dieses Gebiets (rund 90 %) ländlich geprägt sind, hat Peking eher einen Charakter, der einem Flächenstaat unter den deutschen Bundesländern vergleichbar ist.

Auf der Karte ist davon nur der Teil dargestellt, der die Kernstadt Peking im engeren Sinne umfasst (2010: rund 12 Mio. Einwohner; 1368 km2; Bevölkerungsdichte rund 8800 Einwohner/km2; siehe Grenzlinie in der Karte). Dieser Bereich ist in sechs Stadtbezirke untergliedert, zwei innerhalb der ehemaligen Stadtmauer, vier außerhalb der ehemaligen Stadtmauer.

Die Stadt blickt auf eine mehr als 3000 Jahre lange Geschichte zurück. Sie ist politisch-kulturelles Zentrum und eine der wichtigsten Wirtschaftsregionen der zweitgrößten Wirtschaftsmacht der Erde; daher zählt Peking zu den Global Cities (s. 270.2). Wegen seiner besonderen Bedeutung ist Peking – anders als die anderen chinesischen Provinzen, Sonderverwaltungszonen und autonomen Gebiete – eine Verwaltungseinheit, die direkt dem Staat zugeordnet ist.

Die Übersichtskarte zeigt das Flächenwachstum Pekings und die Landnutzung im Umland. Die Stadt wächst zum einen konzentrisch um das gegenwärtige Stadtgebiet, zum anderen aber auch linear entlang der Hauptverkehrsachsen und inselhaft innerhalb einer Suburbanisierungszone, die durch die fünfte und sechste Ringstraße markiert wird (dies sind die beiden äußeren Ringstraßen im Kartenbild).

Zur Entwicklung der Stadt

Peking, das über Jahrhunderte hinweg als Hauptstadt des chinesischen Kaiserreichs bis heute fortwirkende Prägungen erhielt, liegt in einer nach Süden offenen, nach Norden vom Gebirge abgeschirmten großen Tieflandsbucht. Im Aufriss gleicht die Stadt einer Art Schüssel: das Stadtzentrum um den Kaiserpalast ist trotz des Verschwindens der traditionellen ein- bis dreigeschossigen Hutongs noch relativ niedrig im Vergleich zu den Vierteln an den Ringstraßen mit ihren neuen Hochhauskomplexen.

Gut erkennbar ist das alte Stadtzentrum innerhalb der ehemaligen Stadtmauern. Es entspricht etwa der bebauten Fläche 1913 und besteht aus drei Teilen: der sogenannten Verbotenen Stadt (heute Palastmuseum), der nördlichen Inneren Stadt und der südlichen Äußeren Stadt (s. 188.2). Der traditionell schachbrettartige Grundriss des alten Stadtzentrums löst sich nach außen hin immer mehr auf.

Das Stadtzentrum ist von einem System aus Ringstraßen umgeben, an denen man sich im Kartenbild gut orientieren kann. Dem Verlauf der ehemaligen Stadtmauer folgt die „zweite Ringstraße“, eine fahrradfreie Schnellstraße, die heute die innerste Ringstraße bildet. (Eine „erste Ringstraße“ gibt es heute nicht mehr.) Zwischen der vierten und fünften Ringstraße, dem zentrumsnächsten Autobahnring, liegt im Norden der Olympiapark. Die fünfte Ringstraße ist etwa 100 Kilometer lang. Die sechste Ringstraße, ebenfalls eine Autobahn und im Kartenbild teilweise angeschnitten, ist die derzeit äußerste Ringstraße Pekings. Eine siebte Ringstraße außerhalb des Kartenausschnitts ist in Bau. Sie wird 940 Kilometer lang sein.

Außerhalb der überbauten städtischen Fläche liegt ein Ring mit Gartenbau und intensivem Marktgemüseanbau. Die rasche Ausdehnung der bebauten Flächen insbesondere seit 1990 führt aber zu Zersiedlungstendenzen in diesem Bereich und zu Nutzungskonflikten. Die dort liegenden Dörfer werden zunehmend überformt und in die Kernstadt eingegliedert.

Dass die Landwirtschaft im Agglomerationsraum Peking eine so hohe Bedeutung hat, ist historisch begründet. Ende der 1950er-Jahre waren die Versorgung der Stadtbevölkerung mit Gemüse und die Einbindung von Arbeitskräften entscheidende Gründe für die Erweiterung des städtischen Verwaltungsgebiets. Die teilweise Selbstversorgung mit Gemüse und zum Teil auch mit tierischen Produkten galt als wichtiges Ziel. Aus den vier Vorstadtbezirken Haidian, Chaoyang, Shijingshan und Fengtai stammten zeitweise bis zu 90 Prozent der lokalen Gemüseversorgung. Gegenwärtig wird die Landwirtschaft in starkem Maße verdrängt.

Laut Statistik zählt in den ländlichen Gebieten der Verwaltungseinheit Peking immer noch ein sehr großer Anteil der Einwohner zur Agrarbevölkerung, tatsächlich sind diese aber oft von Nebengewerben und Tätigkeiten außerhalb der Landwirtschaft abhängig. Dies zeigt den sozioökonomischen Wandel Chinas in den letzten Jahrzehnten.

Die Stadtplanung der Gegenwart knüpft bei prestigeträchtigen Projekten an die traditionelle Symbolik der Stadtanlage an. So wurden beispielsweise nördlich des Nordtors der Verbotenen Stadt die Sportstätten für die Olympischen Spiele 2008 auf der gleichen zentralen Achse errichtet, auf der auch der Kaiserthron, das Mittagstor des Kaiserpalastes, das Mao-Mausoleum und das Südtor liegen.

Seit 2008 ist Peking Zentrum des chinesischen Hochgeschwindigkeitsnetzes der Bahn mit derzeit drei Linien (nach Shanghai, Guangzhou und Tianjin).

Der Capital Airport im Nordosten ist einer der größten Flughäfen der Erde. Mit mehr als 80 Mio. Passagieren pro Jahr (Stand 2012) übertrifft er London-Heathrow. Dennoch entsteht gegenwärtig südlich von Daxing (s. Karte) ein weiterer Großflughafen, der 2017 eröffnet werden soll und für 75 Millionen Passagiere pro Jahr ausgelegt ist.

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Materialien zu dieser Karte

Arbeitsblätter

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360° 2012 - 2:

China
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Chinas Städte - zwischen Tradition und Postmoderne

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