Nordrevier - Grundwasserabsenkung

Deutschland - Rheinisches Braunkohlenrevier

978-3-14-100803-6 | Seite 67 | Abb. 2 | Maßstab 1 : 250.000
Nordrevier | Grundwasserabsenkung | Deutschland - Rheinisches Braunkohlenrevier | Karte 67/2

Überblick

Auf der Karte über die Grundwasserabsenkung im Raum Mönchengladbach zwischen 1960 und 2012 lassen sich drei Schwerpunkte erkennen: Das Ausmaß der weiträumigen Grundwasserabsenkung um teilweise mehr als 20 Meter, die dadurch verursachte potenzielle Beeinträchtigung der regionalen Trink- und Brauchwasserversorgung (sowie ihre gezielte Vermeidung durch Wasserzuleitung) und schließlich die Erhaltung von Feuchtgebieten und Fließgewässern durch künstliche Wasserzufuhr.

Wasserwirtschaft in Garzweiler

Verantwortlich für die Grundwasserabsenkung im Nordrevier sind vor allem die Sümpfungsmaßnahmen, die zur Trockenhaltung des Tagebaus Garzweiler I durchgeführt werden. Ohne Gegenmaßnahmen würde die Absenkung des Grundwassers stärker ausfallen. Zur Vermeidung oder Verminderung solcher Folgeschäden wird deshalb ein Teil des abgepumpten Wassers mit Rohrleitungen in die Umgebung der Wasserwerke und Feuchtgebiete gebracht und dort in den Untergrund versickert. In den Quellregionen einiger Gewässer wird die Wasserführung auch durch Direkteinleitungen gesichert.

Grundwasserabsenkung durch Tagebau

Die Gewinnung von Braunkohle im Tieftagebau setzt voraus, dass eine Absenkung des Grundwassers bis unter die Tagebausohle erfolgt. Daher müssen im Umfeld des Tagebaus die oberhalb der Braunkohle gelegenen Grundwasserleiter entleert und die unterhalb der Flöze liegenden Schichten vom Wasserüberdruck entspannt werden. Dies erfolgt mit Galerien von Brunnen im Bereich des aktiven Tagebaufeldes. Durch den seit Mitte der 1950er-Jahre vollzogenen Übergang zur Großtechnologie mit wenigen, flächenhaft ausgedehnten Abteufungsarealen gehen sowohl Grundwasserabsenkung als auch Grundwasserentspannung deutlich über den engeren Tagebaubereich hinaus.

Die Diskussion um die Folgen der Grundwasserabsenkung erreichte um die Mitte der 1970er-Jahre bei der Planung des Großtagebaus Hambach (vgl. 67.5) erstmals eine breitere Öffentlichkeit. Denn auch in erheblicher Entfernung von den Tagebauen sind die ökologischen und ökonomischen Auswirkungen der Grundwasserabsenkung noch spürbar. Verbindliche Auflagen seitens des Gesetzgebers, in diesem Fall des Landes Nordrhein-Westfalen, geben inzwischen vor, dass der Braunkohlenabbau ökologisch vertretbar sein muss. So entstand in den 1980er-Jahren ein ökologisches Anforderungsprofil für den bestehenden Tagebau Garzweiler I. Eine der Anforderungen lautete, dass jährlich rund 55 Mio. Kubikmeter Wasser aus der Sümpfung zur Trockenhaltung des Tagebaus in verschiedene Bereiche der betroffenen Region geliefert werden müssen, um Beeinträchtigungen des Wasser- und Naturhaushaltes ausgleichen oder vermeiden zu können.

Die Erfahrungen, die seit den 1980er-Jahren mit Maßnahmen wie dieser gemacht wurden, zeigen, dass die Grundwasserabsenkung in sensiblen Gebieten begrenzt werden kann. Für die Fortführung des Braunkohlenabbaus im Anschlusstagebau Garzweiler II, in dem 2006 der Betrieb aufgenommen wurde, mussten die Ausgleichsmaßnahmen fortgeführt und verstärkt werden. Von Jüchen aus führt ein langes Rohrleitungssystem zu verschiedenen Feuchtgebieten; es wird parallel zur Ausweitung des Tagebaus in Zukunft weiter wachsen. Mit einem intensiven Überwachungsprogramm soll außerdem sichergestellt werden, dass insbesondere die Feuchtgebiete des internationalen Naturparks Maas-Schwalm-Nette von Grundwasserabsenkungen verschont bleiben.

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