Ophir (Westsumatra) - Ölpalmenplantage

Singapur, Indonesien - Global orientiertes Wachstum

978-3-14-100803-6 | Seite 193 | Abb. 4 | Maßstab 1 : 200.000
Ophir (Westsumatra) | Ölpalmenplantage | Singapur, Indonesien - Global orientiertes Wachstum | Karte 193/4

Überblick

Die Ölpalme ist derzeit die wirtschaftlich bedeutendste tropische Nutzpflanze. Neben Soja und weit vor Raps und Sonnenblumen ist sie heute die wichtigste Ölpflanze der Welt, weshalb die Palmölerzeugung in den letzten Jahren massiv gesteigert wurde. Allein zwischen 1985 und 2012 wurden die Anbauflächen weltweit um mehr als das Zehnfache ausgeweitet, inzwischen werden auf mehr als 12 Mio. Hektar Land pro Jahr über 56 Mio. Tonnen des begehrten Rohstoffs produziert, Tendenz steigend. Rund 90 Prozent des weltweit erzeugten Palmöls stammen aus Asien, rund 80 Prozent allein aus Indonesien und Malaysia.

Ölpalmenboom in Südostasien

In Indonesien, dem weltgrößten Produzenten von Palmöl (2013: 28 Mio. Tonnen), wurden seit 1990 annähernd 2,5 Mio. Hektar Regenwald für neue Ölpalmenplantagen gerodet. Palmöl ist nicht nur ein wichtiges Nahrungsmittel, sondern findet auch in anderen Industrien Verwendung. Es gibt kaum einen Menschen auf der Erde, der nicht täglich mit palmölhaltigen Produkten in Berührung kommt. Dazu zählen viele Lebensmittel wie Margarine, Speiseeis und Frittieröl, Reinigungs- und Pflegemittel wie Seife und Shampoo, auch viele Kosmetika. Darüber hinaus wird Palmöl zur Strom- und Wärmegewinnung in Blockheizkraftwerken und als Erdölersatz für Agrokraftstoffe genutzt.

Zu den wirtschaftlichen Vorteilen des Palmöls zählen der günstige Preis, sein extrem hoher Flächenertrag von durchschnittlich 4000 Kilogramm Öl pro Hektar und Jahr (zum Vergleich: Soja 400 Kilogramm, Raps 700 Kilogramm) und nicht zuletzt die Schaffung neuer Arbeitsplätze; allein in Indonesien und Malaysia verschafft der Palmöl-Boom vielen Millionen Menschen ein Einkommen.

Für Umweltschützer ist die Palmöl-Industrie eine entscheidende treibende Kraft bei der Zerstörung von Regenwäldern – vor allem auf Sumatra und Borneo –, beim galoppierenden Verlust an Biodiversität durch die Ausbreitung von Monokulturen, bei der Verschmutzung von Flüssen durch die Abwässer der weiterverarbeitenden Fabriken und bei den großflächigen Brandrodungen zur Erschließung neuer Anbauflächen.

Der Produktions- und Verarbeitungsprozess erfordert normalerweise ein Management, über das in der Regel nur Großbetriebe verfügen, nicht aber Kleinbauern. Dies änderte sich mit der Einführung der sogenannten Nukleus-Plantagen, bei denen an eine Kernfläche (Nukleus) mit Fabrik zusätzliche Flächen angeschlossen werden, die Kleinbauern nach vertraglich festgelegten Regeln bewirtschaften. Ziel ist es, die Vorzüge einer Plantage mit denen eines bäuerlichen Familienbetriebs zu beiderseitigem Vorteil zu vereinen. Bereits in den 1970er-Jahren führte Malaysia diese integrierte Betriebsform in großem Stil ein, ab den 1980er-Jahren übernahm auch Indonesien das Konzept. Eine der ersten Nukleus-Plantagen Indonesiens war die 1981 gegründete Ophir-Plantage im Distrikt Pasaman-Barat in der Provinz West-Sumatra.

