Orient - Anfänge und Ausbreitung des Islam

Erde - Glaubensgemeinschaften

978-3-14-100870-8 | Seite 37 | Abb. 4 | Maßstab 1 : 48.000.000
Orient | Anfänge und Ausbreitung des Islam | Erde - Glaubensgemeinschaften | Karte 37/4

Überblick

Mohammed, der Religionsstifter des Islam, wurde um 570 in Mekka auf der Arabischen Halbinsel geboren. Der Prophet erlernte zunächst den Kaufmannsberuf und trat in die Dienste der reichen Kaufmannswitwe Chadidscha, seiner späteren Frau. Chadidscha gebar ihm zwei Söhne und vier Töchter, von denen nur Fatima, die spätere "Stammmutter" seiner Nachfahren, überlebte.

Um 610 erlebte Mohammed in einer Nacht im Gebirge seine erste Vision. Von diesem Zeitpunkt an wirkte er als Prophet, der den einzigen Gott verkündete, dem die Menschen nach seiner Überzeugung völlige Unterwerfung schuldig seien. Zu der kleinen Schar der ersten Gläubigen zählten Chadidscha, der Gottsucher Waraqa Ibn Naufal, der von Mohammed adoptierte frühere Sklave Zayd und der Tuchhändler Abû Bakr (später erster Kalif).

Die meisten Bewohner von Mekka lehnten Mohammed und seine Lehre ab, nicht zuletzt, weil er sich gegen die Götzen wandte - als Ziel vieler Pilgerreisenden eine wichtige Einnahmequelle der Stadt. Als 619 seine Frau und sein Onkel und Gönner Abu Talib verstarben, verhandelte Mohammed mit Vertretern der durch Stammesstreitigkeiten zerrissenen Stadt Medina über seine Übersiedlung, die 622 erfolgte. Dieses Jahr, das erste nach islamischer Zeitrechnung, markiert den Beginn der Ausbreitung des Islam. In Medina schlossen sich die verfeindeten Stämme unter der Führung des Propheten zusammen und bekannten sich zum Islam. Auch die nomadischen Stämme der Umgebung wurden in das Bündnis integriert. Nach der Einnahme Mekkas 630 wurden die Juden und Christen zur Auswanderung gezwungen. Die räumliche Ausweitung der Gemeinde schritt unaufhaltsam fort, beim Tode Mohammeds (632) hatte sich der Islam bereits über weite Gebiete der Arabischen Halbinsel ausgebreitet.

Einige Stammesoberhäupter, die nur Mohammed Gefolgschaft geschworen hatten, begannen einen Aufstand gegen seinen Nachfolger, den ersten Kalifen Abû Bakr. Der reagierte blitzschnell und warf den Aufstand nieder. Da in diesem Kampf 300 "Korangedächtnisse" starben, also Krieger, die die Koransuren auswendig konnten, veranlasste Abû Bakr nach der Schlacht die schriftliche Abfassung des Korans. 633 erfolgte der Einmarsch in Persien, wo Abû Bakr nach seinem Sieg 70 000 Perser enthaupten ließ. Drei Jahre später gelang es seinem Nachfolger, dem Kalifen Omar (634-644), das byzantinische Heer in Palästina vernichtend zu schlagen. 638 zog er in Jerusalem ein, ab 642 eroberte er den Irak, Syrien und Ägypten, westlich dehnte er sein Reich bis Libyen aus. Kalif Omar, der als eigentlicher Schöpfer des islamischen Weltreichs gilt, wurde 644 von einem christlichen Perser ermordet.

Sein Nachfolger Otman (644-656) nahm große Teile des Kaukasus und das Indusgebiet ein, 655 schlug er die byzantinische Flotte vernichtend. Nach seiner Ermordung durch Aufständische setzte sich die Spaltung fort, die sich schon während seiner Regierungszeit mit der Herausbildung der islamischen Konfessionen der Sunniten und Schiiten abgezeichnet hatte. Die Frage der legitimen Nachfolge spaltete das Reich in die - später als schiitisch bezeichneten - Anhänger des Kalifen Ali ibn Abu-Talib, des Schwiegersohns Mohammeds, und in diejenigen Moawijas, einem Angehöriger der Omaijadendynastie. Als Ali 661 einem Mordanschlag zum Opfer fiel, übernahm Moawija das Kalifenamt und begründete die bis 750 dauernde Epoche der Omaijaden.

Ab 670 eroberten islamische Araber den Norden Afrikas bis nach Marokko. Ab 707 breitete sich die neue Lehre auch in Indien aus. 711 markierte der Sieg nordafrikanischer Mauren in Jerez de la Frontera das Ende des Westgotischen Reiches und den Beginn des maurischen Spanien. Auf ihrem Vormarsch nach Frankreich wurden die Araber erst 732 bei Tours und Poitiers von Karl Martell und seinem Frankenheer gestoppt. Martell war der Großvater Karls des Großen, der später in den Pyrenäen Grenzmarken gegen die Mauren errichtete. Mit der Ausrufung des Kalifats von Córdoba erlebte das maurische Spanien in den Jahren zwischen 929 und 1002 eine glanzvolle Epoche. Dann kam es zu schweren inneren Auseinandersetzungen, die ab 1030 zum Zerfall des Reiches und dem Beginn der christlichen Reconquista ("Rückeroberung") führten.

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