Nordseeküste - Tourismus und Naturschutz

Deutschland - Tourismus und Naturschutz

978-3-14-100380-2 | Seite 53 | Abb. 3
Nordseeküste | Tourismus und Naturschutz | Deutschland - Tourismus und Naturschutz | Karte 53/3

Überblick

Die deutsche Nordseeküste ist eine der wichtigsten Tourismusregionen in Deutschland. Sie ist geprägt durch das einzigartige Ökosystem des Wattenmeeres.

Ökosystem Wattenmeer

Das Wattenmeer ist dem Einfluss der Gezeiten ausgesetzt und unterliegt dem täglichen Wechsel von Ebbe und Flut. Es bildet den Lebensraum vieler Tiere. Muscheln, Schnecken, Würmer und Krebse sind nur einige von ihnen. Auch zahlreiche Vögel haben dort ihre Rastplätze oder nutzen den geschützten Raum, um ungestört zu nisten. Weiterhin dient das Watt auch als unerlässlicher Laichgrund für Fische, und auf den Sandbänken tummeln sich Seehunde. Die große Zahl unterschiedlicher Tier- und Pflanzenarten macht es bereits deutlich: Das Wattenmeer ist ein einzigartiges Ökosystem. Viele Lebewesen können ausschließlich dort existieren und haben sich den jeweiligen Bedingungen angepasst.

Gefährdung und Schutz

Aufgrund seiner vielen empfindlichen Ökosysteme ist das Weltnaturerbe Wattenmeer stark gefährdet. Zu seinem Schutz wurden drei Nationalparks eingerichtet. Die Bezeichnung „Nationalpark“ besagt, dass dieses Gebiet unter das Naturschutzrecht des Bundes fällt und strengen Schutzrichtlinien unterliegt. Durch den Schutz soll der grundsätzliche Charakter dieser Naturlandschaft erhalten bleiben. Die einmalige Naturlandschaft entlang der Nordseeküste wurde 2009 von der UNESCO zum Weltnaturerbe ernannt. Zu den Nationalparks entlang der Nordseeküste gehören das Niedersächsische Wattenmeer, das Hamburgische Wattenmeer und das Schleswig-Holsteinische Wattenmeer. Der Nationalpark Niedersächsisches Wattenmeer, 1986 gegründet, erstreckt sich von der niederländischen Grenze bis zur Elbmündung bei Cuxhaven und umfasst drei Zonen. Die Kernzone, der gut 68 Prozent der Fläche zugehören, genießt den höchsten Schutz und darf ganzjährig nur auf ausgewiesenen Pfaden betreten werden. Die zweite Zone umfasst rund 31 Prozent der Fläche und ist zugänglich, allerdings sind bestimmte Bereiche während der Brutzeit in Frühjahr und Sommer gesperrt. Nur etwa 0,5 Prozent der Fläche ist Badestränden und Kureinrichtungen vorbehalten. Der ursprünglich 244 000 Hektar große Nationalpark wurde durch zwei Erweiterungen 2001 und 2010 auf 345 000 Hektar bedeutend ausgeweitet. Der Nationalpark Schleswig-Holsteinisches Wattenmeer, 1985 ins Leben gerufen, 1999 ebenfalls stark erweitert, ist der flächenmäßig größte Nationalpark in Deutschland. Er erstreckt sich von der deutsch-dänischen Seegrenze bis zur Elbmündung im Süden und umfasst alle Landschaftsformen rund um die Geestkern- und Marscheninseln und Halligen. Mitten im Nationalpark vor Friedrichskoog befindet sich die Ölbohrplattform Mittelplate, die das bedeutendste deutsche Ölfeld ausbeutet. Die großen Öltanker von einst wurden inzwischen durch eine unterirdische Pipeline ersetzt. Das Hamburgische Wattenmeer ist das kleinste der drei Wattenmeergebiete. Es hat eine Größe von rund 13 740 Hektar und liegt vor der Küste von Cuxhaven an der Elbmündung. Der Nationalpark Hamburgisches Wattenmeer wurde 1990 gegründet.

Gliederung des Wattenmeeres

Im Wattenmeer gibt es drei Bereiche. Ein Bereich ist ständig unter Wasser. Der nächste Bereich wird regelmäßig überflutet und liegt regelmäßig trocken: das Watt. Der dritte Bereich liegt etwas oberhalb des Flutsaumes und wird nur selten überflutet. Dieser Abschnitt kann von Menschen nicht bewirtschaftet werden. Es entstehen sogenannte Salzwiesen. Diese Salzwiesen liegen zwischen Watt und Marsch. Sie bilden somit einen Übergangsbereich zwischen dem Meer und dem Land und sind ein besondere Lebensraum für Tiere und Pflanzen. Salzwiesen entstehen durch die Ablagerung von Schwebteilchen. Sobald diese eine bestimmte Mächtigkeit erreicht haben, siedeln sich dort Pflanzen an, sogenannte Pionierpflanzen.

Tourismus an der Nordseeküste

Die Nord- und Ostfriesischen Inseln zählen zu den bedeutendsten Tourismusregionen in Deutschland, die jährlich etwa 10 Millionen Übernachtungsgäste und 30 bis 40 Millionen Tagesausflügler anlocken. Während die Region über Jahrhunderte als rau und unwirtlich galt, setzte im 19. Jahrhundert mit der Entstehung eines neuen großbürgerlichen Reiseverhaltens („Sommerfrische“) und der Gründung erster Seebäder eine Umdeutung ein. In der zuvor vor allem vom Fischfang lebenden Region entwickelte sich der Tourismus zu einem der wichtigsten Wirtschaftsfaktoren. Auf vielen der Inseln und in einigen Orten auf dem Festland ist der Tourismus inzwischen die bedeutendste Einnahmequelle und wichtigster Motor des lokalen Arbeitsmarktes. Das touristische Angebot umfasst neben Wattwanderungen geführte Rad-, Kutter- und Erlebnistouren, Events und Veranstaltungen, aber auch Kur-, Wellness- und Sportangebote sowie Erholungszentren.

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