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Nachfolgende Gründungen

Der Erfolg der „Ophir“-Plantage gab den Anstoß zur Gründung vieler weiterer Ölpalmenplantagen nach demselben Muster, allerdings wurde den Kleinbauern später noch ein zusätzlicher Hektar Land für den Anbau anderer Nutzpflanzen zum Eigenverbrauch zur Verfügung gestellt, weil die Ölpalmen erst nach vier Jahren erstmals geerntet werden können und anschließend noch weitere Jahre brauchen, um ihre volle Ertragshöhe zu erreichen und ein akzeptables Einkommen zu gewähren. Drei Jahre nach der Evaluierung wurden in Indonesien schon 900 000 Hektar „Plasma-Land“ von rund 400 000 Kleinbauern bewirtschaftet, die von etwa zwei Millionen Familienangehörigen Unterstützung erhielten. War der Flächenanteil von Kleinbauern und Staatsbetrieben an den Ölpalmenplantagen Anfang der 1990er-Jahre noch gleich groß, bewirtschaften Letztere heute nur noch deutlich unter 20 Prozent der Plantagen, während sich die restlichen Anbauflächen auf Privatunternehmen und Kleinbauern verteilen.

Nachhaltige Plantagenwirtschaft in Ophir

Die Ophir-Ölpalmenplantage gilt als eines der erfolgreichsten Projekte der deutsch-indonesischen Entwicklungszusammenarbeit, an dem auf deutscher Seite die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) und die Deutsche Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit (GTZ) beteiligt waren. Die nach dem Nukleus-Prinzip konzipierte, 8000 Hektar große Pflanzung liegt direkt am Äquator in einer Höhe von 50 bis 200 Metern, etwa 15 Kilometer vom Indischen Ozean und rund 150 Kilometer von der Provinzhauptstadt Padang entfernt an der Westküste Sumatras (s. 196.1). Im Osten grenzt sie an die mit Regenwald bestandenen Hänge des 2910 Meter hohen Ophir-Vulkans. Es herrscht das für die inneren Tropen typische dauerfeuchte Regenwaldklima mit konstant hohen Temperaturen (durchschnittlich 27 bis 28 °C) und reichlichen Niederschlägen von über 4000 Millimetern pro Jahr mit zwei Maxima im April und Oktober – ideal für den Anbau von Ölpalmen.

Die Plantage ist zweigeteilt: An die 3200 Hektar große Kernplantage („Nukleus“) im Süden schließt sich im Norden die 4800 Hektar große Pflanzungsfläche der Kleinbauern, das sogenannte Plasma, an. Die Bewirtschaftung des Nukleus erfolgt durch die staatliche Plantagengesellschaft „P.T. Perkebunan VI“. Auf ihrem Gelände befinden sich die Fabrik, die Verwaltungsgebäude und die Wohnquartiere der rund 1750 Plantagenarbeiter. Das Plasma ist unter 2400 vertraglich gebundenen Kleinbauern zur eigenverantwortlichen Bewirtschaftung aufgeteilt; für jeden Haushalt stehen somit zwei Hektar zur Verfügung. Die Vertragsbauern stammen sowohl aus der näheren Umgebung als auch aus Java und leben in vier Neusiedlungen, den Dörfern I bis IV.

Im Jahr 2000 gab das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit (BMZ) eine Evaluierung in Auftrag, um die Nachhaltigkeit des Projekts zu überprüfen. Es zeigte sich, dass die Projektziele nicht nur erreicht, sondern teilweise sogar deutlich übertroffen worden waren. Die Palmölerträge lagen weit über dem indonesischen Schnitt. Die meisten Vertragsbauern hatten ihre Kredite früher zurückzahlen können als ursprünglich vorgesehen; ihr Durchschnittseinkommen übertraf das der anderen ländlichen Haushalte in der Region um das Drei- bis Vierfache. Die Belastungen für die Umwelt wurden als tragbar eingestuft.

Wie auf der Karte erkennbar, liegen mitten in der Plantage, fast wie Inseln, die beiden alten Dorfgemeinschaften Desa Pujorahayu und Desa Sidomulyo , die bei der Plantagengründung nicht bereit waren, an dem Projekt teilzunehmen. Sie leben heute von einer auf Selbstversorgung und lokale Lebensmittelmärkte ausgerichteten Landwirtschaft.

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