Nordische Vereisungen

Eiszeiten in Norddeutschland

978-3-14-100753-4 | Seite 5 | Abb. 1 | Maßstab 1 : 1.000.000
Nordische Vereisungen |  | Eiszeiten in Norddeutschland | Karte 5/1

Informationen

Die Oberflächenformen des norddeutschen Tieflandes, das sich von der Nord- und Ostseeküste bis zur Mittelgebirgsschwelle erstreckt, wurden maßgeblich durch die pleistozänen Eismassen und ihre Schmelzwasser geprägt. In drei aufeinanderfolgenden Eiszeiten schoben sich skandinavische Inlandgletscher weit nach Süden vor und transportierten dabei große Mengen Gesteinsmaterial bis nach Norddeutschland. Benannt wurden die einzelnen Eiszeiten nach den Flüssen, die die weiteste Ausdehnung der jeweiligen Eisschilde markieren: Elster, Saale und Weichsel.

Glaziale Serie
Bei den einzelnen Gletschervorstößen entstand in Norddeutschland ein regelmäßiger glazialer Formenschatz. Diese glaziale Serie besteht aus der geschiebeführenden Grundmoräne, der wallartigen Endmoräne, die bogenförmig um das Zungenbecken angeordnet ist und den davor liegenden Schotterebenen (Sander), die durch die ausgetretenen Schmelzwasser aufgeschüttet wurden. Die Schmelzwasser sammelten sich in breiten Urstromtälern und flossen mit dem Wasser der von Süden kommenden Flüsse parallel zum Eisrand ins Meer ab. Die Spuren der ältesten Eiszeit (Elstereiszeit, vor ca. 350 000 Jahren), deren Gletscher bis an den Rand der deutschen Mittelgebirge vordrangen, wurden allerdings von den nachfolgenden Glazialen (Saale- und Weichseleiszeit) und Interglazialen (Eem- und Holsteinwarmzeiten) weitgehend überformt. Die typische Abfolge der glazialen Serie ist daher meist nur in weichseleiszeitlichen Jungmoränenlandschaften und hier auch nur im Idealfall vollständig erhalten. In Nordwestdeutschland stieß das Inlandeis der Saaleeiszeit (vor ca. 230 000—130 000 Jahren) teilweise über den Stand der Elstereiszeit vor. Die Gletscher der Weichseleiszeit (vor ca. 115 000—10 000 Jahren) drangen auch in ihrer weitesten Vorstoßphase, dem Brandenburger Stadium, nie weiter als bis zur Elbe vor.

Moränenlandschaft in Schleswig-Holstein
Ohne die teils mächtigen eiszeitlichen Ablagerungen wäre Schleswig-Holstein vom Meerwasser der Nord und Ostsee überflutet. Glazialmorphologisch wird das "Land zwischen den Meeren" in die Altmoränenlandschaften der Elster- und Saalevereisung und die reliefreichen Jungmoränenlandschaften (Grund- und Stauchendmoränen) unterteilt. Die Grenze verläuft etwa in der Mitte des Landes von Flensburg über Neumünster bis östlich von Hamburg. Zwischen der Hauptstillstandslinie der Weichseleiszeit und der Ostsee erstreckt sich das durch die Eisrandlagen der verschiedenen Gletschervorstöße stark gegliederte, seenreiche Schleswig-Holsteinische Hügelland. Die Zungenbecken der einstigen Gletscher bilden heute die tief ins Hügelland reichende Förden. Den Eisrandlagen sind die fächerförmigen, teilweise vermoorten Sanderflächen der niederen Geest vorgelagert. Westlich davon bilden Altmoränen die hohe Geest, die während der Weichseleiszeit teils durch Schmelzwasserrinnen zerschnitten und durch nachfolgende Abtragung und Sedimentation zu einer flachwelligen Landschaft umgeformt wurde. Die See- und Flussmarschen entstanden als jüngste Landschaft erst nach den Eiszeiten aus Meeresablagerungen.
U. Kleinelümern

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