Palästina zur Zeit Jesu

Asien - Siedlung und Landnutzung
978-3-14-100870-8 | Seite 176 | Abb. 1| Maßstab 1 : 1500000

Überblick

Das Reich Judaea wurde nach seiner Eroberung durch die Römer 63 v. Chr. zu einem tributpflichtigen Klientelstaat des Imperiums. Im Jahre 40 v. Chr. ernannte der römische Senat den Feldherr Herodes zum König von Judaea. Unmittelbar nach seinem Amtsantritt begann er mit der Ausdehnung seines Reiches, bis es fast davidische Ausmaße erreichte. Nach seinem Tod im Jahre 4 v. Chr. wurde Herodes" Herrschaftsgebiet unter seinen Kindern Archelaos, Herodes Antipas (der Johannes den Täufer hinrichten ließ), Philippus und Salome aufgeteilt, das Gebiet um Gaza fiel an die römische Provinz Syria. Archelaos, in dessen Gebiet Unruhen herrschten, wurde nach nur zwei Jahren von Augustus abgesetzt. Sein Reich wurde in die Provinz Judaea umgewandelt und einem Präfekten unterstellt.

Christen assoziierten mit dem Namen Herodes vor allem den Kindermord von Bethlehem. Überdies ließ der skrupellose König alle realen oder potenziellen Widersacher ermorden, darunter auch einige seiner eigenen Söhne aus acht Ehen und seine Ehefrau Marianne. Allerdings gelang ihm ein Ausgleich zwischen den jüdischen und den römischen Interessen. Zugleich erlebte das Land unter seiner Regentschaft eine wirtschaftliche Blüte. Herodes hatte in Rom Kaiser Augustus kennengelernt und orientierte sich an dessen Vorbild. Dass er im eigenen Land als Fremdherrscher wahrgenommen wurde, hatte zum einen den Grund, dass er als römischer Günstling galt, zweitens war er kein Jude, sondern Spross einer nabatäischen Fürstenfamilie.

Unter seiner Regentschaft entstanden landesweit prachtvolle Bauwerke und Tempel. Samaria wurde zur "Augustusstadt" neu aufgebaut und erhielt, wie Paneas, einen beeindruckenden Kaisertempel. Nahe Jerusalem und an den Küsten des Toten Meeres wurden Fluchtburgen angelegt, in der heißen Jordansenke entstand eine Siedlung mit einer kostbaren Gartenanlage. In Jerusalem ließ Herodes den Tempel, das größte Heiligtum der Juden, erweitern, am Rande des Tempelplatzes legte er die Antoniafestung an, am heutigen Jaffator einen großen Königspalast. In vielen Städten entstanden Befestigungsmauern, Tempel, Märkte, Theater, Wasserleitungen und Straßen.

Jesus von Nazareth wurde um das Jahr 4 v. Chr. als ältester Sohn des Zimmermannes Joseph und seiner Frau Maria wahrscheinlich im Dorf Nazareth (Galilaea) geboren. Über seine jungen Jahre gibt es keine verlässlichen Daten. Um das Jahr 29 schloss er sich dem Bußprediger und Täufer Johannes an.

Erst nach dessen Hinrichtung sammelte er einen eigenen Schülerkreis um sich und wirkte als Wanderprediger in Galilaea. In den etwa drei Jahren, in denen er seine Lehre verbreitete, geriet er in Konflikt mit den Pharisäern, einer jüdischen Religionspartei, die der Thora verpflichtet war, aber auch ein Auskommen mit der Obrigkeit suchte und deshalb von einigen der Heuchelei bezichtigt wurde. Als Jesus mit seinen Jüngern in Jerusalem einzog, eskalierte der Konflikt. Jesus wurde verhaftet, vom Hohen Rat der Juden wegen Gotteslästerung zum Tode verurteilt, der römischen Gerichtsbarkeit übergeben und unter Pontius Pilatus, dem Prokurator der Provinz Judaea, hingerichtet.

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