Nordische Vereisungen

Nordische Vereisungen

978-3-14-100759-6 | Seite 5 | Abb. 1 | Maßstab 1 : 1.500.000
Nordische Vereisungen |  | Nordische Vereisungen | Karte 5/1

Informationen

Die Oberflächenformen des norddeutschen Tieflandes, das sich von der Nord- und Ostseeküste bis zur Mittelgebirgsschwelle erstreckt, wurden maßgeblich durch die pleistozänen Eismassen und ihre Schmelzwasser geprägt. In drei aufeinanderfolgenden Eiszeiten schoben sich skandinavische Inlandgletscher weit nach Süden vor und transportierten dabei große Mengen Gesteinsmaterial bis nach Norddeutschland. Benannt wurden die einzelnen Eiszeiten nach den Flüssen, die die weiteste Ausdehnung der jeweiligen Eisschilde markieren: Elster, Saale und Weichsel.

Glaziale Serie
Bei den einzelnen Gletschervorstößen entstand in Norddeutschland ein regelmäßiger glazialer Formenschatz. Diese glaziale Serie besteht aus der geschiebeführenden Grundmoräne, der wallartigen Endmoräne, die bogenförmig um das Zungenbecken angeordnet ist und den davor liegenden Schotterebenen (Sander), die durch die ausgetretenen Schmelzwasser aufgeschüttet wurden. Die Schmelzwasser sammelten sich in breiten Urstromtälern und flossen mit dem Wasser der von Süden kommenden Flüsse parallel zum Eisrand nach Nordwesten ins Meer ab. Die Spuren der ältesten Eiszeit (Elstereiszeit, vor ca. 350 000 Jahren), deren Gletscher bis an den Rand der deutschen Mittelgebirge vordrangen, wurden allerdings von den nachfolgenden Glazialen (Saale- und Weichseleiszeit) und Interglazialen (Eem- und Holsteinwarmzeit) weitgehend überformt. Die typische Abfolge der glazialen Serie ist daher meist nur in weichseleiszeitlichen Jungmoränenlandschaften und hier auch nur im Idealfall vollständig erhalten. Das Inlandeis der Saaleeiszeit (vor ca. 230 000—130 000 Jahren) blieb in Nordostdeutschland hinter dem Elstervorstoß zurück. Die Gletscher der Weichseleiszeit (vor ca. 115 000—10 000 Jahren) drangen auch in ihrer weitesten Vorstoßphase, dem Brandenburger Stadium, nicht über die Elbe und den saaleeiszeitlichen Südlichen Landrücken hinaus.

Moränenlandschaft in Mecklenburg-Vorpommern
90 % des Landes werden von den Jungmoränenlandschaften der Weichseleiszeit eingenommen und von den Eisrandlagen der verschiedenen Gletschervorstöße deutlich gegliedert. Diese treten teilweise als klar erkennbarer Höhenzüge des Nördlichen Landrücken in Erscheinung. Teil des Landrückens, der das Land in nordwest-südöstlicher Richtung durchzieht, ist die Mecklenburgische Seenplatte. Die meisten Seen bildeten sich in Toteislöchern oder Schmelzwasserrinnen. Den einzelnen Eisrandlagen sind die fächerförmigen Sanderflächen vorgelagert. Die saaleeiszeitlichen Ablagerungen im Südwesten des Landes (Altmoränengebiet) wurden von den Schmelzwasserrinnen der jüngsten Eiszeit teilweise zerschnitten und durch nachfolgende Abtragung und Sedimentation umgeformt. Die welligen Grundmoränenebenen nordöstlich des Landrückens werden von Tälern, Drumlins und Osern unterbrochen. Die Küste erfuhr ihre Formung erst infolge des postglazialen Meeresspiegelanstiegs. Eine geologische Modellregion für eiszeitlich entstandene Landschaften ist der rund 5000 km² große Geopark Mecklenburgische Eiszeitlandschaft im Südosten des Landes.
U. Kleinelümern

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