Paris - Übersicht

London/Paris

978-3-14-100700-8 | Seite 112 | Abb. 2 | Maßstab 1 : 500.000
Paris | Übersicht | London/Paris | Karte 112/2

Informationen

Bis in die Mitte der 1960er-Jahre war das Zentrum der Ile-de-France, der Kernlandschaft des Pariser Beckens, von einem eher unkontrollierten Ausufern der französischen Hauptstadt gekennzeichnet. Als Hauptachsen dieses Wachstums dienten die Verkehrswege, wie sich deutlich in der Verteilung der Bebauungsflächen erkennen lässt. Erst durch den Raumordnungsplan für die Region Paris aus dem Jahre 1965 wurden strategische Grundsätze für die städtebauliche und wirtschaftliche Entwicklung festgelegt.

Planungseinheiten von Paris
Ein kennzeichnendes Merkmal des Pariser Innenstadtbereichs sind die Ringstrukturen. Der innere Boulevardring wurde im Zuge der städteplanerischen Maßnahmen unter Baron Haussmann in der Mitte des 19. Jahrhunderts angelegt (s. u.), gleiches gilt für das deutlich erkennbare Achsenkreuz. Der äußere Boulevardring, der Boulevard Périphérique, ist eine Autobahnringstraße, mit deren Bau 1953 begonnen und die 1973 fertig gestellt wurde; dieser Boulevard begrenzt das Département Ville-de-Paris. Es gehört zu den auffälligen Besonderheiten der Stadt, dass die großen Fernstraßen- und Autobahnverbindungen im Gegensatz zu anderen Metropolen wie London bis zu diesem Boulevardring und damit praktisch bis unmittelbar an die Innenstadt geführt werden. Seit Jahren befindet sich mit "La Francilienne" ein dritter Autobahnring um den Großraum Paris im Ausbau. Während die Streckenabschnitte im Norden, Osten und Süden weitgehend fertig sind, fehlt noch das gesamte westliche Verbindungsstück. Die Fertigstellung dieses Rings ist frühestens 2015 zu erwarten.
Das jüngere Wachstum des Agglomerationsraumes vollzog sich vor allem zwischen dem Boulevard Périphérique und diesem dritten Ring. Dabei lässt sich unterscheiden zwischen einer Phase des Wachstums in der "Proche Banlieue", also den Vororten, die sich seit der Mitte des 19. Jahrhunderts sehr rasch industrialisierten und dabei zu Konzentrationskernen der Arbeiterbevölkerung wurden, und einem verstärkten Wachstum in der "Banlieue Extérieure", die erst in der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg verstärkt von der Entwicklung erfasst worden ist. In diesem Bereich wurden die Entwicklungen stärker durch den Raumordnungsplan gelenkt.
Zur Unterscheidung dieser Entwicklungszonen wird der Großraum Paris heute in die drei Planungseinheiten Innenstadt (Ville-de-Paris), Petite Couronne — mit den Départements Seine-St.-Denis, Hauts-de-Seine und Val-de-Marne — und der Grande Couronne — mit den Départements Yvelines, Essonne, Seine-et-Marne und Val-d'Oise — unterteilt. Im Verlauf der letzten 25 Jahre haben sich in diesem Agglomerationsraum deutliche Bevölkerungsverlagerungen ergeben (s. Diagramm Karte 113.3-4).

Der Raumordnungsplan und die Villes Nouvelles
Zu den vordringlichsten Zielen des Raumordnungsplanes von 1965 zählten die Entlastung der Innenstadt durch eine Verlagerung der Industrie in die Außenbezirke und die Konzentration von Tertiärfunktionen im Innenstadtbereich; die traditionelle Hauptachse der Stadtentwicklung, die Seine, sollte durch zwei Parallelachsen im Norden und Süden des Agglomerationsraums entlastet werden. Um die Verkehrsverbindungen innerhalb der Planungsregion zu verbessern, wurden eine Reihe neuer Verkehrsträger projektiert, darunter Straßen, Bahnlinien, insbesondere aber das Réseau Express Regional (R.E.R.); gleichzeitig sollten ausgewiesene "Zones Naturelles d'Equilibre" (Z.N.E.) der Stadtbevölkerung als Erholungs- und Freizeiträume dienen. Nicht zuletzt wurde die Errichtung multifunktionaler Planungsstädte in der Außenzone mit einer Mischung von Wohn-, Arbeits- und Versorgungsfunktionen beschlossen.
Unter den geplanten Maßnahmen hatte die Anlage dieser fünf "Villes Nouvelles" — ursprünglich vorgesehen waren acht — besondere Bedeutung. Ausschlaggebend für die Konzeption dieser neuen Entlastungszentren waren demoskopische Prognosen — die sich später allerdings als überzogen erwiesen — denen zufolge sich die Bevölkerung der Agglomeration von gut 7 Mio. Menschen 1960 bis zum Jahre 2000 annähernd verdoppeln sollte. Laut Planungsziel sollten in den fünf realisierten "Villes Nouvelles" knapp 2 Mio. Menschen Wohn- und Arbeitsmöglichkeiten vorfinden. Dieses ursprüngliche Ziel wurde bei weitem nicht erreicht; tatsächlich leben in allen neuen Städten zusammen weniger als 1 Mio. Menschen. Dennoch wird ihnen nach wie vor im Rahmen der Fünfjahrespläne eine besondere Förderung zuteil. Ihre heutige Bedeutung verdankt sich vor allem dem Umstand, dass in den ausgewiesenen "Zones Naturelles d'Equilibre", den natürlichen Gleichgewichtsräumen, nur in sehr beschränktem Umfang Umnutzungen von Flächen zugelassen werden. Die sechs im Raumordnungsplan 1965 ausgewiesenen Z.N.E. umfassen rund 300 Gemeinden auf einer Fläche von über
220 000 Hektar.
Da die "Villes Nouvelles" für einen hohen Anteil ihrer Bevölkerung lediglich die Wohnfunktion übernehmen, sind erhebliche Anstrengungen zum Ausbau des Verkehrsnetzes unternommen worden, um die täglichen Pendlerströme zu bewältigen. Gerade bezüglich der Verkehrswege macht der Kartenausschnitt deutlich, dass eine großräumige Umgehung von Paris für den Fernverkehr kaum möglich ist — im Gegensatz zu anderen Städten wie Berlin oder London. Sämtliche Autobahn-, Fernstraßen- und Schienenwege führen direkt bis in oder an den Rand der Innenstadt, was zu bestimmten Zeiten zu großen Problemen bei der Verkehrsbewältigung führt. Auch die Internationalen Flughäfen Orly und Le Bourget liegen vergleichsweise dicht am Zentrum.
Der im Kartenausschnitt dargestellte Raum ist eindeutig das politische, wirtschaftliche und kulturelle Zentrum Frankreichs. Mit mehr als 11,5 Mio. Einwohnern im Jahr 2006 beherbergt die Metropolregion Paris rund ein Fünftel der französischen Gesamtbevölkerung, gleichzeitig ist sie das bedeutendste Industriezentrum des Landes, ganz zu schweigen vom Dienstleistungssektor, dessen Übergewicht in der Hauptstadt schon legendär ist.
A. Pletsch

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