Nordatlantische Oszillation (NAO) - winterliche Wettersysteme - Negativer NAO-Index

Erde - Klimadynamik

978-3-14-100700-8 | Seite 232 | Abb. 2 | Maßstab 1 : 120.000.000
Nordatlantische Oszillation (NAO) | winterliche Wettersysteme | Erde - Klimadynamik | Karte 232/2

Informationen

Der Nordatlantischen Oszillation (NAO), einer Schwankung im Luftdruck-Gegensatz zwischen Azorenhoch und Islandtief, wird ein bedeutender Einfluss auf die in den letzten Jahrzehnten beobachtete Klimavariabilität in den atlantisch geprägten Räumen Europas und Nordamerikas zugewiesen. Viele klein- und großräumige Veränderungen, die sich über Jahre und Jahrzehnte hinweg vor allem im winterlichen Temperatur- und Niederschlagsgeschehen zeigen, sind eng mit der Existenz dieser "Luftdruckschaukel" im nordhemisphärischen Atlantik verknüpft — und das bedeutet, dass sie zunächst nicht im Kontext des globalen Klimawandels stehen. Der Klimaforscher Martin Beniston beispielsweise hat ganz in diesem Sinne festgestellt, dass die in den Schweizer Alpen aufgetretenen warmen Winter der letzten Jahrzehnte im Wesentlichen durch die Nordatlantische Oszillation zu erklären sind.

Die Nordatlantische Oszillation
Die Atlaskarte zeigt zwei extreme Modi der Nordatlantischen Oszillation — den positiven und den negativen NAO-Index — und deren Auswirkungen auf das Wetter- und Witterungsgeschehen im nordhemisphärischen atlantischen Raum. Prägend für die Nordatlantische Oszillation sind erstens die Luftdruckamplitude zwischen Azorenhoch und Islandtief und zweitens die auftretenden Schwankungen in diesem Luftdruckgefälle.
Ist die Luftdruckdifferenz zwischen Azorenhoch und Islandtief hoch, spricht man von einem positiven NAO-Index, ist die Luftdruckdifferenz hingegen niedrig, liegt eine negative NAO-Index-Lage vor. Besonders ausgeprägt ist das Luftdruckgefälle zwischen Azorenhoch und Islandtief grundsätzlich in den Wintermonaten von Dezember bis März. Es kann aber in seinem Ausmaß von Winter zu Winter schwanken, und das äußert sich beispielsweise in einer stärker oder schwächer ausgeprägten westlichen Zirkulationsintensität.
Wissenschaftlich besonders interessant — weil dann auch klimawirksam — sind über mehrere Jahre oder Jahrzehnte anhaltende Phasen mit positiven oder negativen NAO-Indexwerten. So herrschten beispielsweise in dem Zeitraum zwischen 1902 und dem Ende der 1920er-Jahre starke winterliche Druckdifferenzen zwischen Azorenhoch und Islandtief vor, von Anfang der 1960er- bis Anfang der 1970er-Jahre dominierten hingegen eher geringere Luftdruckgegensätze. Seit den 1980er-Jahren ist das winterliche Wetter- und Witterungsgeschehen wiederum durch positive NAO-Indizes geprägt, wobei der ansteigende Trend seit den 1960er-Jahren und die Magnitude des NAO-Indexwerte Anfang der 1990er-Jahre schon Auffälligkeiten im Betrachtungszeitraum der letzten 180 Jahre sind. Allerdings hat sich der Trend zu hohen NAO-Indexwerten in den letzten Jahren nicht fortgesetzt. Seit etwa 1995 nimmt der NAO-Index ab; negative NAO-Werte bestimmten alle letzten Winter mit Ausnahme des Winters 2006/2007.

NAO und Klimawandel
Die positiven Indexwerte der Nordatlantischen Oszillation der 1990er-Jahre werfen die Frage auf, ob die rezente Erwärmung einen maßgeblichen Einfluss auf die NAO ausübt. Verschiedene Klimamodellsimulationen deuten an, dass die Nordatlantische Oszillation sensitiv auf steigendes CO2 reagiert, andere Faktoren aber eine weitaus größere Rolle spielen müssen. Dies bestätigt natürlich auch der seit Ende der 1990er-Jahre zu registrierende Trend hin zu negativen NAO-Indexwerten.
Umgekehrt sollten Diskussionen über den Klimawandel in Europa nicht die Einflüsse gerade lang anhaltender Phasen bestimmter NAO-Indexlagen außer Acht lassen. Keinesfalls sollten regionale, etwa in Europa auftretende Klimavariabilitäten, die auf die Nordatlantische Oszillation zurückgeführt werden können, den Blick auf den globalen Klimawandel verstellen.
W. Hoppe

Materialien zu dieser Karte

Weitere Materialien

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Methode Mystery: Wer tötet Floridas Fische? - (TTG: Denken lernen durch Geographie)

Arbeitsblatt mit einem Unterrichtsvorschlag von Dr. Norma Kreuzberger, der Karteninhalte mit der Methode "Mystery" erschließt (aus Diercke-Werkstatt-Veranstaltung 2008)
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Unterschiedliche Strömungen im Atlantik

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Entwicklung des winterlichen NAO-Index zwischen 1824/25 und 2006/2007

Im letzten Jahrhundert überwogen die positiven NAO-Zustände.
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